Die Seefelder Rauth – Die „Rauth-Saga“

Seit fast 350 Jahren leben in Seefeld MitbürgerInnen mit dem Familiennamen Rauth. Der erste schriftlich belegbare Seefelder mit diesem Familiennamen heißt  Michael Rauth, er ist um 1638 in Leutasch geboren und heiratet 1670 zu Maria Gapp nach Seefeld.

Mit den Nachkommen in der 10. Rauth-Generation nach diesem Elternpaar, dreieinhalb Jahrhunderte nach ihrer Eheschließung, können wir heute auf deren lange Familiengeschichte in Seefeld zurückschauen.

In diesem Artikel1 soll die Geschichte der Seefelder Rauth-Familien nachgezeichnet werden. Nicht nur die heutigen Träger des Familiennamens Rauth können hier Informationen zu ihren namengebenden Vorfahren finden, sondern ein Großteil der heutigen Seefelder mit Seefelder Vorfahren wird in seiner Ahnenreihe Rauth-Vorfahren finden. Denn durch die Verehelichung von weiblichen Nachkommen mit der damit einhergehenden Festlegung des Familiennamens ihrer Kinder mit jenem der Väter tragen viel mehr Nachkommen der ersten Rauth-Familien in Seefeld heute einen anderen Familiennamen als Rauth.

Erst wenn man auch die Familiengeschichten der weiblichen Nachkommen aus den Rauth-Familien und – von unserem heutigen Standpunkt aus – die Familiengeschichten unserer mütterlichen Vorfahren ins Auge fasst, dürfte man von seiner „Familiengeschichte“ reden bzw. schreiben. Dabei würde uns bewusst, welch bescheidenen Anteil und damit welch relative Bedeutung an der eigenen Familiengeschichte dabei die männlichen namengebenden Vorfahren haben.

Diese „Rauth-Saga“ ist also (nur) die Geschichte der Träger eines bestimmten Familiennamens.

Unterseefeld vor 100 Jahren gegen Seefelder- und Reitherspitze. im Vordergrund das „Haus Engelhard“ (heute Wohnanlage Münchner Straße 82) rechts im Hintergrund das „Hartler-Haus“, heute Karwendelweg 80: seit 1891 wohnen hier Rauth-Familien vom „Hartler“-Clan. Alte Ansichtskarte, Seefelder Heimatmuseum.

I. Ein Familienname, drei Vulgonamen

Die allermeisten in den letzten Jahren und heute in Seefeld lebenden MitbürgerInnen mit dem Familiennamen Rauth kennt man hier als „Hartler“ oder „Mugger“. Dass Menschen neben ihren „echten“ Familien- und Vornamen oft noch einen anderen Namen tragen, unter dem sie unter Umständen besser bekannt sind, weiß jede(r) von uns, dem/der die Schulkameraden oder Freundinnen einen „Spitznamen“ verpasst haben, der einen ein Leben lang begleitet (z. B. „Poppi“, „Lu“, „Bubi“…).

Neben diesen personenbezogenen „Spitznamen“ trug in früheren Zeiten beinahe jeder (heute seltener) in unserem Dorf (wie überall in unserer Gegend) einen sog. „Vulgonamen“ oder „Hausnamen“, der im täglichen Leben eine größere Bedeutung hatte, als der offizielle Familiennamen. Seine Zeitgenossen kannte und nannte man nicht bei ihren Familiennamen, sondern beim „Hausnamen“ So wird man eine verlässliche Auskunft über einen Josef Rauth erst erhalten haben, wenn man sich nach dem „Hartler Seppl“ erkundigte…

Zu den ältesten und bekanntesten bis heute in Seefeld tradierten Hausnamen gehört zweifellos der Vulgonamen „Hartler“. Wenn hier jemand „Hartler“ gerufen wurde oder wird (früher öfter als heute), handelt es sich dabei um jemanden, der sich entweder Rauth schreibt, oder zumindest aus einer Rauth-Familie stammt.

Etwas verwirrend, aber nur ein Teil der Seefelder Rauth-Familien gehört zum „Hartler-Clan“. Ein anderer Teil nennt sich „Mugger“, obwohl man den Vulgonamen „Mugger“ in erster Linie und zu Recht mit den Tiefenbrunner-Familien in Zusammenhang bringt.

Also: alle Seefelder Tiefenbrunner sind „Mugger“, „Mugger“ heißen aber auch Rauth-Familienangehörige, aber nicht alle Rauth sind „Mugger“… auf den ersten Blick etwas  irritierend!

Den Schlüssel zur Beseitigung der Verwirrung um die zwei unterschiedlichen traditionellen Vulgonamen „Hartler“ und „Mugger“ der Seefelder Rauth-Familien werden wir bei den Nachkommen von Bernhard Rauth finden, der mit seiner Familie vor 200 Jahren in Unterseefeld lebt.

Wie auf den folgenden Seiten ausgeführt, gehören alle heute in Seefeld lebenden Rauth-Familienmitglieder entweder zum Hartler- oder zum Mugger-Clan. Mit einer Ausnahme: seit drei Generationen gibt es in Seefeld auch Nachkommen einer weiteren Rauth-Familie, deren Vorfahren aus Leutasch/Kirchplatzl stammen. Dort kennt man sie und ihre Nachkommen bis heute unter dem Vulgonamen „Geggl“. Aber auch diese Rauth haben  in Leutasch die gleichen Vorfahren wie alle anderen alteingesessenen Seefelder Rauth, ob sie nun zu den Mugger oder Hartler gehören.

Alle Seefelder Rauth Familien, ob „Hartler“,  „Mugger“ oder „Geggl“ haben somit gemeinsame Vorfahren in Leutasch.

Da auch die Vorfahren aller Seefelder Tiefenbrunner aus Leutasch stammen (worüber im Jahrbuch 2014 zu lesen ist) ist einmal mehr erwiesen, dass die Vorfahren vieler Träger alter Seefelder Familiennamen aus Leutasch stammen.

In dieser Familiensaga soll nun versucht werden, die gemeinsamen Wurzeln der heute in Seefeld ansässigen drei „Rauth-Familienclans“ darzulegen:

  • der „Hartler“ nach Josef Rauth (geb. 1892),
  • der „Mugger“ nach Oswald Rauth (geb. 1881),
  • der „Geggl“ nach Sigfried Rauth (geb. 1910).

Die Vorfahren der heute in Seefeld lebenden Nachkommen mit dem Familiennamen Rauth. Hinter der nüchternen Graphik stehen unzählige Familiengeschichten und Familienschicksale – und ein gutes Stück Seefelder Dorfgeschichte über 400 Jahre.

1. Der Familienname  „Rauth“

Die Herleitung des Familiennamens „Rauth“ ist wie jene des Vulgonamens „Hartler“ relativ einfach und nachvollziehbar: Der Familienname Rauth leitet sich vom Besitzer eines Hofes her, den dieser auf einer gerodeten Fläche errichtet bzw. bewirtschaftet. Eine „Rauth“ war in unserer Gegend eine Liegenschaft außerhalb des besiedelten Ortsgebietes, die erst durch eine „Rodung“ urbar gemacht wurde.

