Die Seefelder Zunterer – Die „Zunterer-Saga“

Warum ist hier etwas über die Seefelder Zunterer zu finden? Obwohl es heute in Seefeld keine Träger dieses Familiennamens (mehr) gibt?

Ganz einfach:

1. Die „Zunterer“ gehören zu den ersten Familien, die in den ältesten relevanten schriftlichen Dokumenten aus Seefeld auftauchen: in den kirchlichen Matrikenbüchern (z.B. Caspar Zunterer 1603), in den Urbarien (z. B. 1678), den Steuerkatastern, den Verfachbüchern usw

2. Die “Zunterer” waren Jahrhunderte hindurch in Seefeld ein zahlenmäßig sehr großer Familienclan. Es gibt kaum eine Familiengeschichte alteingesessener Seefelder , in deren Verlauf nicht der Familienname Zunterer vorkommt.

3. Dies trifft auch auf unseren Familienclan zu: Die Mutter von Balthasar Neuner (1804 – 1866), jenem Mann, dem wir unseren Vulgonamen “Hauser” verdanken, ist eine Zunterer: Anna Zunterer (1773 – 1830), Tochter des Seefelder Schneiders Josef Zunterer und seiner aus Leutasch stammenden Frau Christina Neinerin.

Und der älteste Sohn von Balthasar Neuner, Johann Neuner (“Alt-Hauser”, 1832 -1907), heiratet mit Theres Kluckner (Tochter von Maria Gapp und Michael Kluckner) die Enkelin einer anderen Anna Zunterer (1772 – 1860), verheiratet mit Michael Gapp. Diese Anna Zunterer ist die Cousine von Anna Zunterer, der Mutter von Balthasar Neuner.

Es ist also naheliegend, dass wir “Hauser” uns auch mit der Familiengeschichte der Seefelder Zunterer beschäftigen, sie zählen zu unseren direkten Vorfahren.1

 

1. Ein Kontrabass und ein vergessener Familienname

 

Den meisten Seefeldern wird es bei einem Besuch im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum wohl so ergehen wie dem Autor dieses Berichts: staunend und etwas überrascht liest man in der Instrumentenabteilung bei einem alten ausgestellten Kontrabass, dass er von einem Seefelder Instrumentenbauer Namens Konrad Zunterer stammt. Nähere Recherchen ergeben, dass dieser Handwerker von 1717 bis 1778 in Seefeld gelebt und gewirkt hat, und dass er sich ebenso wie sein Bruder Leopold Zunterer (1722 bis 1792) dem Instrumentenbau gewidmet hat. Bereits deren Vater Anton Zunterer hat als Seefelder Tischler Geigen repariert. In Fachkreisen bekannt und gerühmt werden die Instrumente von Konrad Zunterer, insbesondere seine Kontrabässe, wegen ihres vorzüglichen Tons und der prachtvoll geschnitzten “Schnecken” (http://www.musikland-tirol).

             Der Kontrabass des Seefelders  Konrad Zunterer im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.2.

Heute gilt die Geige weithin als Instrument der klassischen Musik. Trotzdem besteht in einem historischen Rückblick keine automatische Zuordnung der Geige bzw. von Streichinstrumenten zur “klassischen” Musik. Im Gegenteil, die Geige war wahrscheinlich das wichtigste Instrument in der Tiroler Volksmusik vergangener Jahrhunderte, instrumentale Volksmusik war vor allem Geigenmusik. Ansatzweise wird diese Tradition auch heute noch (oder wieder) in Musikrichtungen höchst erfolgreich angewendet, die man gemeinhin “volkstümliche Musik” nennt.

Der Kontrabass des Seefelders Konrad Zunterer soll uns aber im Zusammenhang dieses Berichtes nicht so sehr zu seinem handwerklichen Können als Instrumentenbauer führen, sondern zu seiner Familie bzw. zu den Seefeldern mit dem heute im Ort (fast) vergessenen Familiennamen Zunterer.

Während in den bayrischen Dörfern gleich nördlich der heutigen Staatsgrenze bei Scharnitz der Familienname Zunterer bekannt und verbreitet ist, zeigen bereits einfache Recherchen, dass dieser einst in Seefeld oft vorhandene Familienname in unserem Land fast gänzlich verschwunden ist. Vereinzelte Träger dieses Namens gibt es u.a. noch im Tiroler Oberland, die alle von den Seefelder Zunterern abstammen, und in Scharnitz, deren Vorfahren aber aus Mittenwald in Bayern kommen.

 

2. Seefelds letzte Zunterer

Unter den älteren Seefeldern gibt es noch zahlreiche persönliche Erinnerungen an die Zunterer in Seefeld. Einige erinnern sich noch an Mitschülerinnen namens Zunterer, andere an Arbeitskolleginnen. Manche wissen noch um die ärmlichen Verhältnissen im Haus des Martin Zunterer im heutigen “Schmuckkastl” (Haus Nr. 22) und dessen tragische Familiengeschichte, oder kennen noch Martl Zunterer als “den letzten Zunterer” und seine Verwandten und Mitbewohner im Haus Nr. 119 an der Leutascher Straße. Allerdings ist das Wissen um die Familiengeschichte der Zunterer und die Zusammenhänge mit der Dorfgeschichte nicht mehr allgemein bekannt.  An die Zunterer in den eigenen Familien-Stammbäumen (auch in jenem des Hauser-Clans) erinnern sich die meisten Seefelder nur mehr sehr vage und unbestimmt.

Der Familienname Zunterer verschwindet in Seefeld mit der Eheschließung der beiden Schwestern Hedwig und Maria “Midi” Zunterer bzw. der Übersiedlung ihrer Eltern Martin und Veronika Zunterer nach Rietz vor etwas mehr als 50 Jahren.

Hedwig Knauss geb. Zunterer

Die 2007 verstorbene Friseurin Hedwig Knauss war die letzte in Seefeld lebende „Zunterer“, zumindest mit ihrem Mädchennamen. Sie hat ihren Familiennamen Zunterer bei ihrer Eheschließung 1948 mit dem aus Ramsau stammenden Zimmermann Willibald Knauss “eingetauscht”, und hat vier Kindern das Leben geschenkt, Willibald, Bruno, Silvia und Manfred.

Maria „Midi“ Zunterer, verehel. Plank

Ihre Schwester Maria geb. Zunterer geht 1949, ein Jahr nach ihrer Schwester, mit dem Haller Maurer Franz Plank die Ehe ein, die allerdings nicht lange dauert. Nach der Trennung zieht Franz Plank wieder nach Hall und heiratet dort noch einmal. Er ist inzwischen verstorben. Maria (Midi) Zunterer schenkt fünf Kindern das Leben: Monika Zunterer, Johann Plank (aus der Ehe mit Franz Plank), Erika Zunterer, Walter Zunterer und Werner Zunterer. Inzwischen hat sie sieben Enkel und acht Urenkel. Tochter Monika Zunterer hat nach Jenbach geheiratet und ist inzwischen verstorben, Johann Plank hat lange in Seefeld und Umgebung gearbeitet (Schischule, Streichelzoo…) und wohnt nun mit seiner Familie in Rietz, Tochter Erika Zunterer hat in Telfs eine Familie gegründet, die Söhne Walter und Werner Zunterer wohnen in Rietz und sorgen dafür, dass der Familienname Zunterer weiterlebt bzw. weitergegeben wird – wenn auch nicht in Seefeld.

Veronika Zunterer, verw. Seelos, geb. Gapp.

Die Eltern von Hedwig Knaus geb. Zunterer und Maria Midi Plank geb. Zunterer sind Martin Zunterer und Veronika Gapp verwitwete Seelos. Das Familienleben spielt sich im Haus Leutascher Straße 119 ab. Das Haus gehört Alois Gapp “Tschurpnlois” sen. (geb. 1876). Er hat das große Haus um 1910 neben seinem Elternhaus Nr. 66 und hinter dem Gruggerhof Nr. 64 gebaut. Er ist Bergknappe und wohnt hier mit seiner Frau Maria Neuner vom “Spackler” in Mösern (geb. 1885), die er 1913 geheiratet hat. In dieses neue Haus zieht seine Schwester Veronika geb. Gapp mit ihrem ersten Mann Johann Seelos und ihrem Sprössling Anton ein (der späteren Schilegende Toni Seelos), nachdem sie ihre ersten gemeinsamen Jahre vorher in Telfs verbracht haben. In Seefeld folgen die Söhne Adolf, Johann und Karl. Veronikas Mann Johann Seelos findet Arbeit in der “Maxhütte”, verstirbt aber 1922 an einer akuten Krankheit. (Bachmann/Kneisl, Toni Seelos – Ein Leben für den Skisport, Innsbruck 1999, 11ff).

Martin Zunterer (re.), mit Anton Kuen („Zeirer“, li.) und  Paul Norz (Fahrer).

Drei Jahre später heiratet die Witwe Veronika Seelos geb. Gapp 1925 den Martin Zunterer aus Affenhausen, der nun ins Haus Nr. 119 einzieht. 1926 kommt Tochter Hedwig Zunterer auf die Welt, 1927 stirbt der Sohn Adolf Seelos aus der ersten Ehe, 1928 kommt Maria (Midi) Zunterer als zweite Tochter von Martin und Veronika Zunterer auf die Welt. 1948 heiratet Hedwig, Trauzeuge ist ihr Stiefbruder Toni Seelos. Bei der Hochzeit von Schwester Maria Zunterer 1949 sind dies Johann Schletterer und Alois Gapp. Veronika Seelos’s Sohn Johann Seelos aus der erster Ehe kommt aus dem Krieg nicht mehr nach Hause, sein Bruder Karl Seelos wird schwer verwundet und verliert ein Bein.

Martl Seelos vom Haus Nr. 119 mit seiner Frau Veronika geb. Gapp, Witwe nach Johann Seelos, mit einem der Söhne aus Veronikas erster Ehe.

Im Haus Nr. 119 leben aus der Zunterer-Familie aber nicht nur die Eheleute Martin und Veronika Zunterer mit ihren Kindern, sondern einige Jahre später auch Martin Zunterers Schwester Hedwig Zunterer (geb. 1898 in Affenhausen). Sie heiratet 1922 den Johann Schletterer und gründet mit ihm eine große Familie: Erich Schletterer (wird ein Opfer des Krieges), Maria Schletterer (heiratet nach Innsbruck), Zenzi Schletterer (verstirbt 2017 als Witwe Unterwurzacher in Seefeld), Herbert Schletterer (zieht es in die Steiermark), Hannelore Schletterer (verehelichte Haas in Seefeld) und Hans Schletterer (verunglückt auf tragische Weise beim Schispringen).

Im großen Haus wohnt außer den Familien der beiden Zunterer-Geschwister und der Familie des Hauseigentümers Alois Gapp noch dessen Schwester Maria (Midl) Gapp, die mit Franz X. Egger verheiratet ist. Sie hat ihren Mann während eines Lazarettaufenthaltes (nach einer schlimmen Verwundung vor Stalingrad) im Seefelder “Berghof” kennengelernt und nach seinem vorübergehenden Aufenthalt im heimatlichen Nonnsberg in Südtirol und einem abenteuerlichen Fußmarsch inklusive illegalem Grenzübertritt am Timmelsjoch von Nonnsberg bis nach Seefeld hier heiraten können. Ihr Sohn Reinhard Egger (geb. 1949) ist als ehemaliger Mitbewohner im Haus Nr. 119 ein wertvoller “Zeitzeuge” für das Leben der letzten Zunterer in Seefeld.

Seefeld um 1913. Im Vordergrund das von Alois Gapp „Tschurp“ neu erbaute Haus Nr. 119, in dem auch seine Schwester Veronika sowohl mit ihrem ersten Mann Johann Seelos, als auch später mit ihrem zweiten Mann Martin Zunterer samt den Kindern wohnt.3.