Es gibt heute in unserem Land mehrere Orte, Weiler und Höfe, deren Name auf diesen Umstand verweisen, z. B. die Rauth-Höfe in Kematen, in Pfafflar oder in Rinnen im Außerfern. Auch der Name unserer Nachbargemeinde Reith könnte auf diese Bedeutung zurückgehen. Für Finsterwalder ist möglicherweise der Hof Raut bei Rinnen/Berwang die Wiege des Familiennamens Rauth. Es könnte aber auch ein „Rauth-Hof“ in Pfafflar sein. Auf jeden Fall findet sich der Familienname Rauth bereits in Schriften um 1620 und in den ältesten Tiroler Kirchenbüchern, z. B. ab 1638 in Lermoos und Biberwier2

Werner Rauth aus Leutasch stellt uns dankenswerterweise seine Forschungsergebnisse zum Familiennamen Rauth zur Verfügung, wie z. B. seine Entstehung und seine Verbreitung  (bei Interesse bitte anklicken): Der Familienname Rauth und seine Verbreitung

Die wichtigsten Häuser der ersten Rauth-Generationen in Unterseefeld. Grüner Kreis: das „Malauner-Haus“, einen Hausteil besitzt Simion Rauth (1720-1787), roter Kreis: Johann Rauth kauft dieses „Hartler-Haus“ um 1891, gelber Kreis: „Tiefenbrunner Haus“, von hier holt sich Thomas Rauth 1829 seine Frau Elisabeth Tiefenbrunner und den Vulgonamen „Mugger“. Alte Ansichtskarte um 1920, Privatsammlung.

2. „Hartler“

Einer seiner Söhne, Johann 3 Rauth (1803-1868), trägt den vom Taufnamen seines Vaters Bernhard hergeleiteten Vulgonamen „Hartl“, er übernimmt das Elternhaus (Hausanteil am sog. Malaunerischen Haus Nr. 45, heute Münchner Straße 72/73/74) und gibt seinen Vulgonamen „Hartler“ an seine Nachkommen weiter, von ihm bzw. seiner Familie stammen alle heute in Seefeld lebenden „Hartler“ ab.

In unserer Gegend wird auch heute noch der Taufnahme Bernhard im täglichen Umgang untereinander auf den Rufnamen „Hartl“ verkürzt.

Die Herleitung des Vulgonamens „Hartler“ vom Träger des Taufnamens eines Vorfahren ist somit plausibel und keine Seltenheit. So gehen z. B. die „Jagermartl“ auf Martin Sailer (verst. 1861), die „Rosum“ auf Erasmus Nairz in Leutasch/Lochlehen (verehel. 1739), oder die „Hauser“ auf Balthasar Neuner (verst. 1866) zurück.

In anderen Kulturen findet sich bis heute der Vorname des Vaters im Familiennamen seiner Kinder wieder, z. B. in „Johanson“ (= Sohn des Johann) oder „Hansdottir“ (= Tochter des Hans) in nordischen Ländern.

3. „Mugger“

Es ist gar nicht so selten, dass Männer, die auf den Hof der Familie ihrer Ehefrau einheiraten, den Vulgonamen aus der Familie der Ehefrau übernehmen. Bei der Weitergabe von Vulgonamen verläuft die Sache  deshalb manchmal anders als bei der Vererbung des Familiennamens. Ein gutes Beispiel dafür sind die Seefelder Rauth- Familien mit dem Vulgonamen „Mugger“. Genau aus dem genannten Grund gibt es heute zwei Vulgonamen für die alten Seefelder Rauth-Familien, nämlich „Hartler“ und „Mugger“.

Seltener aber doch kann es auch vorkommen, dass ein Kind nicht den Vulgonamen seines Vaters übernimmt , sondern einen von der  Mutter hergeleiteten Vulgonamen annimmt. Ein Beispiel dafür ist der Unterseefelder „Sabinas Alois“ Alois Sailer, geb. 1915, der nicht nach seinem Vater Anton Sailer „Jagermartl“, sondern nach seiner Mutter Sabina geb. Haslwanter „Sabinas Alois“ gerufen wurde.4.

Die Herleitung des Vulgonamens „Mugger“  ist schwieriger als jene der Herleitung des Vulgonamens „Hartler“. Erstmals finden wir in Seefeld den Vulgonamen „Mugger“  bei Martin Tiefenbrunner angegeben, der 1728 geboren und 1778 als Tagwerker verstorben ist. Er stammt aus dem „Schändl-Haus“ (heute Leutascherstraße 58), aus dem auch die Vorfahren der heutigen Seefelder Kirchmair-Familien mit dem Vulgonamen „Schadl“ stammen. Er oder sein Sohn errichten dann das spätere Stammhaus der Tiefenbrunner in Seefeld (heute Karwendelweg „Seefelder Alm“), aus dem alle heute in Seefeld lebenden Tiefenbrunner stammen.

Thomas Rauth (1788-1876), der ältere Bruder des oben genannten „Hartlers“ Johann Rauth, zieht von zu Hause weg und heiratet 1829 hinauf zum „Mugger“, Hausnummer 50 (später „Belevue“, anschließend „Seefelder Alm“, heute Karwendelweg 81). Dort wohnt seine Braut Elisabeth Tiefenbrunner (1805-1883) bei ihrem verwitweten Vater Bartlmä Tiefenbrunner (1773-1854). Einige Jahre später ziehen die Eheleute Thomas Rauth und Elissabeth Tiefenbrunner an das andere Ende des Dorfes in das Haus Nr. 5 (später abgebrannte Doppelhaushälfte mit Haus Nr. 4), sie nehmen den Vulgonamen „Mugger“ der Familie der Frau mit und geben ihn an ihre Nachkommen bis heute weiter. Ab diesem Zeitpunkt tragen nicht nur Tiefenbrunner-Familienmitglieder, sondern auch einige Rauth-Familienmitglieder den Vulgonamen „Mugger“.

Vielleicht gibt es eine Verbindung zum Hof- und Vulgonamen „Mugger“ in Leutasch (heute ein Erbhof, Obern 45). Nach Matthias Reind5 entstand dort der Vulgonamen „Mugger“ als Bezeichnung für den kleingewachsenen Michael Kluckner (geb. cà 1650, vereh. cà 1678 mit Katharina Nairz), auf den sich unzählige Familien in Leutasch und weit darüber hinaus als Stammvater berufen können. Aber so wie viele andere gleichlautende Vulgonamen unabhängig voneinander entstanden sind (z. B. „Dengg“ für einen Linkshänder, „Hauser“ für die Nachkommen eines Balthasar, „Schneider“ und „Schuster“ für die Nachkommen eines Handwerkers), könnte dies auch hier der Fall sein.

Die ersten drei Rauth-Generationen in Seefeld und ihre Stammeltern aus Leutasch bzw. dem Außerfern.

II. Der erste Seefelder Rauth: Michael Rauth, cà 1638-1714

Der erste Rauth in Seefeld ist ein Zuwanderer aus der Leutasch. Er heißt, wie eingangs bereits erwähnt, Michael Rauth und kommt dort um das Jahr 1638 als Sohn des gleichnamigen Vaters Michael Rauth und dessen Frau Maria Klotz auf die Welt, die um 1635 in Leutasch geheiratet haben. Die Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern in Leutasch beginnen leider erst einige Jahre später, sodass der genaue Hochzeitstermin nur aus späteren Angaben, z.B. der Taufe oder Eheschließung der Kinder mehr oder weniger genau geschätzt werden kann.

Wie der Sohn Michael Rauth jun. (geb. 1638) in Seefeld ist auch Michael Rauths gleichnameiger Vater in Leutasch ein „Zuwanderer“, er kommt nach der Pestzeit (Anfang des 17. Jahrhunderts), höchstwahrscheinlich als Sohn einer Müller-Familie aus Biberwier im Außerfern, als Knecht auf den Hof in Leutasch/Weidach (heute „Knechtler“). Von diesem Hof aus wird auch eine Mühle betrieben, die grundrechtlich dem Seefelder Kloster gehört.

Historische Aufnahme der ehemaligen Klostermühle in Leutasch/Weidach. Foto: Archiv Werner Rauth.

Auf dem Hof lebt und arbeitet nur mehr die junge Maria Klotz, die als Einzige ihrer Familie die tragische Pestzeit überlebt hat, ein Drittel der Leutascher Bevölkerung ist dieser Seuche zum Opfer gefallen. Maria Klotz hat deshalb überlebt, weil sie in die kleine etwas abseits gelegene Mühle „geflüchtet“ ist (oder in eine in der Nähe stehende Hütte), die Wände mit Tirschenöl bestrich (Ichthyol), und so die Pest keinen Zutritt hatte….  Sie gelobte außerdem, an diesem Ort eine Kapelle zu errichten, falls sie überleben sollte. Diese „Pestkapelle“ steht heute noch, schön renoviert, an der rechten Straßenseite in Weidach.

Die renovierte Kreith-Kapelle in Weidach. Foto Neuner 2012.

Nach ihrer Rückkehr auf den Hof ersuchte sie das Seefelder Kloster um Hilfe. Man schickte ihr einen jungen Knecht namens Michael Rauth, der bald „Knechtl“ genannt wurde. Aus diesem Knecht wird der Ehemann von Maria Klotz, sie gründen eine Familie und werden die Stammeltern aller Rauth in Leutasch und Seefeld! 6

Historische Aufnahme vom „Knechtl-Hof“ in Weidach, heute HNr. 314. Im Vordergrund das ehemalige „Strandbad“, quasi das Vorbild zum heutigen „Alpenbad“.Foto: Sammlung Werner Rauth.

Michael Rauth sen. ist nicht der erste oder einzige „Einwanderer“ aus dem Außerfern, der in das Leutaschtal kommt. Der zwischen Leutasch und dem Außerfern bestehende Weg durch das Gaistal hatte früher eine noch größere Bedeutung als heute, da er vielfältige Kontakte und Handelsbeziehungen ermöglichte. Ein Zeugnis dafür ist z.B. die Erzählung, dass in der Pestzeit dieser Weg von Leutascher Männern verbarrikadiert und eine Umgehung mit Gewalt verhindert wurde, um eine Ausbreitung der Pest in Leutasch zu unterbinden, die im Außerfern ausgebrochen war 7. Außerdem kann auch bei anderen Leutascher Familientraditionen eine Herkunft aus dem Außerfern nachgewiesen werden, zum Beispiel bei den „Tiefenbrunner“ oder den „Schennach(er)“.

Der Sohn des Außerferner Einwanderers in Leutasch Michael Rauth sen., Michael Rauth jun., zieht also nach Seefeld und heiratet hier am 9. Februar 1670 die Maria Gapp. An diesem Wintertag finden im kleinen Nest Seefeld gleich drei Eheschließungen von Geschwistern statt: außer Maria Gapp heiraten auch ihr Bruder Andreas Gapp (die Walburga Harrer aus Seefeld) und die Schwester Barbara Gapp (den Sebastian Nebel [Nöbl], ebenfalls aus Seefeld). Die Eltern der drei Geschwister sind Bartholomäus Gapp und seine Frau Agnes Wanner, beide stammen ursprünglich höchstwahrscheinlich aus Reith (siehe dazu die „Tschurpen-Saga“ im Jahrbuch 2015 oder auf dieser Homepage).

Eintragung der Dreifachhochzeit im Ehebuch der Pfarre Seefeld am 9.2.1670: Eheschließung von drei Gapp-Geschwistern, unter ihnen Maria Gapp aus Seefeld mit Michael Rauth aus Leutasch.

Michael Rauth jun. und seine Frau Maria Gapp begründen somit vor fast 350 Jahren den „Rauth-Clan“ in Seefeld. Sie werden die Stammeltern aller späteren Rauth-Familien in Seefeld, mit Ausnahme jener Familien nach Sigfried Rauth („Geggl“), die erst seit drei Generationen in Seefeld ansässig sind. Aber auch diese Familien sind mit den alten Seefelder Rauth-Familien eng verwandt, haben sie doch die gleichen Stammeltern in Leutasch (s. o.).

Michael Rauth jun. wird 76 Jahre alt, er verstirbt 1714 in Seefeld. Seine Frau Maria Gapp verstirbt bereits 1703.

Während der 33 Ehejahre schenken sie 10 Kindern das Leben, 6 Mädchen und 4 Buben. Drei Kinder sterben sehr früh, die anderen sieben schließen eine Ehe und gründen Familien:

Maria Rauth (geb. 1671) heiratet 1693 den Wolfgang Gapp aus Seefeld, Sohn von Martin Gapp und Maria, einen Verwandten der Mutter.

Laurentius (Lorenz) Rauth (geb. 1672) heiratet 1709 die Agatha Heis aus Leutasch, dem Geburtsort des Vaters. Er zieht zu ihr nach Leutasch, den Geburtsort seines Vaters Michael Rauth jun. 

Margaretha Rauth (geb. 1674), stirbt sehr früh.

Dionysius Rauth (geb. 1676), verstirbt bereits mit 1 Jahr.

Agnes Rauth (geb. 1678) heiratet den Martin Harrer, einen Verwandten ihrer Schwägerin. Agnes Rauth verstirbt 1744.

Thomas Rauth (geb. 1681) heiratet 1705 die Ursula Mößmer, Tochter von Michael Mößmer und Maria Schrott aus Zirl, und zieht einige Jahre später wie seine Schwester Ursula Rauth (siehe unten) nach Zirl, wo deren Kinder (zum Teil noch in Seefeld geboren) aufwachsen und Familien gründen. Thomas Rauth verstirbt 1742 in Zirl.

SEBASTIAN RAUTH (geb. 1684), heiratet 1706 in Seefeld Elisabeth Gruber. Diese Eheleute führen die Tradition des Rauth-Clans in Seefeld weiter (siehe unten Kap. III).

Ursula Rauth (geb. 1688) heiratet den Valentin Öfner in Zirl.

Elisabeth Rauth (geb. 1691), verstirbt sehr früh.

Helena Rauth (geb. 1693) heiratet 1716 den Martin Lusch in Reith, Sohn von Georg Lusch und Anna Engelsperger. Der Ehe entstammen sieben Kinder, Helena Rauth verstirbt 1764.

 

III. Sebastian Rauth (1684-1735) und Elisabeth Gruber (1685-1764) 

Die zweite bekannte Rauth-Generation in Seefeld ist die Familie von Sebastian Rauth (1684-1735) und Elisabeth Gruber (1685-1764). Sebastian Rauth (geb. 1684) ist das einzige Kind der großen Familie, das durch eine Eheschließung und Gründung einer Familie seinen Familiennamen in Seefeld an die nächste Generation weitergeben kann. Das „Familien-Gen“ wird natürlich auch durch die vier Töchter, die eine Ehe schließen und den Familiennamen ihrer Ehemänner annehmen (Gapp, Lusch, Harrer und Öfner), weitergegeben.

Sebastian Rauth (geb. 1684) heiratet 1706 die Seefelderin Elisabeth Gruber (1685–1764), die Tochter von Jakob Gruber (Bäcker und lt. Urbar 1678 Doppelhausbesitzer mit Wilhelm Heigl) und Ursula Hofherr. Mit ihr gründet er in Seefeld eine große Familie. Wie seine Eltern hat auch Sebastian Rauth mit seiner Frau zehn Kinder, acht Söhne und zwei Töchter:

Maria Rauth, geb. 1706, heiratet 1740 den Mathias Krueg in Seefeld.

Johannes Rauth, 1707-1784, heiratet 1742 die Kunigunda Neuner, siehe unten Pkt.1.

Josephus Rauth, 1711-1783, heiratet um 1745 in Seefeld die Apollonia Lusch, siehe unten Pkt. 2.

Michael Rauth, geb. 1714. Keine weiteren Daten bekannt.

Philipp Rauth, 1716-1740, heiratet 1740 in Seefeld die Regina Zunterer und stirbt im gleichen Jahr; der voreheliche Sohn Quirinius (1739) heiratet 1763 in Mittenwald die Rosina Zwerder von Grainau.

Antonius Rauth, 1718-1749, heiratet cà 1735 die Regina Monz aus Nassereith.