Obwohl Martin Zunterer und seine Schwester Hedwig nicht in Seefeld, sondern in Affenhausen auf die Welt gekommen sind, sind sie keine zugezogenen “Wahl-Seefelder”, sondern waschechte Seefelder – zumindest nach ihren väterlichen Vorfahren. Ihr Vater ist nämlich der Seefelder Eduard Zunterer (geb. 1859), der aus beruflichen Gründen (zuerst im Straßenbau, später bei der Bahn) und schlussendlich anlässlich seiner Eheschließung 1890 mit Agnes Zotz aus der Fraktion Tobland (Mieming) von Seefeld dort hingezogen ist. Seinen Eltern und deren Vorfahren werden wir später beim virtuellen Spaziergang durch Seefeld im Jahr 1850 (siehe unten) in der damaligen Schiffgasse im Haus Nr. 7 begegnen.

Kein Mitglied der Familie des Martin und der Veronika Zunterer verbringt seinen Lebensabend im Haus Nr. 119:

  • Hedwig Knaus geb. Zunterer bezieht mit ihrem Mann Willibald Knaus und ihren Kindern die Wohnung im alten Schießstand der Gemeinde Nr. 191, nachdem sich die Vormieter (Familie Zorzi) ein eigenes Haus gebaut haben.
  • Martin Zunterer zieht mit seiner Frau Veronika verw. Seelos geb. Gapp um 1956 von Seefeld nach Rietz in ein Haus an der Bundesstraße Nr. 23, das er von seinem kinderlos gebliebenen Bruder Johann Zunterer (der nach Rietz die Theresia Föger geheiratet hatte, siehe unten Schiffgasse 7) bzw. von dessen Witwe geerbt hat. Martin Zunterer verstirbt bald nach seiner Übersiedlung 1957 in Rietz, seine Frau Veronika Zunterer verw. Seelos geb. Gapp verstirbt 1966. Ihr Grab befindet sich am Rietzer Friedhof.
  • Maria Plank geb. Zunterer folgt nach ihrer Trennung von ihrem Ehemann Franz Plank mit ihren damaligen Kindern den Eltern nach Rietz. Heute wohnt sie hier mit ihrem Sohn Johann Plank und seiner Familie, vier Generationen unter einem Dach. Bei einem Besuch vor einiger Zeit (2012) ist sie völlig überrascht aber hoch erfreut, dass sie nun ihre Vorfahren in Seefeld bis cà 1580 zurück nachverfolgen kann….

 

3. Wir alle sind Zunterer……

Mit dem Verschwinden des Familiennamens Zunterer aus Seefeld ist “nur” das Verschwinden des Familiennamens gemeint und nichts anderes. Gene und Erbanlagen wechseln ja bekanntlich nicht mit der Änderung eines Familiennamens. Die Zunterer sind weder geschlossen ausgewandert noch wurden sie gewaltsam ausgerottet oder vertrieben. Es gab einfach keine männlichen Nachkommen mehr in den Seefelder Zunterer-Familien, die in Seefeld eine Familie gegründet haben.

Der Familiennahme wurde in unserer Gesellschaftsordnung bis vor Kurzem ausschließlich über männliche Nachkommen weitergetragen, ausgenommen bei unehelichen, nicht legitimierten Kindern. Frauen haben bei ihrer Verehelichung den Familiennamen des Mannes übernommen. Die weiblichen Nachkommen der ehemaligen Seefelder Zunterer- so sie nicht ledig bzw. kinderlos geblieben sind – heißen nach ihrer Verehelichung eben Albrecht, Gapp, Gaugg, Haas, Has(e)lwanter, Hiltpolt, Kirchmair, Kuen, Lagger, Neuner, Norz, Ölhafen, Sailer, Schletterer, Schöpf, Seyrling, Stark, Unterwurzacher, Wanner oder anders. Somit wurde das “Zunterer-Gen” auch nach Verschwinden des Familiennamens Zunterer auf Grund der vielen ehelichen Verbindungen an alle aus diesen Ehen stammenden Kinder weitervererbt. Auf Grund der Heiratspraxis vergangener Jahrhunderte und der sehr überschaubaren Größe des Dorfes Seefeld mit kaum zweihundert Einwohnern (im 17. Jahrhundert) können wohl alle Seefelder “Ureinwohner” behaupten: wir alle sind Zunterer! Beim Stöbern in Geschichtsbüchern, den alten Häuser- und Straßenlisten und nicht zuletzt in den kirchlichen Personenstandsregistern (den sog. “Matriken”) wird dies sofort offenkundig.

Eine der ältesten Aufnahmen vom alten Seefeld, um 1900. Im Hintergrund die „Seefelder Berge“ (Seefelder Spitze, Härmelekopf und Reither Spitze).4

4. Zunterer im Stall und in der Werkstatt

So wie es die vorhandenen Dokumente ausweisen, spielen die Mitglieder der Seefelder Zunterer all die Jahre hindurch weder in der Landes- noch in der Dorfpolitik jemals eine dominierende Rolle, sie sind keine bedeutenden Politiker, keine Kriegshelden, keine kirchlichen Würdenträger, keine großen Geschäftsleute. In der Regel sind sie das, was die kleinen Leute damals eben in Seefeld sind: Bauersleute, nicht immer mit eigenem kargem Grund und Boden, Handwerker und Fuhrleute, die über den Sommer oft monatelang auswärts arbeiteten müssen, während die Frauen zu Hause den Hof bewirtschaften. Für uns heute kaum mehr vorstellbar, und doch aktuelle und bittere Realität für viele Menschen in weiten Teilen der Erde.

Heiraten darf zur Zeit der ersten bekannten Zunterer in Seefeld nur, wer eine Familie erhalten kann. Dieser Umstand und die hohe Kindersterblichkeit erklären, warum von beispielsweise zehn geborenen Kindern nur zwei heiraten. Der Stall an oder bei jedem Haus und das dazugehörende Gut dienen der Deckung des bescheidenen Lebensunterhaltes. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wird der Abbau des schon seit längerem bekannten und genutzten Ölschiefers einigen Seefelder Familien ein zusätzliches Einkommen verschaffen. Zunterer besitzen offensichtlich zu keiner Zeit eigene Schürfrechte, profitieren bei der Gewinnung des “Ichthyols” aber als Angestellte im Bergbau, oder indirekt als Fassmacher, Fuhrleute oder Taglöhner.

Eines ihrer Hauptnahrungsmittel in früherer Zeit ist die Gerste. Auf Grund der ungünstigen klimatischen Bedingungen am Seefelder Hochplateau müssen Nahrungsmittel zugekauft werden, vor allem Getreide aus dem Inntal. Eine kleine Revolution auf dem einfachen Speiseplan bringt die Verbreitung des “Türkenmehls”, zubereitet aus Mais, der aus Amerika über Ungarn nach Tirol gekommen ist und im 17. Jahrhundert in unserer Gegend heimisch wird. Also in einer Zeit, aus der die ersten Aufzeichnungen über Zunterer-Familien in Seefeld stammen. Die in späteren Jahren das werktägliche Hauptnahrungsmittel bildende Kartoffel findet bei uns erst nach 1800 eine größere und allgemeine Verbreitung.

Der Kontrabass des Konrad Zunterer im Landesmuseum und das Wissen um die Geigenreparaturen seines Vaters in seiner Tischlerwerkstätte verweisen auf die Tätigkeiten vieler Seefelder Zunterer-Familien mit dem Werkstoff Holz als Tischler, Rädermacher, Zimmermeister, und – in Verbindung mit dem Schmiedehandwerk – als Fassmacher. Dies ist sicher nicht zufällig: das Holz für’s Handwerk liefert der Wald in der unmittelbaren Umgebung, auch gebaut wird vornehmlich mit Holz, die Fuhrleute brauchen Räder für ihre Wagen, die Brauerei des Klosters und die Ölhändler haben Bedarf an Fässern…

Zunterer führen aber auch einen Krämerladen in Unterseefeld und im Seedörfl (z. B. Anton Zunterer, geb. 1825), sind Jäger (wie z. B. der herrschaftliche Kreisjäger Philipp Zunterer, ein Bruder der beiden Geigenbauer Konrad und Leopold Zunterer), Samenhändler (Silvester Zunterer, geb. 1769, Sohn des genannten Kreis-Jägermeisters Joseph Zunterer), oder dienen als Fuhrleute und Taglöhner (wie Michael Zunterer, geb. 1820 und anschließend sein Sohn Martin Zunterer, geb. 1851).

Durch mehrere Generationen hindurch sind Zunterer Schneider, insbesondere auch für das Seefelder Kloster, wie z. B. die Familien des Josef Zunterer im Moosviertel (geb. 1727) und später des Namensvetters Josef Zunterer (geb. 1796) am heutigen Wasserfallweg Nr. 77 in Unterseefeld.

Einen für die Zunterer eher untypischen Beruf übt die Familie des Antony Zunterer aus. Er ist um das Jahr 1800 Musiker, Organist und Lehrer, wie schon sein Vater und später einer seiner Nachkommen. Ein weiterer musischer Mensch aus den Seefelder Zunterer-Familien ist der Maler Josef Zunterer (geb. 1820), von dem u. a. das Deckengemälde der Kreuzkapelle in Leutasch-Reindlau stammt.

 

5. Zunterer – “Fußabdrücke” in der Seefelder Dorfgeschichte

Geschichtliche Quellen berichten selten über das alltägliche Leben, sondern in der Regel über außergewöhnliche Ereignisse. Dies war damals nicht anders als im heutigen Medienzeitalter. So erfahren wir wenig Konkretes über das mühsame Leben in der kleinen Dorfsiedlung, über das nicht immer nur harmonische Zusammenleben im Ort, über Freud und Leid in den einzelnen Familien zwischen Sonnenaufgang bis zum abendlichen Füttern der Kühe und Ziegen im Stall oder der endgültigen Sperrstunde beim Wirt in der “Post”. Aber Rückschlüsse darauf sind auch aus den spärlichen historischen Quellen allemal möglich.

Blättern wir in einigen dieser Geschichtsquellen. Sie handeln von epochalen Ereignissen, deren Auswirkungen auch die Seefelder zu spüren bekommen. Aufzeichnungen darüber verdanken wir vor allem Mitgliedern des Seefelder Klosters und einzelnen Seelsorgern.

a) In der 1984 von Gerhard Sailer und Mechthild Schatz publizierten “Getreue Schilderung der Begebenheiten in den wichtigen Kriegsjahren 1805 – 1810″ nach Koop. P. Johann Bapt. Pachmann und Pf. P. Florian Grün finden wir einige “Fußabdrücke”, die Seefelder Zunterer hinterlassen haben.

In den ersten Novembertagen 1805 geht es in Seefeld im Zug der kriegerischen Ereignisse drunter und drüber. Robert Zunterer (ein Sohn des genannten berühmten Geigenbauers Konrad Zunterer) bringt am 4. November der zum Mittagessen versammelten Seefelder Geistlichkeit die Nachricht, “dass man von Scharnitz her heftig kanonieren höre” (Seite 22). Alle springen vom Essen auf und eilen auf den Klosterbühel hinauf (heute “Pfarrerbichl”) und hören um 11:30h (zu Mittag gegessen wurde damals bereits um 10:30h) tatsächlich den Kanonendonner von Leutasch herüber. Man sieht bereits die ersten Wägen auf der Flucht, Soldaten und andere Leute wiederum kommen von Leutasch her.

Die Ruinen der Porta Claudia in Unterleutasch, von den französisch-bayrischen Soldaten über den „Franzosensteig“ umgangen…5

Diese französischen Soldaten verbreiten Angst und Schrecken, ein Großteil der Dorfbewohner flüchtet nach Mösern, auch die hochverehrte Seefelder Blut-Reliquie wird dorthin in Sicherheit gebracht. Jeder versucht zu retten was zu retten ist. In den „Seehäusern“ (heute Leutascher Straße, Möserer Straße) wird auf die Franzosen geschossen. Die Gegenreaktion folgt sofort: “Einer… stieg beim Rädermacher (Anm: siehe unten Seehäuser 62) inwendig auf das Dach hinauf, um sich zu retten, wurde aber sogleich herabgeschossen. Ein anderer verbarg sich in das Heu, wurde aber aus demselben herausgerissen und ermordet.” (Seite 28).

Aber auch im Dorfzentrum bei der Kirche herrscht das Chaos: “Ein paar alte Weibspersonen, die in Seefeld zurückblieben, wurden von den Franzosen schändlich misshandelt. Vorzüglich war diese Nacht für unseren Schullehrer und Organisten Anton Zunterer (Anm: geb. 1765) eine Nacht des vielfachen Leides und augenblicklicher Todesgefahr, denn er litt dreyfach; für seine eigene Person, als Ehemann und als Vater. Bald war er selbst unter Bajoneten, gezückten Säbeln und gespannten Röhren in äußerster Lebensgefahr und ebenso seine Kinder. Bald sah er sein Weib (Anm: seine zweite Frau Creszenz Neuner) in Gefahr mehrfacher Misshandlungen, bald schrie und lärmte seine Mutter (Anm: Franziska Rumerin) die er bey sich hatte. Zu wiederholtenmalen retteten ihm die weinenden Kinder (Anm: er ist zu diesem Zeitpunkt bereits Vater von 6 Kindern, die allerdings nicht mehr alle leben) das Leben, und erweichten durch ihre Thränen die Tigerhand, die den Vater tödten wollte. Er selbst aber wusste den Kleinen das Leben nicht mehr anders zu retten, als daß er sie beim Arm oder Fuß wie sie in seinem betäubten Schrecken in die Hand kamen, ergriff, und über die Stubenmauer auf den mit Heu belegten Tennen warf.” (Seite 32).

Der damalige Seefelder Tischler Nikolaus Zunterer (geb. 1751, Haus und Werkstatt in der heutigen Hohe-Munde-Straße 61) kommt in den Morgenstunden des 6. November mit einer Botschaft von Mösern, wohin er und seine Familie offensichtlich geflüchtet waren: sowohl der Herr Pfarrer (der kranke und gebrechliche P. Robert Spieß, der als menschenfreundlicher Mann, eifriger Seelsorger und Vater der Armen beschrieben wird, und der an den Folgen der Mühseligkeiten, Schrecken und Misshandlungen ein halbes Jahr später von allen betrauert verstorben ist [Seite 45]) als auch Bruder Kanut seien bereits in Mösern in Sicherheit, diese ließen den beiden Kooperatoren (P. Joh. Pachmann und P. Chrisostomus) ausrichten, sie sollten sich auch dorthin begeben (Seite 38). Diese packen daraufhin alles zusammen und machen sich fluchtartig und unter ständiger Bedrohung durch die Franzosen nach Mösern auf, nicht ohne das Allerheiligste Altarsakrament aus dem Tabernakel ebenfalls mitzunehmen. In Mösern finden sie alle Unterschlupf beim Bauersmann Kassian Gapp (Seiten 38f).

Vier Jahre später, am 31.Juli 1809 trifft es die Familie des bereits genannten Anton Zunterer noch einmal schwer. Das Anwesen seiner Familie (er selbst ist bereits 1806 verstorben) in der Nähe der Kirche und des Posthauses brennt nach der Brandlegung durch die Franzosen genauso nieder wie das Posthaus selbst, der Widum, die Häuser des Nikolaus Gapp, des Bäckers Josef Nagl, des Metzgers Nikolaus Sailer und des Kaspar Gapp. Schwer beschädigt werden Kirche und Kloster. In der Schiffgasse (heute Innsbrucker Straße) brennen die Häuser der Monika Schöpf, des Schuhmachers Josef Lusch, der Metzgerin Rosina Hörbst, des Blasius Rantner, des Maurers Johann Öfner, des Schmids Anton Hilpolt, des Wilhelm Tiefenbrunner und des Webers Michael Haßlwanter. (Seiten 92f).

b) Angehörige der Zunterer-Familien werden wie viele Einheimische damals durch ihr Handwerk als Schneider, Tischler oder Rädermacher, als Waldarbeiter oder Fuhrleute usw. auch oder vor allem von den Aufträgen des Klosters gelebt haben. Inwiefern Zunterer-Angehörige direkt im Kloster angestellt oder Mitglieder der Klostergemeinschaft waren, kann hier nicht beurteilt werden. Sicher ist aber, dass zumindest während des großen und weit über das Dorf hinaus bedeutsamen Spektakels einer “Teufelsaustreibung” im Jahr 1783 ein Zunterer als “Chyrurgius Fr. Benignus Zunterer” Mitglied der Seefelder Augustiner-Klostergemeinschaft dabei war. Über 2000 Zuschauer (d.i. ungefähr das zehnfache der damaligen Einwohnerzahl!) sollen – wie Fr. Benignus Zunterer – am achten Tag der Prozedur in der Kirche dabei gewesen sein, als der “Mittagsteufel” zuerst gepredigt und dann ausgefahren sein soll – einer der hundert Millionen Teufel (!), von denen die Längenfelderin Johanna Scheiber besessen gewesen sein soll, und die ihr mit Hilfe der Seefelder Augustinermönche ausgetrieben worden sein sollen (Pezzl, Anmerkungen über den Teufel zu Seefeld in Tirol, Nachdruck eines Originals von 1783, Nabu Press 2011).

c) Einige wenige “Zunterer-Fußabdrücke” finden wir auch noch in anderen Geschichtsquellen. Der “schwarze Tod”, wie die “Pest” genannt wurde, verschont auch Seefeld nicht. Hier stoßen wir auf einen der ersten auch in den Kirchenbüchern verewigten Vertreter des ausgestorbenen Seefelder Zunterer-Clans: “In Seefeld brach die Seuche am 31.Juli 1611 im Hause des Kaspar Zunterer (Anm: geb. cà 1560) aus. Zunterer soll seinen Schwager Peter Wild aus Biberwier einige Tage bei sich aufgenommen haben; der Sohn Wilds war angeblich mit seiner Familie aus dem von der Pest verseuchten Schwaz nach Biberwier zurückgekommen und ebenso wie sein Vater von der Bevölkerung ausgewiesen worden… Nach dem Tode des vierzehnjährigen Sohnes des Kaspar Zunterer forderte die Seuche ab der ersten Hälfte August bis 22. September noch 24 Todesopfer, darunter 17 Frauen und Kinder und zwei Personen ohne nähere Angaben. Da weitere Berichte fehlen, ist die Zahl der Epidemieopfer unvollständig.” (Schretter, Die Pest in Tirol 1611 -1612, Innsbruck 1982, 581).

 

6. Der Familienname „Zunterer“

Wir wissen nicht , wann und wo die späteren Zunterer ihren Familiennamen „Zunterer“ zum ersten mal bekommen oder verwendet haben.

In der einschlägigen Literatur zur Herkunft und Bedeutung unserer Familiennamen kommt der Name Zunterer praktisch nicht vor. Dies lässt darauf schließen, dass der Name zu keiner Zeit im deutschsprachigen Raum eine größere Bedeutung oder Verbreitung gefunden hat. Es dürfte sich somit ausschließlich um einen lokal gebräuchlichen Familiennamen handeln. Allerdings ist nicht uninteressant, dass sich auch fern von uns, zum Bsp. in Böhmen (im Schematismus des Königreiches Böhmen, erschienen in Prag) 1841 als Einwohner in der “Kotzen- oder Rittergasse” der Prager Altstadt im “Goldenen Stern” ein Franz und Emanuel Zunterer finden (S. 507), der Handelsmann Franz Zunterer zudem Mitglied im “Privatverein zur Unterstützung der Hausarmen” (S. 452) und “Kontrollor” in der Kreiskassa im k.k. Klattauer Kreisamt zu Klattau (S. 56) ist, und Emanuel Zunterer als “Kontrollor” in der Kreiskassa des k.k. Königgrätzer Kreisamtes zu Königgrätz (S. 57) aufscheint.

Auf Grund vorhandener Dokumente und der Analyse des Namens können wir berechtigt vermuten, dass es ein sehr alter Familienname ist, d. h. dass es ihn schon im 14. Jahrhundert im heutigen bayrischen Raum gegeben haben könnte. Ob und welche Verbindungen es zu den Zunterern in Böhmen gibt (auf die ich nur zufällig gestoßen bin), ob der Familienname gleichzeitig an mehreren Stellen entstanden ist (was immer wieder vorkommt), ob ein Zunterer von Böhmen oder einer anderen Gegend gekommen oder von Bayern (auch) nach Böhmen ausgewandert ist, bleibt Spekulation.

Entstanden ist der Familienname Zunterer

Der „Zunderschwamm“ (fomes fomentarius), vielleicht der Namensgeber für den Vulgonamen „Zunterer“.6

offensichtlich aus einer Berufsbezeichnung, ein “Zunterer” war “ein Sammler des zur Herstellung von Zunder benötigten Baumpilzes.”7. Für diese Deutung spricht auch, dass in Matrikenbüchern im süddeutschen Raum der Name “Zunterer” oder “Zunderer” nicht nur als Familienname, sondern auch als Berufsbezeichnung von Inhabern anderer Familiennamen aufscheint: “Zundelschneider (Zunterer) stellten Zunder zum Feueranzünden her und verkauften sie. Die Z. sammelten von Birken u. Buchen Zunderschwämme, tränkten diese in Salpeter u. schnitten sie in dünne Scheiben.” (Riepl, Wörterbuch zur Familien- und Heimatforschung in Bayern und Österreich, 2004², 427). Deshalb überrascht es auch nicht, wenn heute der Name “Zunterer” in Obermieming immer noch als ein Hausname existiert.

 

 

7. Die ersten Zunterer in Seefeld

Woher die Seefelder Zunterer kommen und in welchem Jahr Mitglieder einer Zunterer-Familie in Seefeld die erste Kuh gefüttert, den ersten Acker angelegt, oder das erste Stück Holz bearbeitet haben, liegt im Dunkeln. Die ersten bisher bekannten schriftlichen Belege über die Anwesenheit von Familien mit dem Schreibnamen Zunterer in Seefeld stammen aus der Zeit kurz nach 1600. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die ersten Zunterer (wie andere Familien auch wie z.B. die Kuen) im Zug des Klosterbaus nach Seefeld gekommen wären. In Telfs gehört laut Steuerkataster von 1627 ein Zunterer zu den dortigen grundbesitzenden Telfern.

Seefeld ist zu dieser Zeit ein kleines unbedeutendes Nest mit weniger als 200 Einwohnern und vielleicht 25 Häusern, allerdings mit einer schönen und viel besuchten Kirche. Sie steht an der Stelle, an der wahrscheinlich schon die ersten Dauersiedler (vermutlich im Zusammenhang mit der Grenzfestung Schlossberg) im 12. Jahrhundert eine Kapelle errichtet haben.

Exkurs 1: Seefeld um 1600:

Bekannt ist das Seefelder Plateau in einigen höheren Kreisen als beliebtes Jagdgebiet mit einem vor über 100 Jahren künstlich angelegten See auf dem Weg nach Mösern mit dem landesfürstlichen Jagdhaus am rechten Seeufer. In der breiten Bevölkerung kennt man Seefeld durch das vor cà 200 Jahren stattgefundene “Hostienwunder” und die daraus resultierende Wallfahrt, stark gefördert von einigen Landesfürsten. Der das Ortsbild neben der Kirche prägende Klosterbau wird 1604 fertig gestellt. Barbara Haisjackl aus Fließ macht 1626 wie viele andere die Wallfahrt zum Kostbaren Blut, im Friedhof vor der Kirche hört sie zum ersten mal, wie das beeindruckende dort aufgestellte Kreuz zu ihr spricht – 40 Jahre später (1666) und nach einigen weiteren wundersamen Begebenheiten wird das zu Ehren dieses wundertätigen Kreuzes errichtete Seekirchl eingeweiht. Die ersten uns namentlich bekannten Zunterer haben diese Geschehnisse in Seefeld also live miterlebt.