SIMON RAUTH, geb. 1720, heiratet 1751 in Seefeld die Magdalena Kuen (Kien) vom „Gschlössler-Clan“, Stammhalter, siehe nächstes Kapitel Pkt. IV.

Caspar Rauth (1723-1785) heiratet die Seefelderin Gertrud Kuen, siehe unten Pkt.3.

Magdalena Rauth, geb. 1725.

Mathias Rauth, geb. 1728.

1. Johann Rauth (1707-1784) und Kunigunda Neuner (1706-1756)

Johannes Rauth, 1707-1784, heiratet 1742 die Kunigunda Neuner (1706–1756) aus Leutasch, ihre Eltern sind Simon Neuner und Gertrud Nairz.

Das Ehepaar hat zwei Kinder:  Maria Rauth (geb. 1743) bleibt ledig und verstirbt 1805. Johann Rauth jun. (geb. 1747) kann mit Anna Zunterer eine Ehe schließen und damit eine in mehrfacher Hinsicht interessante „Seitenlinie“ der Seefelder Gapp begründen:

Johann Rauth jun. (1747-1814) und Anna Zunterer (1746-1800)

Johann Rauth jun. (1747-1814) heiratet 1775 die Anna Zunterer (1746-1800). Sie ist eine Tochter aus der III. Ehe des Seefelder Tischlers Anton Zunterer mit Agnes Nairz. Aus dessen I. Ehe (mit Brigitta Gapp) stammen die beiden Geigenbauer Konrad und Leopold Zunterer. Ein Kontrabass des Konrad Zunterer ist im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum ausgestellt. (siehe die „Zunterer Saga“ im Jahrbuch 2011 und auf dieser Homepage). Anna Zunterer ist somit die Stiefschwester dieser berühmten Seefelder Instrumentenmacher.

Eine interessante Seitenlinie der Seefelder Rauth nach Johann Rauth.

1785 bewohnt die Familie „ein neu erbautes Haus in Unterseefeld“. Damals hatten die Häuser in Seefeld noch keine offiziellen Hausnummern im heutigen Sinn. 1797 erhält das Haus die Nr. 48, bereits zwei Jahre später die neue Nummer 29. Einige Jahre später hat das Haus (Doppelhaushälfte) die Nr. 52b ehe es um 1847 die heutige Hausnummer 85 und noch später den Schriftzug „s’Hoamatl“ erhält. Die andere Hälfte dieses „neu erbauten Hauses“ gehört Joseph Rauth und Apollonia Lusch (siehe unten).

Eine kleine „Rauth-Siedlung“ am Ortsende von Seefeld Richtung Scharnitz auf der rechten Straßenseite, vor 120 Jahren und heute: vorne rechts das Doppelhaus Nr. 84/85 (später „beim Noarz“ und „s’Hoamatl“), dahinter heute der Neubau Nr. 843; dann das Haus Nr. 86 (später „Jägerheim“) und Haus Nr. 89 (später „Gasthof zum Schloßberg“). Auf der rechten Straßenseite der „Römerhof“ der Familie Kuen. Fotos: Privatsammlung Alberta Kuen+ (oben),  unten Aufnahme 2014 Neuner.

Aus der Ehe von Johann Rauth mit Anna Zunterer stammen die sieben Kinder:

a) Martin Rauth, geb. 1775:

Er heiratet 1810 die Rosina Reindl (geb. 1778 als Tochter von Johann und Rosina Reindl) und zieht zu ihr nach Krün in Bayern. Dort begründet ihr Sohn Alois Rauth (geb. 1812), der 1837 in Mittenwald die Maria Theresia Bartl heiratet, mit seiner großen Familie (acht Kinder) einen heute weit verzweigten Rauth-Clan in Oberbayern. Martin Rauth verstirbt 1851, drei Wochen nach seiner Frau Rosina Rauth, im bayrischen Krün.

b) Regina Rauth, geb. 1777:

Regina Rauth, geb. 1777, heiratet 1807 in Seefeld den aus Mittenwald stammenden und später berühmt gewordenen Geigenbauer Kaspar Hornsteiner (1779-1857).

Sie schenken 4 Töchtern und einem Sohn das Leben (Kreszentia Hornsteiner, geb. 1808, Joseph Hornsteiner, geb. 1809, Brigitta Hornsteiner, geb. 1810, Agatha Hornsteiner, geb. 1813 und Maria Hornsteiner, geb. 1816). 1820 bauen sie sich ein Haus an der heutigen Münchner Straße Nr. 83 (älteren Seefeldern bekannt als das Haus der Familie Gärtner beim ehemaligen „Tümmlerhof“).

Das Haus Münchner Straße 83 in Unterseefeld damals und heute. Der aus Mittenwald stammende Geigenbauer Kaspar Hornsteiner und seine Seefelder Frau Regina Rauth bauen sich hier 1820 ein Haus. Hier fabriziert er bis 1838 seine berühmten Geigen, ehe er das Haus verkauft und nach Volderwald zieht. Fotos: Familienarchiv Rauth (oben) und Neuner, Aufnahme 2014 (unten).

Damit ist Regina Rauth nicht nur über ihre Mutter Anna Zunterer als Stiefschwester der Instrumentenmacher Konrad und Leopold Zunterer mit dem Instrumentenbau verbunden, auch sie selbst bringt die Seefelder Rauth-Dynastie in Verbindung mit der damals wichtigen Instrumentenbauer-Tradition in Tirol und vor allem im benachbarten Mittenwald.

Geige von Kaspar Hornsteiner, gebaut in Seefeld um 1830. Foto: Webseite der Fa. Spöttl, Hall.

Ihr Mann Kaspar Hornsteiner, 1779-1857, Sohn von Anton Hornsteiner und seiner Frau Maria geb. Hornsteiner, stammt aus einer bekannten Mittenwalder Geigenbauerfamilie. Auch er fertigt zuerst in Seefeld in dem von ihm um 1820 erbauten Haus auf einem Grundstück seines Schwiegervaters in der heutigen Münchner Straße gefragte Instrumente. 1838 verkauft er das Haus an den Leutascher Vinzenz Albrecht und zieht mit seiner Familie nach Volderwald in der Gemeinde Tulfes. Dort erwirbt er das „Kreuzhäusl“ (heute eine Bushaltestelle an der Glockenhofstraße), wo er weiterhin sein Handwerk betreibt. Seine Geigen heißen „Kreuzhäuslgeigen“. Kaspar Hornsteiner verstirbt 1857 mit 78 Jahren und wird in Volders begraben.

Josef Hornsteiner (geb. 1809), der Sohn von Kaspar Hornsteiner und Regina Rauth, übernimmt das Handwerk des Vaters. Einige Jahre nach dessen Tod verkauft er 1865 das „Kreuzhäusl“ und zieht nach Hall. Dort widmet er sich dem Bau von Zithern und der Reparatur von Geigen. 1889 verstirbt er mit 80 Jahren. Für die Qualität der Instrumente aus der Familie Hornsteiner spricht, dass sich sowohl vom Vater Kaspar als auch von dessen Sohn Joseph Instrumente in der Sammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum befinden8.

c) Bartholomäus Rauth (1778-1849):

Bartholomäus Rauth (1778,-1849) bleibt in Seefeld und heiratet zweimal:

In I. Ehe heiratet er 1822 die Maria Kuen (geb. 1777) aus Pettnau, Tochter der dortigen Eheleute Joseph Kuen und Maria Steiner. Die Ehe dauert bis zum Tod der Frau im Juli 1827 nur fünf Jahre, die Ehe bleibt kinderlos.

In II. Ehe heiratet Bartholomäus Rauth 1827 die Elisabeth Hofer (geb. 1783) aus Leiblfing, drei Monate (!) nach dem Tod der ersten Frau. Sie bringt einen ledigen Sohn Josef Hofer mit in die Ehe, geb. 1821 in Leiblfing. Die Ehe von Bartholomäus Rauth und Elisabeth Hofer dauert bis zum Tod der Frau 1838 elf Jahre und bleibt ebenfalls kinderlos.