In Europa tobt zu dieser Zeit der 30jährige Krieg, der fast 4 Mio. Tote fordern wird. Der Augustinermönch Martin Luther – aus dem gleichen Orden wie die Seefelder Klostergemeinschaft – ist vor einem halben Jahrhundert verstorben. Im Orient wirkt der Prophet Mohammed ibn ‘Abd Allah ibn ‘Abd al-Muttalib ibn Haschim ibn ‘Abd Manaf al-Quraschi, der den Islam begründet, Rembrandt kommt gerade auf die Welt (1606), Christoph Kolumbus hat vor cà 100 Jahren Amerika entdeckt, die Türkenbelagerung Wiens wird ein halbes Jahrhundert später erfolgen. Die Musik von Bach, Händl, Gluck, Haydn, Mozart oder Beethoven ist noch unbekannt, diese Komponisten leben und schaffen erst ein Jahrhundert später ihre unvergesslichen Werke. Auch Maria Theresia regiert erst in gut 100 Jahren und bis zur Französischen Revolution und der Zeit Andreas Hofers sind es noch 200 Jahre.

In diesem sozialen, kulturellen und politischen Umfeld taucht die erste uns namentlich bekannte Zunterer-Familie in Seefeld auf. Es ist die in verschiedenen Zusammenhängen und Dokumenten bereits erwähnte Familie des Kaspar Zunterer. Sie findet sich z.B. unter jenen 21 Familien, die laut einer Aufzählung aus dem Jahr 1620 in Seefeld ansässig sind. Genannt werden dort außerdem die Familien Walser, Schönherr, Trögl, Neuner (3 Familien), Pitl, Knapp, Sailer (2 Familien), Schrott, Lusch, Draxl, Baumann, Gaugg (2 Familien) Engelsperger, Nöbl, Gapp und Seelos8.

Der in dieser Familienliste genannte Kaspar Zunterer ist höchstwahrscheinlich identisch mit jenem Mann, in dessen Haus im Jahre 1611 die “Pest” ausgebrochen ist (siehe oben).

Die kirchlichen Aufzeichnungen in den sogenannten Matrikenbüchern beginnen in Seefeld – lückenhaft und bisweilen fehlerhaft – mit dem “Taufbuch” im Jahr 1603. Bei den Taufen sind auch die Eltern angegeben. Unter den ersten eingetragenen Täuflingen finden wir einen Caspar Zunderer, Sohn des gleichnamigen Vaters Caspar Zunderer (so die Originalschreibweise) und seiner Frau Dorothea (ihr Familienname ist nicht genannt).

Bereits auf der ersten Seite der Seefelder Taufmatriken findet sich der Familienname Zunterer: Sohn Caspar der Eheleute Caspar Zunterer und seiner Frau Dorothea wird in der Seefelder Pfarrkirche am 6.12.1603 getauft, Pate ist Andreas Sailer aus Zirl.

Es folgen Taufen von Kindern aus (mindestens) vier weiteren Zunterer-Familien.

Die Aufzeichnung der Eheschließungen im “Trauungsbuch” beginnen mit dem Jahr 1606. Die ersten verzeichneten Zunterer-Eheschließungen sind jene von Caspar Zunterer und Christina Sailerin (1630) und von Tobias Zunderer und Apollonia Gumpoldsheimerin (1639). Es sind also Eheschließungen jener Zunterer, mit deren Taufen die Eintragungen in den Matrikenbüchern vor gut 400 Jahren beginnen.

Aus den Eintragungen im Taufbuch und im Trauungsbuch können wir die ersten uns namentlich bekannten Zunterer-Familien in Seefeld “zusammenpuzzlen”. In der ersten uns bekannten Zunterer-Generation zu Beginn des 17. Jahrhunderts leben in Seefeld gleichzeitig vermutlich vier Familien, wo einer der Ehepartner ein Zunterer ist, die miteinander nicht nur verwandt, sondern wahrscheinlich sogar Geschwister sind:

  • Caspar Zunterer und Dorothea, ev. in einer weiteren Ehe mit Agathe,
  • Johannes Zunterer und Maria,
  • Georg Zunterer und Maria, ev. in einer weiteren Ehe mit Christina,
  • Maria Zunterer und Geiger Georg.

Bei den letztgenannten beiden Familien von Georg Zunterer und Maria Zunterer verliert sich die “Zunterer-Spur” in Seefeld bereits nach der nächsten Generation. Entweder sind deren Kinder, die durch eingetragene Taufen dokumentiert sind, früh verstorben, die Töchter oder Enkel aus diesen Verbindungen haben durch Verehelichung einen anderen Familiennamen erhalten oder sie sind von Seefeld weggezogen.

Die beiden erstgenannten hingegen, Caspar (Kaspar) Zunterer und Johannes Zunterer, werden mit ihren Ehefrauen Stammeltern von zwei Zunterer-Clans in Seefeld, auf die alle in den nächsten 350 Jahren in Seefeld geschlossenen Zunterer Ehen und die daraus entsprungenen Nachkommen zurückgehen. Zumindest 95 Eheschließungen von Trägerinnen oder Trägern des Familiennamens Zunterer können für diesen Zeitraum belegt werden. Es hat somit im Durchschnitt zumindest jedes 4. Jahr in Seefeld eine “Zunterer-Hochzeit” gegeben.

 

8. Auf Besuch bei den Zunterern – wo die Zunterer wohnten

Die weitgefächerten familiären Zusammenhänge, die genealogische Abfolge, die genauen Besitzverhältnisse der Zunterer, die Geschichte ihrer alten Seefelder Häuser, die Übergabe eines Hofes von einer auf die nächste Generation, die Neubauten, die Verkäufe, das Auflassen von Gebäuden nach einer Brandkatastrophe oder aus anderen Gründen…, all dies kann im Rahmen dieser “Zunterer-Saga” natürlich nicht umfassend dargestellt werden.9

Wir können uns aber im Geist einige Jahrhunderte zurückversetzen, durch den Ort spazieren und schauen, wo der ein oder die andere Zunterer bei der Arbeit ist, gerade die Wäsche aufhängt, oder nach Feierabend auf der Hausbank sitzt. Dabei sind wir an der genauen Lokalisierung einiger Häuser momentan noch auf Vermutungen angewiesen, da noch nicht alles genau recherchiert werden konnte.

Exkurs 2: Hausnummern im alten Seefeld:

Eine nicht unerhebliche Schwierigkeit bei der Zuordnung der alten Häuser zu bestehenden Objekten im Lauf der Zeiten besteht darin, dass sowohl bei der ersten verfügbaren Liste aus dem Jahr 1620 als auch bei der zweiten aus dem Jahr 1730 keine Hausnummern angegeben sind, weil es noch keine solchen gab. In einer Aufzählung der Feuerstätten 1767 gibt es bereits erste Hausnummern (40 an der Zahl), diese werden aber bald darauf geändert, allerdings existiert keine Aufstellung, welche (alte) Hausnummern zu „neuen“ mutierten.  Auf einer Häuserliste in den Matrikenbüchern um cà 1830 sind die 58 nummerierten und 31 (noch) nicht nummerierten Häuser (wohl Neubauten der letzten Jahre) den einzelnen Dorfvierteln Schiffgasse (heute Innsbrucker Straße, Reitherspitzstraße), Moosviertel (heute nördliches Dorfzentrum), Seehäuser (heute Leutascher Straße, Möserer Straße) und Unterseefeld (das bis 1576 eine eigene Gemeinde im Bezirk Scharnitz bildete und kirchlich zum Bistum Freising gehörte) zugeordnet. Um 1848 kommt es, vermutlich im Zusammenhang  mit der allgemeinen Grundentlastung, schrittweise zu einer neuerlichen Änderung  der Hausnummern, nun ohne Zuordnung zu einem Dorfviertel oder zu einer Straße. Die Seefelder Häuser werden nun beginnend beim Ortseingang am Wildsee über das Dorfzentrum und die Häuser im „Seeviertel“ bis hinunter zur Mühle in Unterseefeld (Ortsende Richtung Scharnitz) „durchnummeriert“. Es sind 96 Häuser erfasst. Diese Nummern haben bis heute ihre Gültigkeit, d. h. ein Seefelder Haus, das heute eine Hausnummer unter 96 besitzt, hat bereits 1847 bestanden oder hat einen direkten Vorgängerbau an dieser Stelle. Allerdings existiert offenbar auch über diese Änderung der Hausnummern keine Liste, sodass es im Einzelfall nicht ganz leicht ist, die Geschichte der einzelnen Häuser nachzuvollziehen.

1620 besitzt wie bereits oben erwähnt zumindest eine Familie mit dem Namen Zunterer ein eigenes Haus mit einer oder mehreren Feuerstätten. Der Eigentümer heißt Kaspar Zunterer, er ist wohl identisch mit jenem Mann, in dessen Haus 1611 die “Pest” ausgebrochen ist (s. o.) und dessen Kinder als Täuflinge zu den ersten gehören, die in den Matrikenbüchern erfasst sind (z.B. Caspar 1603 und Andreas 1610, s. u.). Wir können aus guten Gründen annehmen, dass diese Familie im Dorfzentrum in der „Schiffgasse“ wohnt.

Die alte Seefelder „Schiffgasse“ um 1870 (heute Innsbrucker Straße“). Hier dürfte ein Zweig der ersten Zunterer in Seefeld gewohnt haben. Alerdings wurden die meisten dieser Häuser beim verheerenden Brand 1805 zerstört und dann wieder aufgebaut. In der Bildmitte das Vorgängerhaus vom heutigen „Schmuckkastl“ Nr. 22.10

1730, hundert Jahre später, finden sich in der Aufzählung der Feuerstätten und Söllhäuser unter den dort aufgelisteten Hauseigentümern vier namentlich genannte Zunterer-Familien, die zum Teil mehrere Feuerstätten besitzen und zwei Zunterer-Linien zugeordnet werden können, die als solche fast drei Jahrhunderte lang in Seefeld präsent sein werden.

Zur einen Linie gehören vier Geschwister (drei Brüder und ihre Schwester) mit ihren Familien: Kaspar Zunterer mit drei Feuerstätten, Balthasar Zunterer, Andreas Zunterer mit je einer Feuerstätte und Magdalena Zunterer. Alle vier sind Kinder von Johannes Zunterer (eines Neffen des ersten namentlich genannten Zunterers, Kaspar Zunterer, siehe oben) und Christine Gapp. Diese Familien wohnen mit großer Wahrscheinlichkeit in der Schiffgasse, die ein oder andere vielleicht auch im Moosviertel.

  • Der Älteste der vier Geschwister, Kaspar Zunterer, geb. 1678, heiratet 1725 in zweiter Ehe die Agnes Gaugg, seine erste Ehefrau hieß Luzia Gapp. Er ist “sartor monasterii nostri”, wie der Matrikenschreiber anfügt, also “der Schneider unseres Klosters”. Er dürfte das Haus des Vaters übernommen haben. Vier der insgesamt 18 (!) Kinder aus beiden Ehen werden eigene Familien gründen.
  • Bruder Balthasar Zunterer heiratet 1704 die Barbara Reindl. Von den Kinder heiraten Matthias und Agnes.
  • Andreas Zunterer heiratet 1710, Trauzeugen sind die beiden Brüder Kaspar und Balthasar. Mit Letzterem bewohnt er ein Doppelhaus. Eine Eheschließung ist von Tochter Regina verzeichnet.
  • Die jüngere Schwester von ihnen, Magdalena Zunterer, heiratet 1708 Georg Albrecht. Sie schenken 10 Kindern das Leben, von denen aber nicht all groß werden.

Die andere Zunterer-Linie repräsentiert Anton Zunterer. Er hat ein Anwesen mit zwei „Huben“, also zwei Hausanteilen. Er repräsentiert jenen Familienzweig der Zunterer, der beruflich mit Holz zu tun hat, vor allem als Tischler und Rädermacher. Auf Grund der Vermutung, dass die entsprechenden Werkstätten der nachfolgenden Generationen – die man dann auf Grund der dann vorhandenen Hausnummern lokalisieren kann – dort sind, wo schon Vater und Großvater getischlert haben, können wir berechtigt davon ausgehen, dass dieser Familienzweig zu Beginn des 18. Jahrhunderts im damaligen Seeviertel, also in der heutigen Leutascher Straße gewohnt hat. In Frage kommen dafür Häuser an der Stelle und in der Nähe des heutigen “Klausnerhofes”.

Alte Häuser im ehem. „Seeviertel“ (heute Leutascher Straße), hier wohnte der Zunterer-Zweig der „Rädermacher“, Tischler, Zimmerleute.11

Von diesem Anton Zunterer, geb. 1691, und seiner 1716 geheirateten ersten Frau Brigitta Gapp stammen u. a. die eingangs erwähnten berühmten Instrumentenmacher Konrad Zunterer und Leopold Zunterer, die ihrerseits wieder Familien gründen. Anton Zunterer hat offensichtlich noch zweimal geheiratet, 1735 die Magdalena Kain und 1742 die Agnes Nairz. Von folgenden Kindern des Anton Zunterer, sind Eheschließungen von Kinder aus seinen drei Ehen verzeichnet:

  • Maria Zunterer, geb. 1731, heiratet 1759 den Matthias Rainer;
  • Konrad Zunterer (der genannte Fertiger des im Landesmuseum ausgestellten Kontrabasses), geb. 1717, heiratet 1746 die Anna Gapp;
  • Leopold Zunterer (ebenfalls Tischler und Geigenbauer), geb. 1722, heiratet 1748 Theresia Kirchner;
  • Philipp Zunterer, geb. 1728, wird Kreisjägermeister und heiratet wahrscheinlich drei mal, 1761 Agathe Klotz, 1792 Maria Klotz, 1793 Maria Seelos (?);
  • Josef Zunterer, geb. 1735, heiratet 1766 Barbara Schrott und wahrscheinlich 1793 Catharina Gapp (?);
  • Johannes Zunterer, geb 1738, heiratet 1777 die Maria Haslwanter;
  • Anna Zunterer, geb. 1746, heiratet 1775 den Johannes Rauth aus Unterseefeld Nr. 54.

Wenn zu jener Zeit die Zunterer-Familien der Tischler, Rädermacher und Zimmerer im Seeviertel wohnen, dürfte folgerichtig der andere Zweig der Zunterer, also jene der oben genannten Schneider, Weber und später der Lehrer und Krämer, mit den Familien von Kaspar, Balthasar und Andreas Zunterer, die als Zunterer-Liegenschaften bekannten Häuser in der Schiffgasse und im Moosviertel, also im Dorfzentrum in der Nähe der Kirche, des Klosters und der Poststation bewohnen.

1840: Wieder ein gutes Jahrhundert später stehen uns in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Lokalisierung der Zunterer-Familien in Seefeld Hausnummern zur Verfügung, wenn im Einzelnen auch nicht ganz sicher ist, welche Hausnummer der heute gültigen Nummerierung eine solche der alten Nummerierung abgelöst hat. Rückschlüsse sind aber möglich, da das System der fortlaufenden Zählung beibehalten wurde: die Zählung beginnt immer beim Eingang des Dorfes aus Reith kommend (heute Innsbrucker Straße, Reitherspitzstraße, Dorfplatz) und führt über das Moosviertel (heute Bahnhofstraße, Andreas-Hofer-Straße, Klosterstraße, Beginn Münchner Straße) ins Seeviertel (heute Leutascher Straße, Möserer Straße). Dann folgt Unterseefeld, deutlich von den anderen drei Ortsteilen durch eine große Wiesen- und Sumpffläche getrennt, beginnend vor dem heutigen Bahnübergang und bis zu den damaligen Betrieben am abfallenden Seebach (Schneitmühle, Mühle und Stampf, heute “Kurhotel”) reichend. Die heute noch existierenden Hausnummern von 1 – 96 stammen somit aus jener Zeit, in der sie nach geographischen Gesichtspunkten verteilt wurden. Dagegen wurden und werden alle nachfolgenden Nummern bis heute in der Reihenfolge ihrer Errichtung vergeben, also: je niederer die Hausnummer, desto älter das Haus. 

 

9. Ein Zunterer-Spaziergang in Seefeld um 1850

Wir versetzen uns in das Jahr 1850. Laut den verfügbaren Aufzeichnungen (u. a. im pfarrlichen Familienbuch, das um 1825 angelegt und später mehrfach ergänzt wurde, und den Informationen aus den Waldprotokollen von 1857) treffen wir bei einem virtuellen Spaziergang durch Seefeld auf mehrere Häuser (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), die einer Zunterer-Familie gehören. Dabei stellt sich heraus, dass nicht nur in vielen Seefelder Familiengeschichten Zunterer-Wurzeln auftauchen, sondern dass auch viele alte Häuser in Seefeld beim Erzählen ihrer “Haus-Geschichte” einen Beitrag zur Seefelder “Zunterer-Saga” leisten können.

Die Häuser mit den aktuellen Hausnummern haben dabei natürlich oft nur mehr wenig mit den ehemaligen Häusern am betreffenden Standort zu tun, die Häuser wurden umgebaut, nach einem Brand neu errichtet oder aus anderen Gründen durch Neubauten ersetzt. Einige Häuser existieren überhaupt nicht mehr. Trotzdem finden wir in gar nicht so wenigen Häusern Anteile, die Zunterer-Hände gebaut, renoviert und gestaltet haben.

Wir beginnen unseren Rundgang gleich nach dem damaligen Ortseingang von Reith kommend (das Haus mit der Nr. 1 stand in der Nähe vom heutigen “Seespitz”) in einem der ersten Häuser.

Schiffgasse 7 (heute Innsbrucker Straße, das Haus existiert nicht mehr):
Jakob Zunterer “Zeirer”, und Margareta Eleonora Auer

Jakob Zunterer ist 1830 geboren. Seine Eltern sind Johann Zunterer und Theresia Dienstl von der Zunterer-Linie der Schneider und Weber. Der Vater wohnt als Witwer mit 65 Jahren im Haus, die Mutter ist vor drei Jahren 1847 verstorben. Zum Zeitpunkt unseres Besuches ist Jakob Zunterer noch ledig.

Jakob Zunterer hat mehrere Geschwister. Drei von ihnen sind zur Zeit unseres Besuches auswärts: Elisabeth (geb. 1816) ist “zu Diensten in Zirl” und wird dort 1861 den Maurerpolier J. Mader heiraten, Anna (geb. 1824) hat nach Ampass geheiratet, und Josef (geb. 1832, er ist bereits der dritte “Josef” der Familie, zwei jüngere Brüder mit gleichem Namen sind als Kleinkinder verstorben) ist bei den Kaiserjägern. Bruder Alexander (geb. 1818) lebt im Haus, er wird hier als Lediger 1855 “an Auszehrung” sterben. Bruder Michael (geb. 1820) hat vor drei Jahren 1847 die Magdalena Klotz geheiratet (siehe unten unter Hausnummer 22 und Hausnummer 91).

Das kleine Haus in der Mitte: ehem. Doppelhaus Nr. 6/7 der Familien Zunterer und Suitner. Im Vordergrund li das ehem. Doppelhaus 4/5 (Neuner/Rauth), re Nr. 8 (Rantner).

Jakob Zunterer heiratet 1856 die Margareta Eleonora Auer, eine Tochter der Bauersleute Gregor Auer und Margarethe Schöpf aus der Fraktion Magerbach in Haiming.

Sohn Ignaz Zunterer, geb. 1857, heiratet 1897 die Apollonia Riegl, Tochter eines Früchtehändlers. Sie ziehen von Seefeld weg.

Sohn Eduard Zunterer, geb. 1859, heiratet 1890 die Agnes Zotz in Mieming. Sie wohnen zuerst bei den Eltern der Frau in Tobland und nach einer anderen zwischenzeitlichen Unterkunft in Affenhausen. Ihre Kinder sind Maria (geb. 1888, heiratet ins Unterland), Johann (geb. 1890, heiratet nach Rietz die Theresia Föger und stirbt dort 1950 ohne Nachkommen, alle geborenen Kinder sterben bereits bei oder kurz nach der Geburt), Jakob (geb. 1894, zieht nach Stallhofen in der Steiermark, bleibt ebenfalls ohne Nachkommen), und Rosa, die nach Innsbruck heiratet. Die beiden Kinder Hedwig (geb. 1898) und Martin (geb. 1900) ziehen wieder nach Seefeld und beenden damit eine vorübergehend “zuntererlose” Zeit in Seefeld (siehe oben).

Jakob Zunterer stirbt bereits 1862 mit 32 Jahren nach sechsjähriger Ehe. Die Witwe Margareta E. Auer heiratet 1863 in zweiter Ehe den Simon Gapp. Bemerkenswert ist, dass dieser zweite Ehemann ebenfalls ein Zunterer-Nachkomme ist, allerdings von der anderen Linie, jener der Tischler und Rädermacher. Seine Mutter ist Katharina Zunterer, die 1813 den Nikolaus Gapp geheiratet hat und die sich ganz in der Nähe ein neues Haus mit der HNr. 3 (heute “Bergland”) gebaut haben.

Das Heimathaus von Jakob Zunterer und seiner Vorfahren mit der HNr. 7 (früher 2b) am früheren Ortseingang steht heute nicht mehr, ebenso wie das Nachbarhaus Nr.6 (früher 2a).

Schiffgasse 17 (heute Bahnhofplatz, das Haus existiert nicht mehr):
Anton Zunterer und Agnes Jäger

Anton Zunterer, ein Cousin des eben genannten Jakob Zunterer (siehe oben Schiffgasse Nr. 7), kommt 1815 als Sohn des Schneidermeisters Thomas Zunterer und seiner Frau Anna Kammerlander auf die Welt. Er übernimmt das Schneiderhandwerk des Vaters und heiratet 1860 die Agnes Jäger aus Stams, die in Seefeld “zu Diensten” ist. Dieser Ehe dürften keine Kinder entstammen.

1877 stirbt in diesem Haus Anton Zunterers jüngere Schwester Anna Zunterer, geb. 1810. Sie ist zu diesem Zeitpunkt Witwe nach Wendelin Suitner, der acht Jahre vorher im Haus Nr. 4 verstorben ist, wo das Ehepaar vorher gewohnt haben dürfte, und das zum Zeitpunkt unseres Besuches dem Martin Sailer gehört.

Dieses Haus, wo wir auf unserem Seefeld-Spaziergang im Jahr 1850 den Schneidermeister Anton Zunterer mit seiner Frau Anna Kammerlander antreffen, steht heute nicht mehr. Es war ein Doppelhaus (mit der Familie des Drechslers Sebastian Stecher) ungefähr an der Stelle der heutigen Hausnummern 399 bzw. 613 am Bahnhofsplatz.  Die Hausnummer  17 trägt heute nach einer wechselvollen Geschichte der Gastronomiebetrieb “Südtiroler Stuben” in der anschließenden Reitherspitzstraße.

Schiffgasse 22 (heute Innsbrucker Straße, “Schmuckkastl”):
Martin Zunterer und Anna Seyrling bzw. Magdalena Gapp.

Hier, auf der gegenüberliegenden Straßenseite der alten Hiltpolt-Schmiede, treffen wir im Jahr 1850 zwar noch keinen Zunterer. Es gehört der Familie des „Sattlers“ Michael Gapp.

Das Haus wird aber sehr bald für längere Zeit Zunterer beherbergen und stellt quasi das Bindeglied zwischen den ehemaligen Zunterern mit dem Hausnamen “Zeirer” und den heutigen in Seefeld lebenden Familien Kuen (und deren Nachfahren) mit dem tradierten Hausnamen “Zeirer” dar.