Bartholomäus Rauth verstirbt 1849 als zweifacher Witwer und ohne leibliche Kinder im Haus Nr. 54 (alte) bzw. 86 (neue Hausnummer), dem späteren „Jägerheim“ am Ortsende Richtung Scharnitz.

Das Haus des Witwers ohne eigene Kinder übernimmt sein Stiefsohn Josef Hofer. Dieser heiratet 1849 (im Todesjahr des Stiefvaters und 11 Jahre nach dem Tod der Mutter) wiederum eine Zunterer: Maria Zunterer, geb. 1818 als Tochter des Schneidermeisters Thomas Zunterer und der Anna Kammerlander. Maria Zunterer stammt aus jener Seefelder Zunterer-Linie, von deren Töchtern z. B. die Seefelder „Schadl“ (ursprünglich „Schandl“, Familienname Kirchmair) oder „Hauser“ (Neuner), und von deren männlichen Nachkommen Seefelds „letzte Zunterer“ stammen (siehe die Zunterer Saga). Auch die Frau von Philipp Rauth (Regina Zunterer, siehe unten), stammt aus dieser Linie.

Josef Hofer und Maria Zunterer haben (zumindest) vier Kinder:

  •  Anton Hofer, geb. 1844 (nach der Eheschließung der Eltern 1849 legitimiert).
  • Matthias Hofer, geb. 1849.
  • Monika Hofer , geb. 1850, sie heiratet 1890 den Witwer Josef Sailer (1833-1908) im Haus Nr. 83, das 1820 von Kaspar Hornsteiner aus Mittenwald und seiner Frau Regina Rauth (Tochter von Johannes Rauth, siehe oben) erbaut wurde.

Deren Tochter Magdalena Sailer (geb. 1881, legitimiert) heiratet 1907 den Bräumeister Josef Berger, geb. 1870 in Windischmatrei, Sohn von Sebastian Berger und Anna Wiebmer. Ihre Kinder sind Maria Berger (1907), Josef Berger (1910), Anna Katharina Berger (1911) und Anton Hubert Berger (1915).

  • Johann Hofer, geb. und verst. 1858.

Die Mutter dieser Kinder, Maria geb. Zunterer, verstirbt 1858 im Kindsbett von Sohn Johannes Hofer, der eine Woche nach seiner Geburt verstirbt. Der Witwer Josef Hofer verstirbt 1869 mit 48 Jahren.

d) Cleopha Rauth, 1780-1810, hat einen außerehelichen Sohn Thomas Rauth (geb. 1807), der allerdings mit drei Jahren verstirbt.

e) Maria Rauth, geb. 1782, verstirbt als Kind.

f) Agatha Rauth, geb. 1786, verstirbt als Kleinkind.

g) Peter Rauth (1790-1866):

Peter Rauth (1790-1866), zieht nach Rum bei Innsbruck und erwirbt dort ein kleines Bauerngut. 1826 heiratet er die Katharina Hutter, die Tochter des k.k. Salzbergarbeiters Lorenz Hutter und seiner Frau Katharina Maurer.

Peter Rauth und seine Ehefrau Katharina Hutter schenken 1828 einem Sohn Peter Rauth jun. das Leben, zwei Jahre später einem zweiten Kind. 1836 versterben sowohl die Ehefrau als auch das zweite Kind.

Dieser Sohn Peter Rauth jun. (1828-1896) wird in der Folge ein weit über die Grenzen hinaus bekannter Kunstmaler und beachteter Vertreter des neuen „Nazarener-Stils“. Bereits mit 20 Jahren malt er im Jahr 1848 seine ersten Werke (z. B. Madonna mit Jesusknabe, Fahnenblatt für die Milser Schützenkompanie), 1852 kommt er an die Akademie der Bildenden Künste in München. 1856 malt er ein Heiliges Grab für Karres bei Imst, 1857 Altarbilder für Terfens und Stans. Das Stift Wilten ist im Besitz seiner Porträts der Kaiserin Elisabeth („Sissi“) und ihres Mannes Franz Josef I. sowie des Abtes Alois I. Röggl, dem große Verdienste um das Tiroler Schulwesen sowie bei der Gründung des Ferdinandeums und der Innsbrucker Sparkasse zugeschrieben werden.

      

Zwei Gemälde des Kunstmalers Peter Rauth im Stift Wilten: der Wiltener Abt Alois Röggl und Kaiserin Elisabeth. Foto: Stift Wilten.

Von 1863 bis 1865 führt Peter Rauth seinen größten Auftrag in Tirol durch: er schmückt die Kirche seines Geburtsortes Rum mit großen Deckengemälden und zwei Altarblättern (die Deckengemälde wurden bei einer Kirchenrenovierung durch Gemälde von Wolfram Köberl ersetzt, die beiden Altarbilder wurden „gerettet“). In den folgenden Jahren arbeitet er in den Kirchen von Thiersee und Alpbach. Dann wohnt Peter Rauth in Kiefersfelden. 1870 erhält er einen Großauftrag in Schottland: in der Sacred Heart Church von Edinburgh malt er einen großen Kreuzweg auf 14 Tafeln mit jeweils 2×5 Metern, der erst vor wenigen Jahren renoviert wurde.9. 1877 lässt sich Peter Rauth in Heidelberg nieder und eröffnet eine gut gehende Werkstätte in der Sandgasse 4.

Spät gründet Peter Rauth eine eigene Familie, aus der eine weit verzweigte Nachkommenschaft hervorgeht: erst mit 60 Jahren heiratet er 1887 die 34 Jahre (!) jüngere Bertha Kuhn, eine Lehrertochter aus der Nähe von Heidelberg. Seine ehemalige Heimatgemeinde Rum erteilt dazu die nötige Erlaubnis. Das Ansuchen dazu begründet Peter Rauth u. a. damit: „Es ist für meine jetzigen Verhältnisse unbedingt notwendig, eine eigene Hausfrau zu haben; da ich ein bejahrter Mann bin, der nicht mehr allein unter fremden Leuten leben kann.“ Im darauffolgenden Jahr 1888 bekommt das Ehepaar einen Sohn Josef Rauth, der später Jurist in Dortmund wird und 1964 verstirbt. Dessen Sohn Dr. Dipl. chem. Gerhard Rauth, 1927-2020, hat mit seiner Frau Irene in Köln die Kinder Susanna Rauth (1958), Peter Rauth (1960), Christine Rauth (1964) und Hermann Rauth (1966). Dr. Gerhard Rauth geht 1965 zur Quarzwerke GmbH, wo er 1968 zum Geschäftsführer bestellt wird. Als Vertriebsleiter tritt er 1992 in den Ruhestand, am 24.9.2020 verstirbt er im hohen Alter von 92 Jahren

Peter Rauth, ein beachtlicher Künstler seiner Zeit, mit einem Vater aus Seefeld und einer Mutter aus Rum, beide aus bescheidensten kleinbäuerlichen Verhältnissen, stirbt mit 68 Jahren 1896 in Heidelberg. Seine (junge) Witwe bleibt vorerst in Heidelberg, übersiedelt im Alter aber zu ihrem Sohn nach Dortmund und verstirbt 1928 in Bochum10.

Der Vater des Künstlers Peter Rauth jun. (geb. 1828), Peter Rauth sen. (geb. 1790), ist bereits in jungen Jahren Witwer (siehe oben). Er verkauft 1843 sein kleines Bauerngut und zieht mit seinem Künstlersohn Peter Rauth jun. (siehe oben) nach Mils, wo er das „Gatterergut“ kauft (das 1898 abbrennen wird). Dort heiratet er 1843 in II. Ehe die Anna Dengg, geb. 1810, Tochter von Peter Dengg und Agnes Wurm. Aus dieser Ehe stammen die Töchter Anna Rauth (1844), Kreszenz Rauth (1845) und Gertraud Rauth (1850).