Die Zunterer-Familie, die hier einziehen wird, ist eng verwandt mit den bereits angetroffenen und oben beschriebenen Zunterer-Familien in dieser Gegend derder Schiffgasse. Es ist die Familie von Martin Zunterer, der 1851 in Unterseefeld HNr. 91 (siehe unten) als Sohn von Michael Zunterer und Magdalena Klotz auf die Welt kommt. Vater Michael ist der Bruder von Jakob Zunterer, der mit seiner Familie im Haus Schiffgasse 7 (siehe oben) wohnt, und der Cousin von Anton Zunterer, der mit seiner Frau Agnes Jäger in der Schiffgasse 17 zu Hause ist (siehe oben). Wie der Großvater, der Vater und der Onkel wird Martin Zunterer mit dem Hausnamen “Zeirer” gerufen. In älteren Dokumenten  lautet dieser Vulgoname noch “Zeieler”.

      Das Zunterer- oder Zeirer-Haus, Seefeld Nr. 22,  im Lauf der Jahrzehnte.

Martin Zunterers Vater Michael ist 1846 im Zug seiner Eheschließung mit der dortigen Hauserbin Magdalena Klotz nach Unterseefeld gezogen, verstirbt aber bereits 1853. Die Witwe Magdalena Klotz und ihr Sohn Martin Zunterer übersiedeln irgendwann um 1875 wieder ins Dorfzentrum, in das Haus Schiffgasse 22.

 

1879 heiratet Martin Zunterer in I. Ehe die Anna Seyrling, Tochter des Bräumeisters Johann Seyrling und der Magdalena Gapp. Trauzeuge ist u. a. Rofner Josef, der kurz vorher vom Lehenwald nach Seefeld gekommen ist und dessen Sohn Rofner Josef jun. das Haus Nr. 91 in Unterseefeld übernehmen wird.

Martin Zunterer wird Fuhrmann. Zwei Töchter kommen auf die Welt: Maria Zunterer (geb. 1879) und Aloisia Zunterer (geb. 1880). Kurz nach Geburt der zweiten Tochter verstirbt die Mutter Anna Seyrling. Martin Zunterer heiratet 1887 in II. Ehe die Magdalena Gapp.

Tochter Maria Zunterer (geb. 1879) aus der ersten Ehe heiratet als Dienstmagd 1901 in Zirl den 1871 geborenen Anton Kuen. Er ist Frächter (“Zirler Bote”) und Sohn des Webers Johann Kuen und seiner Frau Helena Wegscheider. Als Witwe und Mutter mehrerer Kinder heiratet sie in II. Ehe 1919 den 1874 geborenen Anton Plattner.

Maria Zunterer ist nicht die erste der Seefelder Zunterer, die nach Zirl heiratet. Von ihren Verwandten heiraten z. B. Anna Zunterer (geb. 1818), die Tochter des Tischlers Robert Zunterer und seiner Frau Katharina Zunterer (siehe unten Seehäuser 54), 1859 den Zirler Witwer Josef Seelos; Elisabeth Zunterer (geb. 1816), Tochter des Webers Johann Zunterer und seiner Frau Theresia, 1861 den Zirler Maurer J. Mader (siehe oben Schiffgasse 7), und Karolina Zunterer (1829), Tochter von Georg Zunterer und seiner Frau Elisabeth Lusch (siehe unten Seehäuser 57), 1873 als Witwe des verstorbenen Innsbrucker Wirts Anton Wiederin den ebenfalls verwitweten Zirler “Löwen-Wirt” Elias Domanig.

Das Schicksal meint es nicht gut mit der Familie des Martin Zunterer im Haus Nr. 22. Die zweite Tochter Aloisia aus der ersten Ehe verstirbt bereits 1891 mit 11 Jahren. Aus der zweiten Ehe stammen zwar zwei Söhne, die aber beide nicht alt werden: der 1887 geborene Sohn Josef verstirbt 1908 nach langer Krankheit an Tuberkulose, Sohn Adalbert, geb. 1890, kommt aus dem I. Weltkrieg nicht mehr nach Hause, er gilt als vermisst. Sein Name wird im 1939 an der alten Friedhofsmauer aufgestellten Kriegerdenkmal eingraviert, das allerdings nach dem Krieg wieder entfernt wird. Adalbert war Erzählungen nach der Verlobte von Maria Sailer, der Mutter von Berta verh. Resch.

Die Zunterer-Familie im Haus Nr. 22 lebt nach übereinstimmenden Berichten älterer Seefelder in sehr einfachen Verhältnissen, im Haus gibt es nur Lehmböden, die “Heizung” erfolgt im Winter durch die Wärme des Viehs im Haus. Das heute zu Recht “Schmuckkastl” genannte Haus repräsentiert offensichtlich nicht die Verhältnisse in diesem Haus vor 150 Jahren!

1928 verstirbt zuerst Martin Zunterers zweite Frau, die “Zeirerin” Magdalena Gapp, er selbst stirbt als Witwer zwei Jahre später 1930.

80. Geburtstag von Anton Kuen „Zeirer“ jun, 2012 (mit Bm. Werner  Frieser)

Das einzige noch lebende Kind aus dieser Familie ist nach dem Tod der Eltern die Tochter Maria Zunterer aus der ersten Ehe, die inzwischen in Zirl zum zweiten mal verheiratet ist (siehe oben). Das äußerst bescheidene Anwesen der Eltern in Seefeld HNr. 22 übernimmt ein Sohn aus ihrer ersten Ehe mit Anton Kuen, (Johann Ev.) Anton Kuen. Er kommt am 31.1.1904 in der Hintergasse 167 in Zirl auf die Welt, verbringt die meiste Zeit seiner Jugend allerdings unter schwierigen Bedingungen zumeist bei den Seefelder Großeltern, heiratet die Anna Neururer, zieht zuerst im Haus der Großeltern Seefeld Nr. 22 ein und baut später das Hotel Hochegg. Er und seine Nachkommen führen bis heute den von den Zunterer-Familien stammenden Hausnamen “Zeirer”. Deren Stammhaus ist heute als “Schmuckkastl” ein beliebtes Ansichtskarten- und Fotomotiv.

Nun verlassen wir die Schiffgasse mit den Zunterer-Familien der Schneider, Weber, Lehrer, Fuhrleute und Taglöhner und spazieren ins Seeviertel zu den “Seehäusern”, wo wir auf Mitglieder des anderen Zunterer-Linie treffen, jene der Tischler, Zimmerer und Rädermacher.

 

Seehäuser Nr 54 (heute Möserer Straße, das Haus existiert nicht mehr):
Robert Zunterer und Katharina Zunterer

In diesem Haus treffen wir ein Ehepaar, wo die beiden Ehepartner aus den beiden Seefelder Zuntererlinien stammen. Robert Zunterer (geb. 1786) stammt aus der Linie der Tischler und Rädermacher, Katharina Zunterer (geb. 1783 oder 1784) aus der Linie der Schneider. Die Eheschließung erfolgt 1814. Insgesamt sind nur zwei Eheschließungen (von den fast 100 geschlossenen Zunterer-Ehen) zwischen direkten Vertretern der beiden Zunterer-Linien bekannt. Eine solche direkte Verbindung zwischen den beiden Zunterer-Linien ist also die absolute Ausnahme.

Die Eltern von Robert Zunterer sind der Tischler Nikolaus Zunterer (geb. 1751 als Sohn des genannten berühmten Seefelder Geigenbauers Konrad Zunterer, siehe oben), und Barbara Heigl, die 1782 geheiratet haben. Von ihnen übernimmt der Sohn Robert Zunterer das Anwesen mit der alten HNr. 33 (nun 54). Roberts Schwester Catharina Zunterer (geb. 1783) heiratet bereits ein Jahr vor dem Bruder 1813 den Nikolaus Gapp.

Seefeld, Seeviertel, vor Errichtung des „Wetterstein“: im roten Kreis das ehem. Haus Nr. 54. Gut erkennbar der Damm des ehem. Ablass-Sees, der dem Viertel den Namen gab. (Archiv Seefelder Heimatmuseum))

Katharina Zunterers Eltern sind der Schneidermeister Franziskus Zunterer (geb. 1745) und Anna Albrecht. Katharinas Schwester Maria Zunterer (geb. 1779) hat 1806 den Schmied Anton Hiltpolt geheiratet, ist aber bereits bei der Geburt des ersten Kindes 1809 (siehe unten Schiffgasse 18) verstorben. Katharinas Bruder Johannes Zunterer (geb. 1785) hat 1815 die Theresia Dienstl geheiratet, sie sind die späteren Eltern von Jakob Zunterer (siehe oben Schiffgasse 7). Und Bruder Thomas Zunterer (geb. 1786), Schneidermeister wie der Vater und u. a. Vater von Anton Zunterer (siehe oben Schiffgasse 17), ist seit 1810 mit Anna Kammerlander verheiratet.

Katharina Zunterer verstirbt 1846 und hinterlässt ihren Mann Robert Zunterer als Witwer mit sechs Kindern: Barbara (geb. 1815), Maria (geb. 1810, heiratet nach Scharnitz), Anna (geb. 1818, heiratet nach Zirl), Josef (geb. 1820, wird Maler – u.a. des Deckengemäldes in der Kreuzkapelle Leutasch-Reindlau [s.o.] und heiratet 1851 die Maria Gapp), Franz (geb. 1824, stirbt mit 26 Jahren als “gewester Kaiserjäger” an “Auszehrung”) und Nikolaus (geb. 1826).

Robert Zunterer verstirbt ein Jahr nach unserem virtuellen Besuch bei ihm 1851 an Lungenentzündung. 1854 gehört das Haus laut Familienbuch dem Oswald Klotz, dem Ehemann der entfernt Verwandten Maria Anna Zunterer. Das Haus hat also keines der eigenen Kinder von Robert und Katharina Zunterer übernommen. Irgendwann nach 1920 brennt das Haus ab, die letzten Besitzer – Johann Gapp und Brigitte Neurauter – sind nach Mieming verzogen, Besitzer der Brandstätte wird Wanner Josef vom “Wetterstein”. Heute trägt die “Residenz Wildsee” in der Innsbrucker Straße die Hausnummer 54. Dieses Haus hat mit dem ehemaligen Haus Nr. 54 im Seeviertel allerdings nichts zu tun.

 

Seehäuser 57 (heute Leutascher Straße):
Georg Zunterer und Elisabeth Lusch

An der Straße nach Leutasch treffen wir 1850 an der Stelle des heutigen “Klausnerhofes” auf Georg Zunterer, der dort mit seiner Familie wohnt und die von seinem Vater übernommene Werkstatt als Zimmermann und Rädermacher betreibt. Er übt dort nicht nur ein Handwerk aus, sondern besitzt Rechte und Pflichten eines eingetragenen Gewerbes. Als solche “Realgewerbe” sind zu jener Zeit neben seiner Rädermacherwerkstatt in Seefeld noch jene des Anton Hiltpolt als Huf- und Hammerschmidte (heute Hotel “Alte Schmiede”), die Wirtsbehausung des Anton Hörting (heute “Krumers Post Hotel”), der Bäckereibetrieb des Franz Nagl im Moosviertel (an der Stelle des heutigen Gemeindehauses), die Schneitmühle des Balthasar Neuner (heute “Hauser-Säge” in Unterseefeld) und die Mühle und Stampf des Thomas Nagl (heute Heilbadstraße 94 unterhalb der Hauser-Säge) eingetragen. In Seefeld gibt es damals somit sechs eingetragene Gewerbebetriebe.

Georg Zunterer ist 1797 geboren, die Eltern sind der Zimmermann Silvester Zunterer und Brigitta Sailer. Zum Zeitpunkt unseres Besuches sind beide bereits verstorben. 1822 hat Georg Zunterer die Maria Klotz aus Leutasch geheiratet. Die Zwillinge Johann und Valentin sterben wenige Tage nach ihrer Geburt 1823 an Diphtherie, wenig später verstirbt auch die Mutter mit nur 32 Jahren.

Nun ist Georg Zunterer in zweiter Ehe seit 1824 mit Elisabeth Lusch verheiratet, einer Tochter von Georg Lusch und Maria Kirchmair. Mit seiner Familie beschließt er vorerst, Seefeld zu verlassen. Er zieht 1828 nach “Tirschenbach” und verkauft ein Jahr später 1829 das Anwesen an den Josef Haselwanter aus Unterseefeld. Allerdings ändert er seine Meinung aus welchen Gründen auch immer kurze Zeit später, bereits 1830 kauft er das Haus zurück. Johann Haslwanter zieht vorerst wieder zu seinem Vater nach Unterseefeld (heute HNr. 74), kauft aber 1831 das Haus Nr. 51 gleich in der Nachbarschaft (heute eine moderne Wohnanlage an der Münchner Straße HNr. 82).

Von mehreren der zehn Kinder, die aus der zweiten Ehe des Georg Zunterer entstammen, wissen wir Genaueres:

  • Sabina Zunterer, geb. 1828, ist eine “nachgetaufte” Tochter. Bereits zwei Jahre vorher kommt ihre Schwester auf die Welt, die Sabina getauft wird, aber bereits im selben Jahr verstirbt. Nach allgemeinem Brauch wird das nächste Mädchen in Erinnerung an die verstorbene Schwester wieder Sabina getauft. Sie heiratet 1876 den Sebastian Heis aus Oberleutasch, nachdem bereits vor über zehn Jahren ihre uneheliche Tochter Pelagia nach 12 Lebenstagen verstorben war. 1895 verstirbt Sabina Zunterer auf tragische Weise: sie wird ertrunken mit dem Kopf im Seebachl liegend aufgefunden;
  • Karolina Zunterer, geb. 1829, heiratet zuerst den Innsbrucker Wirt Anton Wiederin und als Witwe in II. Ehe 1873 den ebenfalls verwitweten Zirler Löwenwirt Elias Domanig. Trauzeuge ist der Mann ihrer Schwester Amalia Zunterer, Karl Weyrer (siehe unten);
  • Anna Maria Zunterer, geb. 1831, heiratet 1856 den Oswald Klotz und wird 1886 an Typhus sterben;
  • Hermann Zunterer, geb. 1834, zieht nach Innsbruck, wird dort Gastwirt, verstirbt aber mit 56 Jahren in Seefeld;
  • Amalia Zunterer, geb. 1840, heiratet 1865 den Fabrikantensprössling Karl Weyrer. Deren Tochter Franziska Weyrer (geb. 1866) heiratet 1888 den Alois Seyrling vom Klosterbräu.

 

Georg Zunterer verstirbt hochbetagt 1878 im Alter von 81 Jahren, nachdem er das Anwesen seiner Tochter Sabina und ihrem vor zwei Jahren geheirateten Ehemann Sebastian Heis überlassen hat.

 

Seehäuser 62 (heute Hohe Munde Straße):
Nikolaus Zunterer und Theresia Höllriegl

Dieses Haus ist ein Zubau an das ältere Haus Seehäuser Nr. 61. Später wird an der Stelle dieses Doppelhaus der legendäre “Gasthof Stern” stehen, u. a. traditioneller Einkehrort für die Leutascher Fuhrleute, die nach Wissen alter Seefelder die wegkundigen Rösser schon einmal alleine nach Hause in den Stall geschickt haben sollen, wenn sie die Sperrstunde ausreizen wollten…. Heute steht hier die “Stern Residenz”, Hohe Munde Straße 61.

Nikolaus Zunterer, geb. 1778, ist der Sohn von Josef Zunterer und Barbara Schrott und damit der Onkel des oben genannten Georg Zunterer, der im Haus Nr. 57 wohnt. Er ist wie dieser Bauer und Zimmermann. Seit 1815 ist er mit Theresia Höllriegl aus Zirl verheiratet (Eltern: Jakob Höllriegl und Katharina Nairz), Trauzeuge ist Bruder Silvester Zunterer, der Vater seines Neffen Georg Zunterer.

Nach der Geburt von sechs Kindern verstirbt die Mutter Theresia Höllriegl 1831 “an Magendörre”. Und auch der Vater und Hauseigentümer Nikolaus Zunterer wird 1853 versterben. Auf Grund der Matrikeneintragungen ist anzunehmen, dass von ihren zwei Buben und vier Mädchen niemand eine Ehe geschlossen haben dürfte, entweder sind sie bereits als Kinder verstorben oder ledig geblieben.

Nach dem Tod des verwitweten Vaters Nikolaus Zunterer wohnt weiterhin seine ledig gebliebene Tochter Anna Zunterer, geb. 1821, im Haus, wo sie 1873 versterben wird. Ihre Schwester Barbara Zunterer, geb. 1823, verstirbt 1888 ledig und als Dienstmagd beim Gastwirt Domanig (“Löwen-Wirt”) in Zirl.

Hier, fast am Ortsende des damaligen Seefeld (weiter Richtung Leutasch stehen um 1850 nur mehr die Häuser vom Haslwanter (heute “Grugger” Nr. 64), vom Saierling (später Rofner, Nr. 65), vom Gapp (“Tschurp”, heute “Notburga” Nr. 66) und vom Suitner (“Pfunser”, heute Nr. 67), machen wir kehrt und gehen zurück ins Dorfzentrum. Hier im Mossviertel treffen wir um 1850 keine Zunterer-Familien im engeren Sinn mehr an. Zu den Nachkommen von Zunterer-Familien im Moosviertel siehe unten.

Beim Haus Nr. 41, dem späteren “Katzeler” (Tischlerei des Nairz Josef, heute “Hotel Central”) wenden wir uns Richtung Scharnitz nach Unterseefeld. Hier überschreiten wir die ehemalige politische und kirchliche Grenze: das vom Dorfzentrum und den drei Dorfvierteln abgelegene Viertel Unterseefeld gehörte ursprünglich zu Scharnitz bzw. Mittenwald und kirchlich zum Bistum Freising (Dekanat Rottenbuch bzw. Werdenfels). Emotionale “Spuren” dieser ehemaligen Grenze zwischen Unterseefeld und “Oberseefeld” (dieser Begriff kommt in den Matrikenbüchern öfter vor) finden sich dem Vernehmen nach vereinzelt immer noch bei älteren Seefeldern diesseits und jenseits der ehemaligen Grenze…

 

Unterseefeld 77 (heute Ecke Wasserfallweg/Münchner Straße, “Schneiderhof”):
Josef Zunterer und Magdalena Draxl

Josef Zunterer, geb. 1796 als Sohn des Lehrers und Organisten Anton Zunterer (den wir bereits aus den Schilderungen der Kriegsereignisse von 1805 kennen, s. o.) und seiner ersten Frau Anna Kuen ist nicht der erste Zunterer in Unterseefeld. Wir wissen, dass bereits Regina Zunterer (geb. 1777) von der anderen Zunterer-Linie (der Tischler und Rädermacher) mit ihrem Mann Kaspar Hornsteiner um 1820 in ein neues Haus nach Unterseefeld gezogen ist (siehe unten: „Und noch einige andere Zunterer“). Außerdem werden wir im nächsten Haus, das wir besuchen werden (siehe unten Heilbadstraße 91), ebenfalls Zunterer treffen.

Josef Zunterer ist wie viele aus seiner Familie Schneidermeister. 1847 nimmt er über Dr. Amann aus dem Vermögen der Elise Lepuschitz geb. Gräfin Lodron ein Darlehen von 550 Gulden auf, um das Haus mit der neuen Nummer 77 (vorher 47b), angebaut an das Haus Nr. 78 (heute “Haus Spiegl”) nach einer Brandkatastrophe entweder zu sanieren oder neu zu bauen. Das können wir deshalb annehmen, weil er zur Besicherung des Darlehens nicht nur sein Haus Nr. 47 samt den dazugehörigen Grundstücken verpfändet, sondern auch seine “über kurz oder lang” von der Tirolischen Feuer Assekuranz zu erwartende Entschädigungssumme in der Höhe des oben genannten Darlehens (Verfachbuch 1847).

Der „Schneiderhof“ in Unterseefeld Nr. 77 des Josef Zunterer, später der Familie Norz.

Ein kurzer Blick auf die Familie dieses Schneidermeisters Zunterer Josef und seiner Frau Magdalena Draxl (geb. 1792 in Leutasch), die 1816 geheiratet haben, veranschaulicht deutlich, wie sich die Familien damals untereinander “vernetzten”, und wie dadurch das “Zunterer-Gen” auch nach Verschwinden des Familiennamens Zunterer in Seefeld bis heute mehr als präsent ist.

Einige ihrer insgesamt elf Kinder finden sich durch die Gründung neuer Familien und durch deren Nachkommen als Ahnen in mehreren bekannten Seefelder Familien-Clans:

  • Maria Zunterer, 1820: Auf sie stoßen wir in der Ahnengalerie der Seefelder Kaufleute-Dynastie Albrecht “Krumer”. Sie heiratet 1856 den Müller und Bauern Josef Albrecht. Ihr Sohn Alois Albrecht, geb. 1859, heiratet 1893 die Anna Rantner und damit wird aus der bisherigen Albrecht-Familie der Müller und Bauern die Kaufhaus-Albrecht-Dynastie (siehe unten Schiffgasse 23).
  • Johann Zunterer, 1821: Er übernimmt das Schneider-Handwerk und das Haus am Wasserfallweg vom Vater Josef Zunterer und wird deshalb “Schneider Hans” gerufen. Er heiratet die Maria Neuner vom “Melcher” in Leutasch. Als Witwe übergibt sie das Haus auf Leibrente an den aus Leiten stammenden Klaus Norz und dessen Frau Anna Rauth, die damalige Seefelder Hebamme. Deren Sohn Johann Norz (ebenfalls als “Schneider Hans” bekannt) war u. a. Bürgermeister in Seefeld, Waldaufseher, Obmann der Raiffeisenkassa u.a. Seine Frau Pauline Sailer stammt vom “Jager Martl” (siehe unten), und ist wie die Schwiegermutter Hebamme.
  • Kreszenz Zunterer, geb. 1816: Durch ihre Verehelichung mit Martin Sailer “Jager Martl” im Jahr 1845 begründet sie eine Familie, auf deren Kinder sich zahlreiche bekannte Seefelder Familien beziehen können (siehe unten Unterseefeld 69). So zum Beispiel jene des legendären Seefelder Ölbrenners, Bauern und Frächters Josef Sailer (1854 – 1935).

Von den 17 geborenen Kindern des Josef Sailer aus zwei Ehen (mit Magdalena Hiltpolt und mit Berta Schatz) heiraten z. B. Anton die Sabina Haslwanter vom “Grugger”, Karolina den Rofner Josef, Leopoldine den Niederkircher Johann “Metzger”, Maria den Sigmund Rauth “Schneider Sigl”, Emma den Anton Wanner “Bäck”, Anna den Johann Neuner “Hauser Hans”, Johann die Rosa Seyrling vom “Lamm”, Elisabeth den Andrä Tiefenbrunner “Berger Ander”, Paulina den Johann Norz “Schneider Hans” und Ida den Schader Anton.

Kreszenz Zunterer und Martin Sailer haben neben Josef noch 4 Mädchen als Kinder. Die jüngste Tochter Anna Sailer, geb. 1856, heiratet 1885 den Sagschneider und Friseur Elias Neuner aus Leutasch (1853-1910). Fortan heißt es hier im heutigen Haus Nr. 4 “beim Lias”, Anna geb. Sailer wird „Liasn Nandl“ gerufen (siehe unten Schiffgasse 4):

  • Andreas Zunterer, 1823: heiratet 1857 die Anna Gapp, die allerdings bereits ein halbes Jahr nach der Eheschließung an einer Lungenentzündung verstirbt.
  • Anton Zunterer, geb. 1825: er ist zuerst wie der Bruder und Vater Schneider, heiratet 1862 die Krämereibesitzerin Juliana Thannheimer aus Schattwald und führt mit ihr einen Krämerladen im Seeviertel.
  • Franziska Zunterer, geb. 1834: heiratet 1870 den Waldaufseher Josef Schöpf „Leneler“ im ehemaligen landesfürstlichen Jägerhaus beim Seekirchl, dem heutigen Kreuzseehof an der Möserer Straße, HNr. 52.
  • Anna Zunterer, geb. 1836: Die jüngste Tochter von Josef Zunterer und Magdalena Draxl, heiratet 1871 den Josef Haslwanter vom heutigen “Gruggerhof”.