Der Großvater des Künstlers Peter Rauth jun. (geb. 1828), Johann Rauth (geb. 1747) heiratet nach dem Tod seiner ersten Frau Anna Zunterer im Jahr 1800 in II. Ehe 1802 die Anna Eiter aus Roppen. Diese II. Ehe bleibt-im Unterschied zur I. Ehe-kinderlos.

Auf Grund fehlender männlicher Nachkommen, die den Familiennamen Rauth weitergeben könnten, ist die Linie nach Johann Rauth (1707-1784) und Kunigunda Neuner (1706-1756) eine Generation nach ihnen beendet.

2. Josephus Rauth (1711-1783) und Apollonia Lusch

Josephus Rauth, 1711-1783, heiratet um 1745 in Seefeld die Apollonia Lusch aus Reith. Von diesen Eltern kommen zwar neun Kinder auf die Welt, aber (fast) alle sterben bereits kurz nach der Geburt oder als kleine Kinder. Nur zwei Kinder der Familie erreicht das Erwachsenenalter, schließen eine Ehe und gründen eine Familie. Dies ist neben Joseph Rauth geb.1763 (siehe unten) Maria Rauth, geb. 1752, die 1785 Alois Sailer ehelicht, Sohn von Simon Sailer und Regina Partl (siehe die Jagermartler-Saga im Jahrbuch 2017 oder auf dieser Homepage).

Eine weitere Seitenlinie der Seefelder Rauth nach Sebastian Rauth und Elisabeth Gruber, die dem Familiennamen nach allerdings ausgestorben ist. 

Joseph Rauth jun. (1763-1844) und Zäcilia Kluckner

Joseph Rauth jun. (1763-1844), übernimmt das Elternhaus in Unterseefeld Nr. 52, spätere Nr. 84. 1788 heiratet er die Zäcilia Kluckner aus Leutasch (geb. 1762 als Tochter von Karl Kluckner und Ursula Neuner).

Auch aus dieser Familie stammen zwar wie von den Eltern des Ehemannes viele Kinder (zwei Buben – beide mit Namen Simon, beide als Kleinkinder verstorben – und vier Mädchen), aber auch hier schließt nur eines von ihnen – eine Tochter – eine Ehe:

Theresia Rauth (1800-1873) und Georg Schwenninger (1794-1871), deren Nachkommen

Tochter Theresia Rauth (1800-1873) heiratet 1836 den Georg Schwenninger  (1794-1871, Sohn von Philipp Schwenninger aus Reith und der Maria Sailer).

Theresia Rauths inzwischen verwitweter Vater Joseph Rauth übergibt ihr anlässlich ihrer Eheschließung das Elternhaus Nr. 52 in Unterseefeld (heute Doppelhaus- hälfte Nr. 84 „s’Hoamatl“), das der Großvater Josef Rauth sen. noch kurz vor seinem Tod 1783 erbaut hat. Die andere Haushälfte (heute Nr. 85) wurde damals vom Neffen Johann Rauth (verheiratet mit Anna Zunterer, siehe oben) errichtet. Der Ehemann Georg Schwenninger zieht in das Haus der Braut, seither leben in diesem Haus nun die Nachkommen mit dem Familiennamen Schwenninger11

  •  Eine Tochter von Theresia Rauth und Georg Schwenninger, Josepha Schwenninger (1838-1923), heiratet 1875 den Kassian Rauth „Mugger Kassl“, ihre Cousine Franziska Schwenninger (geb. 1837) heiratet 1859 den Witwer Johann Rauth „Hartler“ (siehe dort), also den Onkel ihres Mannes. Wie man sieht, man bleibt gerne unter sich….
  • Ein Sohn, Mathias Schwenninger (1841–1905), der das Elternhaus übernimmt, heiratet 1876 Karolina Neuner, eine Tochter von Balthasar Neuner und Franziska Krug, den Begründern des „Hauser-Clans“.

→ Deren Sohn Josef Schwenninger (geb. 1879) wird erstmals „Noarz“ genannt, er heiratet 1906 die Kreszenz Seelos (geb. 1887), eine ledige Tochter der späteren „Gschlössler-Mutter“ Filomena Kuen geb. Seelos. Deren Bruder Silvester Neuner (1885 geb. Seelos[!], siehe die Gschlössler-Saga im Jahrbuch 2012) ist der Vater vom „Kortler“ Hans Neuner, dem legendären Scharnitzer Bürgermeister und langjährigen Lebensgefährten der 2018 verstorbenen dsmals ältesten Seefelder Gemeindebürgerin Maria Spieß geb. Rauth, siehe unten Kap. VII.3.b).

→ Ein weiterer Sohn, Mathias Schwenninger (1880- 1962), heiratet die Kreszenz Gapp, Tochter vom Michael Gapp und seiner Frau Anna Porta, Seehäuser 42, heute Leutascher Straße 66. Einer ihrer Brüder ist der „Tschurp“ Markus Gapp (geb. 1882), der das Elternhaus übernimmt, ein anderer Bruder der „Tschurpen Lois“ Alois Gapp (geb. 1876), der neben dem Elternhaus das große neue Haus Nr. 119 baut (siehe die Zunterer Saga im Jahrbuch 2011 und die Tschurpern-Saga im Jahrbuch 2015, beide Sagas auch auf dieser Homepage), und eine der Töchter ist Veronika Gapp (geb. 1889), die den Johann Seelos heiratet und die Mutter unseres Weltmeisters Toni Seelos ist.

Da Joseph Rauth jun. (geb. 1763) und Apollonia Lusch keine männlichen Nachkommen haben, die eine Familie gründen und dadurch den Familiennamen Rauth weitertradieren könnten, gibt es aus dieser Linie der Rauth in Seefeld keine weiteren Nachkommen mit dem Familiennamen Rauth.

 

3. Caspar Rauth (1723-1785) und Gertrud Kuen 

Caspar Rauth (1723-1785) heiratet die Seefelderin Gertrud Kuen, die in Pettnau geboren ist. Vielleicht zieht das Ehepaar deshalb nach Pettnau. Alle Indizien deuten darauf hin, dass Gertrud Kuen aus dem Seefelder „Gschlössler-Clan“ (Kuen) stammt. Auch der ältere Bruder von Caspar Rauth, Simon Rauth (siehe nächstes Kapitel), heiratet mit Magdalena Kuen eine Tochter aus derselben Familie.

Auch in dieser Seitenlinie der Seefelder Rauth nach Sebastian Rauth und Elisabeth Gruber, Caspar Rauth und Gertrud Kuen, finden sich zahlreiche interessante Personen und Familien, deren Nachkommen heute allerdings nicht mehr Rauth heißen. 

Caspar Rauth und Gertrud Kuen haben (zumindest) fünf Kinder, von Rosa Rauth (1749), Cunigundis Rauth (1757) und Augustinus Rauth (1762) wissen wir nichts Näheres, von den beiden anderen ist einiges bekannt:

a) Anasthasia Rauth (geb. 1754) und  Georg Schmid, deren Nachkommen

Anasthasia Rauth (geb. 1754), heiratet 1790 den Georg Schmid in Pettnau. Sie schenken dort zumindest zwei Kindern das Leben, Johannes P. Schmid (1795) und Maria Anna Schmid (1797).

Johannes P. Schmid zieht es wieder zurück in Geburtsort seines Großvaters Caspar Rauth: er heiratet 1832 in Seefeld die Elisabeth Kreiser „Duderer“12 (geb. 1798) und bewohnt mit ihr das Haus Nr. 51.