Josef Zunterer erreicht ein hohes Alter. Er stirbt als Witwer mit 92 Jahren an Altersschwäche im August 1887, nachdem seine Frau Magdalena Draxl bereits 23 Jahre vorher “an Abzehrung” verstirbt.

 

Unterseefeld 91 (heute Heilbadstraße):
Michael Zunterer und Magdalena Klotz

In diesem Haus treffen wir die jungen Eheleute Michael Zunterer, geb. 1820, und Magdalena Klotz, geb. 1815, die vor drei Jahren (1847) geheiratet haben und erst seit kurzem hier wohnen. Michael Zunterer ist der Bruder von Jakob Zunterer, der das Haus in der Schiffgasse 7 besitzt (siehe oben). Wie sein Bruder Jakob, sein Vater Jakob und später sein Sohn Martin führt er den Hausnamen “Zeirer”.

Michael Zunterer wird in drei Jahren (1853) mit nur 33 Jahren als “Kleinhäusler” (Standesbezeichnung im Matrikenbuch) versterben. Vor ihm ist bereits sein erster Sohn Josef (geb. 1848) wenige Tage nach seiner Geburt an Diphtherie verstorben. Der vierte Sohn Johann verstirbt im Jahr seiner Geburt 1853, im gleichen Jahr wie sein Vater. Sein zweiter Sohn, ebenfalls ein Josef (geb. 1849, “nachgetauft”), wird ledig mit 26 Jahren 1875 versterben. Der dritte Sohn, Martin Zunterer, geb. 1851, zieht mit der verwitweten Mutter um 1875 wieder zurück ins Dorfzentrum (siehe oben Schiffgasse 22).

Die Anwesenheit von Zunterern in der Heilbadstraße dauert also nicht lange, sie wohnen nur cà 30 Jahre in diesem 1835 neu erbauten Haus. Das Anwesen gehört zuerst den Eltern von Michael Zunterers Frau Magdalena Klotz, Georg Klotz und Anna Gapp. 1837 erbt die Tochter Magdalena Klotz diese “neu erbaute Behausung samt Stadel und Stallung nebst dabey befindlichen Fährgütern”. 1846 schließt sie vor dem Landgericht Telfs “mit ihrem angehenden Bräutigam Michael Zunterer den ‘Halben Einstand’”, d. h. sie übergibt ihm die Hälfte des Anwesens ins Eigentum.

Nach der Übersiedlung der Zunterer ins Dorfzentrum ziehen in das Haus Nr. 91 in der Heilbadstraße Mitglieder der Familie Rofner ein, mit denen Martin Zunterer verschwägert ist. Die neuen Hausbesitzer sind Josef Rofner und Maria Seyrling, wie die Ehefrau von Martin Zunterer eine Tochter von Bräumeister Johann Seyrling und Magdalena Gapp. Josef Rofner hat 1876 vom Lehenwald nach Seefeld geheiratet und wohnt nun mit seiner Familie in der Leutascher Straße. Von Familienangehörigen der Rofner in der Heilbadstraße 91 hören wir bereits 1879. In diesem Jahr stirbt dort der ledige 68-jährige Thomas Rofner, “Geggeler, nach Leutasch gehörig” und ein Jahr später Ursula Rofner, die Mutter des neuen Hausbesitzers Josef Rofner.

Später wohnt hier der 1876 geborene Sohn von Josef Rofner und Maria Seyrling, der ebenfalls Josef Rofner heißt. Er heiratet 1911 die Karolina Sailer vom Jagermartl, deren Großmutter wiederum eine Zunterer ist (siehe oben).

Das Haus Nr. 91 wurde vor einigen Jahren abgerisssen, auf der Liegenschaft steht heute das Haus Nr. 609.

 

Und noch einige Zunterer…

Nun machen wir uns auf unserem historischen Spaziergang von Unterseefeld wieder auf ins Dorfzentrum und kehren beim Postwirt ein. Hier machen wir uns bei einem Bier aus der Seefelder Brauerei bewusst, dass wir noch an einigen anderen Häusern vorbeigekommen sind, in denen Angehörige von Zunterer-Familien wohnen, auch bei solchen, die ihren Familiennamen in der Zwischenzeit durch ihre Verehelichung “getauscht” haben oder bald tauschen werden, und die uns teilweise bereits untergekommen sind. Einige Beispiele:

  • Haus Schiffgasse Nr. 4 (heute Innsbrucker Straße, “Haus Neuner”), mit den Eheleuten Anna Zunterer und Wendelin Suitner, die erst vor kurzem geheiratet und dadurch den bereits von Elisabeth in die Ehe mitgebrachten Sohn Johann “legitimiert” haben und gemeinsam u. a. einem Anton das Leben schenken (siehe Schiffgasse 17).
  • Haus Schiffgasse Nr. 18 (heute “Hotel Alte Schmiede”), wo Maria Zunterer (geb. 1779, eine Tochter von Franziskus Zunterer und Anna Albrecht) 1806 den Schmied Anton Hiltpolt geheiratet hat – kurz nachdem dessen Vater Josef Hiltpolt die Schmiede im Dorfzentrum vom Gruber-Schmied gekauft hat. Das Familienglück währt allerdings nur sehr kurz. Der 1808 geborener Sohn Josef Hiltpolt verstirbt bereits nach wenigen Monaten, die Mutter Maria geb. Zunterer im darauffolgenden Jahr mit 29 Jahren. Anton Hiltpolt heiratet dann in zweiter Ehe die Ursula Spieß. Alle heute in Seefeld lebenden Hiltpolt-Familien gehen auf dieses Ehepaar zurück.
  • Haus Schiffgasse Nr. 23 (heute “Seefelder Stuben”),wo in sechs Jahren Maria Zunterer (geb. 1820, siehe Haus Unterseefeld 77) durch ihre Eheschließung 1856 mit dem etwas jüngeren Bauern und Müller Josef Albrecht einziehen wird und deren Sohn Alois im Zug seiner Eheschließung mit Anna Rantner in das “Krumer-Gewerbe” einsteigen und die Seefelder Kaufhaus-Dynastie Albrecht begründen wird.
  • Haus Moosviertel Nr. 34 (heute Musikpavillon),dem heute nicht mehr vorhandenen Haus der Eheleute Anna Maria Zunterer und Oswald Klotz, die allerdings beide in wenigen Jahren noch jung versterben werden (siehe Seehäuser 57).
  • Haus Moosviertel Nr. 37 (heute Raiffeisenbank Münchner Straße 38), wo Hedwig Zunterer (geb. 1810), eine ledige Tochter der Maria Zunterer (geb. 1776) und eine Enkelin des Jägers Josef Zunterer und seiner Frau Barbara Schrott (siehe Seehäuser 62), den Oberländer Rädermacher Alois Stark (geb. 1804 als Sohn der Bauersleute Anton Stark und Kreszenz Tschiederer aus Prutz im Oberinntal) geheiratet hat und mit ihm nach der Tochter Elisabeth, die sie in die Ehe mitgebracht hat, weitere drei Kinder hat. Viele noch lebende ältere Seefelder haben in dieser Werkstatt ihre ersten Schi gekauft.
  • Haus Moosviertel Nr. 41 (heute Ecke Münchner Straße/Andreas-Hofer-Straße), wo Anna Zunterer, Ehefrau von Michael Gapp (Eheschließung 1801), Mutter von vier Kindern geworden ist. Tochter Josefa Gapp (geb. 1801) heiratet 1828 den Anton Kirchmair “Schadl” (HNr. 58) und Tochter Anna Gapp (geb. 1803) übernimmt 1839 das Anwesen und heiratet den Michael Kluckner vom Fuirer in Leutasch. Diese werden u. a. Eltern von Theres Kluckner, der spätern Frau vom Alt-Hauser Johann Neuner in Unterseefeld (Hauser-Säge), bzw. von Katharina Kluckner, der Mutter des Tischlers Josef Nairz “Katzeler”, deren Nachkommen später als Familie Ölhafen das an dieser Stelle errichtete “Hotel Central” (HNr. 41) betreiben werden.
  • Haus Moosviertel Nr. 39 (heute Andreas-Hofer-Straße), dem Nachbarhaus (Doppelhaus mit Nr. 40) der oben genannten Anna Zunterer und Michael Gapp, wo Annas namensgleiche Cousine Anna Zunterer als Ehefrau des Philipp Neuner (Eheschließung ebenfalls 1801) inzwischen sieben Kindern das Leben geschenkt hat, unter ihnen dem Hauser-Clan Begründer Balthasar Neuner (heiratet nach Unterseefeld HNr. 93).
  • Haus Unterseefeld Nr. 69 (heute Münchner Straße), wo vier Jahre nach unserem Spaziergang im Jahr 1854 Kreszenz Zunterer (siehe oben Unterseefeld 77) als Ehefrau von Martin Sailer (Eheschließung 1845) ihren einzigen Sohn (neben vier Töchtern) Josef auf die Welt bringen wird, der später als “Jagermartl” durch die Verehelichung seiner zahlreichen Kinder für viele Seefelder Familientraditionen von großer Bedeutung sein wird.
  • Haus Unterseefeld Nr. 86 (heute Münchner Straße “Jägerheim”), wo Maria Zunterer seit einem Jahr mit Josef Hofer aus Leiblfing verheiratet ist, allerdings bereits in acht Jahren bei der Geburt ihres Sohnes Johann mit 40 Jahren sterben wird, das Baby verstirbt eine Woche später.

 

“Wir alle sind Zunterer”.

Angesichts der heutigen Zusammensetzung der Seefelder Bevölkerung stimmt dieser Satz natürlich nur eingeschränkt. Aber eine Erkenntnis dürfen wir nach unserem Blättern im Familienalbum der unspektakulären Seefelder Zunterer und einem virtuellen historischen Spaziergang durch das ehemals kleine Dorf Seefeld vor über 150 Jahren auf der Suche nach Angehörigen dieses Familiennamens schon ziehen: viele von uns verbindet tatsächlich nicht nur der gemeinsame Wohnort und daraus abgeleitete Interessen. Schon die Beschäftigung mit den Angehörigen eines in Seefeld ausgestorbenen Familiennamens führt uns deutlich vor Augen, dass die von der Aufklärung beschworene und von Dichtern besungene “Brüderlichkeit” aller Menschen, bzw. die von Christen tradierte Überzeugung, dass wir alle “Brüder und Schwestern” sind, gar keine so abgehobene Fiktion ist. Es sollte uns also niemand daran hindern, im Alltag zwischen Arbeit und Spiel, Vergnügen und Anstrengung, Bewirtung von Gästen und Sorge um unsere Familien ab und zu daran zu denken.

      

     

 

 

  1. Dieser Beitrag ist eine bearbeitete Fassung meines Beitrages“Die Zunterer-Saga“ in: Seefelder Chronisten-Team, Jahrbuch 2011 – Die Chronik der Gemeinde Seefeld, 2012, 83 – 101 []
  2. Fotos: Gratl, TLM []
  3. Archiv Seefelder Heimatmuseum []
  4. Archiv Seefelder Heimatmuseum []
  5. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ruine_Porta_Claudia.JPG []
  6. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zunderschwamm01.JPG []
  7. Klausmann, Atlas der Familiennamen von Bayern, Ostfildern 2009, 102f []
  8. Gerards A., Seefeld in der Geschichte, Köln 1940, 63f []
  9. Die im Tiroler Landesarchiv und neuerdings auch online ( https://apps.tirol.gv.at/bildarchiv/#1450782605012_0) allgemein zugänglichen mikroverfilmten Matrikenbücher können Interessierten zumindest über die personenbezogenen Daten nähere Auskünfte geben. []
  10. aus: Seefeld in alten Ansichten, W. Voelk, Seefeld, o.J. []
  11. Archiv Seefelder Heimatmuseum []