Der alte Gebäudkomplex der Häuser Nr. 50/51 an der Kreuzung Klosterstraße/Leutascher Straße: li. das Haus der Tuderer Lisl (heute Rauth Rainer), re. das stattliche Haus der Familie Heigl (heute Aloisia “Poppi“ Heigl). Foto: Familienarchiv Rauth.

Die Eltern von Elisabeth Kreiser sind Josef Kreiser (1744-1802) und Anna Gapp (1757-1827). Der Bruder von Elisabeth Kreiser, Johann Kreiser (geb. 1792), heiratet 1832 Kreszenz Rauth, eine Tochter vom „Hartler“ Bernhard Rauth (siehe unten Kap. V.). Die Ehepartner der beiden Kreiser-Geschwister haben somit einen gemeinsamen Urgroßvater, nämlich Sebastian Rauth (1684-1735).

Johannes Schmid und Elisabeth Kreiser schenken vier Kindern das Leben.

→ Von Tochter Kreszenz Schmid (1833) hören wir nichts mehr,

Ein Alt-Seefelder Original: Elisabeth Schmid, „Tudererliesl“. Foto: Familienarchiv Rauth.

→ die Söhne Peter Schmid (1838) und Josef Schmid (1839) ziehen ( zumindest für Jahrzehnte) von zu Hause weg (Partenkirchen bzw. Bairbach).

→Sohn Johann Schmid (geb. 1835) hingegen heiratet 1875 in Seefeld die Karolina Schöpf und übernimmt das Elternhaus.

Deren Tochter Elisabeth Schmid, noch alten  Seefeldern als „Tudererliesl“ bekannt, kommt 1876 auf die Welt, bleibt  ledig, ist eine sehr fromme Frau (macht große Wallfahrten) und übergibt das Haus an der alten Leutascher Straße mit der Nr. 51 an die Schneider-Familie Sigmund Rauth, die der alleinstehenden „Tudererliesl“ immer wieder helfend zur Seite stehen. Heute gehört das Haus Rainer Rauth, einem Enkel von Sigmund Rauth (siehe unten). Somit ist heute das Haus nach mehreren Generationen des „Umweges“ über die Schmid-Familien wieder in Händen des „Rauth-Clans“. Das an dieses Haus angebaute Haus Nr. 50, das größer und älter ist, steht seit Generationen im Eigentum der Familie Heigl (heute: „Poppi“ Aloisia Heigl, siehe unten).

 

b) Franziskus Rauth (geb. 1759), und Elisabeth Mühlegger

Franziskus Rauth (geb. 1759), heiratet 1782 in Pettnau die Elisabeth Mühlegger (auch „Milegger“ u.a.), eine Tochter von Augustinus Mühlegger und Anna Wegscheider.

Franziskus Rauth ist Holzknecht in Pettnau. Fünf Kinder kommen in Pettnau auf die Welt, als letztes Andreas Rauth (geb. 1787).

Die Familie zieht 1790 nach Seefeld, den Geburtsort des Vaters Caspar Rauth. Das Ehepaar mit den noch lebenden drei Kindern Anton Rauth, Andreas Rauth und Maria Rauth wohnt vorerst im „Zunterer Haus im Moos“ (damals Nr. 21, später „Urbeler“, heute „Hotel Elite“) wo zu dieser Zeit bereits drei (!) Witwer mit ihren Kindern leben: Martin Zunterer mit Anna Zunterer und Brigitta Zunterer, Johannes Hendl mit Crescentia Hendl und Josepha Hendl, Josephus Zunterer mit Catharina Zunterer, Theresia Zunterer, Maria Zunterer und Anna Zunterer.

Einige Zeit später Zieht die Familie von Franziskus Rauth nach Unterseefeld in die Doppelhaushälfte, die später Sohn Andreas Rauth übernehmen wird (s. u.). Hier folgen weitere vier Kinder, unter ihnen Theres Rauth (geb. 1795) und Olivia Rauth (geb. 1797). Einige dieser Kinder von Franziskus Rauth und Elisabeth Mühlegger begegnen uns später als Bewohner des Doppelhauses Nr. 52 und 52a in Unterseefeld wieder (heute Münchner Straße Nr. 84 und 85, „beim Noarz“ und „s’Hoamatl“ (neben dem „Jägerheim“):

  • Andreas Rauth (geb. 1787) besitzt ab cà 1824 die hintere Haushälfte des elterlichen Doppelhauses, der Vulgonamen lautet „Schwarz“. Bei ihm wohnen die inzwischen verwitwete Mutter Elisabeth Mühlegger und seine Schwester Theres Rauth (1795-1855). Andreas Rauth bleibt ledig und verstirbt 1870 mit 83 Jahren.
  • Theres Rauth (geb. 1795) hat zwei ledigen Kinder, Olivia Rauth (geb. 1819) und Maria Magdalena Rauth (geb. 1821):

→ Bei der Geburt von Olivia Rauth (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Schwester der Mutter, siehe unten!) ist vermerkt, dass sich Josef Klotz aus dem Seefelder Moosviertel als Vater bekennt. Er ist der 1793 geborene Sohn von Simon Klotz und Maria Rauth, einer Schwester von Bernhard Rauth („Hartler“). Seine Schwester Cäcilia Klotz (geb. 1796) heiratet 1820 zu Anton Sailer ins Nachbarhaus von Theres Rauth, später Heilbadstraße 87 . Ob Josef Klotz auch der Vater von Olivias Schwester Maria Magdalena Rauth ist, bleibt im Dunkeln: Josef Klotz verstirbt einige Wochen vor der Geburt von Maria Magdalena Rauth mit 26 Jahren. Damit ist die Mutter, Theres Rauth, allein mit ihren Kindern und ohne eine vielleicht in Aussicht genommene Ehe mit dem Vater der beiden Kinder. Sie bleibt ledig und verstirbt 1855 mit 60 Jahren.

→ Von Tochter Maria Magdalena Rauth ist nichts weiteres bekannt, Tochter Olivia Rauth heiratet den Josef Haslwanter (Sohn des Webermeisters Johann Haslwanter und der Elisabeth Markt) und verstirbt 1887 im Haus des Onkels Andreas Rauth, das ihr dieser noch zu seinen Lebzeiten übergeben hat.

Theres Rauth bleibt wie ihr älterer Bruder Andreas Rauth (siehe oben) ledig und verstirbt 1855 mit 60 Jahren, 15 Jahre vor ihrem Bruder.

  • Olivia Rauth (geb. 1797) heiratet 1817 den Seefelder Witwer Lorenz Haslwanter (1775-1854). Dieser ist in I. Ehe mit Katharina Kluckner (1780-1814) verheiratet. Von den 5 Kindern aus der ersten Ehe des Lorenz Haslwanter sterben drei bei der Geburt oder kurz danach, ein Sohn (Johann Haslwanter) wird mit 27 Jahren 1834 „tot gefunden“, die Mutter Katharina Kluckner stirbt zwei Wochen nach der Geburt ihres letzten, toten Kindes. Nur Sohn Joseph Haslwanter (Vulgoname „Schrott“), geb. 1806, „überlebt“, er heiratet 1829 die Theres Sailer (geb, 1801, Tochter von Johann Sailer und Maria Tiefenbrunner), er kauft 1831 das Haus Nr. 51 vom Eigentümer Peter Seyrling (das allerdings nicht von ihm, sondern von den Geschwistern Neurauter bewohnt wird, siehe unten bei Regina Rauth), das spätere Nr. 82 „Engelhart“ (heute Wohnanlage Karwendelweg).

Aus der Ehe von Olivia Rauth mit Lorenz Haslwanter stammen 10 Kinder, wobei drei Kinder tot auf die Welt kommen, bei der Geburt des letzten „Anonymus“ verstirbt auch die Mutter Olivia Rauth – sie trifft das gleiche Schicksal wie die 1. Frau von Lorenz Haslwanter, Katharina Kluckner (siehe oben). Drei weitere Kinder versterben sehr jung, bei zwei Kindern verliert sich die Spur. Das Ehepaar wohnt nun im Haus Nr. 46c, einer Doppelhaushälfte mit dem Nachbarn Peter „Grutzger“ Spieß (heute Münchner Straße 76, „Hotel Alpenhof“). Bei ihnen wohnt auch Olivia Rauths lediger Bruder Andreas Rauth, der hier 1870 verstirbt.

Von den vielen Kindern der  Olivia  Rauth mit ihrem Ehemann Lorenz Haslwanter können nur Sohn Martin Haslwanter („Schrott“), geb. 1817, und Tochter Petronilla Haslwanter, geb. 1818, eine Ehe schließen bzw. eine Familie gründen:

Martin Haslwanter, geb. 1817, Vulgoname „Schrott“, übernimmt das Elternhaus Nr. 76 und heiratet die 1819 in Scharnitz geborene Maria Pantoi, die allerdings bereits 1850 verstirbt. In II. Ehe heiratet Martin Haslwanter die ebenfalls aus Scharnitz stammende Maria Leismüller.

Petronilla Haslwanter (1818-1893), heiratet 1845 zu Josef Leismüller nach Scharnitz und gründet mit ihm dort eine Familie. Sohn Anton Leismüller (1846) übernimmt später das Elternhaus und heiratet die Maria Neuner, Tochter Regina Leismüller (1849) heiratet nach Zirl, Karolina Leismüller (1850) den Mathias Scharmer, Maria Leismüller (1853) den Johann Neuner, und  Katharina Leismüller (1857), sie hat hat einen Sohn Alfred Leismüller.

Franziscus Rauth verstirbt 1817 „zu Stams“, seine Frau Elisabeth Mühlegger 1831 bei ihren Kindern Andreas Rauth und Theres Rauth im Haus Nr. 52a (siehe oben) in Seefeld. Da sie in Seefeld keine männlichen Enkel hinterlassen, ist damit auch diese Linie des Familiennamens Rauth beendet.

 

IV. Simon Rauth (1720-1787) und Magdalena Kuen (1727-1778)

Simon Rauth heiratet 1751 die Magdalena Kuen (auch: Kien, 1727-1778). Sie bilden die dritte bekannte Rauth-Generation in Seefeld.

Die Eltern von Magdalena Kuen sind Georg Kuen aus dem „Gschlössler-Clan“ und seine zweite Frau Elisabeth Gschwantner (siehe die „Gschlössler Saga“ im Jahrbuch 2012 oder auf dieser Homepage). Simon Rauth wird 67 Jahre alt, seine Frau Magdalena Kuen 50 Jahre. Simon Rauth lebt fast 10 Jahre lang als Witwer.

Simon Rauth ist der erste Rauth, auf den wir in einem Verzeichnis der Seefelder Feuerstätten stoßen. Er ist wahrscheinlich der erste Rauth in Seefeld mit einem eigenen Haus, es ist ein Hausteil in Unterseefeld, wo auch Max Gapp, Johann Seyrling und Agatha Rofnerin wohnen. An dieser Stelle steht heute der alte Hauskomplex neben dem „Seefelderhof“ an der Münchner Straße, Nr. 72/73/74.

Eines der ältesten in Seefeld noch erhaltenen Häuser, Münchner Straße 72/73/74, ehemals „Malauner Haus“. Hier wohnte vor 250 Jahren Simon Rauth mit seiner Familie, u.a. mit  ihnem ihr Sohn Bernhard Rauth und seinen Kindern aus der ersten Ehe mit Nothburga Egger und den Kindern aus seiner zweiten Ehe mit Elisabeth Haslwanter. Johannes Rauth übernimmt das Haus als „Hartler“, und Bruder Thomas Rauth zieht – nach einer kurzen Zwischenphase beim „Mugger“ – in das neu erbaute Haus am anderen Ortsende von Seefeld (Innsbrucker Straße Nr. 5).  Foto: Neuner, Aufnahme 2014

In alten Schriften wird dieses Anwesen als „Malaunerischer Hof“ bezeichnet, es dürfte sich um eines der zwei ältesten Anwesen in Unterseefeld handeln. Dieser Ortsteil gehört noch längere Zeit wie Scharnitz kirchlich zur Pfarre Mittenwald und damit zur Diözese Freising, wenngleich die seelsorgliche Betreuung auf Grund der geographischen Verhältnisse von Seefeld aus erfolgt. In den Kirchenbüchern von Seefeld aus jener Zeit findet man deshalb bei Personenangaben von Unterseefeldern (bei Hochzeiten, Taufen etc.) häufig den Zusatz „aus der Pfarre Mittenwald“ oder „aus Scharnitz“, und zur Firmung werden die kleinen Kinder (damals wurde im Kleinkindalter gefirmt) nach Mittenwald gebracht.

Die Kinder von Simon Rauth und Magdalena Kuen sind:

  • Barbara Rauth, geb. 1751, heiratet 1778 den Jacob Sailer, Urgroßeltern vom „Jagermartl“ Josef Sailer. Siehe unten Pkt. 1.
  • Joannes Rauth, geb. 1753, verstirbt bereits 1755 mit 1 ½ Jahren.
  • Maria Rauth, geb. 1755, heiratet 1780 den Simon Klotz. Siehe unten Pkt. 2.
  • Apollonia Rauth, geb. 1758, verstirbt mit 10 Jahren 1768.
  • Mathias Rauth, geb. 1760.
  • BERNHARD RAUTH, geb. 1761, heiratet 1783 in I. Ehe Nothburg Egger und in II. Ehe 1798 Elisabeth Haslwanter, Stammhalter. Siehe das nächste Kapitel Pkt. V.
  • Georgius Rauth, (1764-1829), heiratet cà 1802 die Katharina Diepold. Siehe unten Pkt. 3.
  • Franziscus Rauth, geb. 1768.

 

1. Barbara Rauth (geb. 1751-1798) und Jacob Sailer (1752-1825)

Barbara Rauth (geb. 1751-1798) heiratet 1778 den Jacob Sailer (1752-1825), Sohn von Franziscus Sailer (1717-1757) und Maria Nöbl (geb. 1720). Sie zeugen 5 Kinder. Unter diesen ist Michael Sailer, geboren 1784, zuerst Weber, später Ölbrenner (siehe die Jagermartler-Saga im Jahrbuch 2017).

Michael Sailer heiratet im sowohl für unser ganzes Land als auch den kleinen Ort Seefeld dramatischen Kriegsjahr 1809 die  23jährige  Katharina  Wörndle aus der bekannten Jäger-Familie mit ihren Seefelder und  Mittenwalder Wurzeln. Diese Eheleute sind die Urgroßeltern des 1854 geborenen legendären „Jagermartl“ Josef Sailer. Dieser ist Bauer, Frächter und Steinölbrenner in Unterseefeld 69, dem Haus, das sein Vater Martin Sailer (von ihm stammt der Vulgonamen „Jagermartl“) gebaut hat. Aus seinen zwei Ehen mit Magdalena Hiltpolt (Eheschließung 1880) und Berta Schatz (Eheschließung 1898) stammen insgesamt 17 Kinder, von denen 12 eine Ehe schließen und eine weit verbreitete Nachkommenschaft in Seefeld hinterlassen.

2. Maria Rauth (1755-1825) und Simon Klotz (1755-1828)

Maria Rauth (1755-1825) heiratet 1780 den Simon Klotz (1755-1828), Sohn von Georg Klotz und Gertrud Gapp. Von den drei Kindern sind zwei für die Seefelder Familien- und Dorfgeschichte interessant:

a) Georg Klotz (geb. 1784) und Anna Gapp (1782-1818)

Georg Klotz (geb. 1784) heiratet 1814 die Anna Gapp (1782-1818). Sowohl die Tochter Anna Katharina Gapp (geb. 1808), die Anna Gapp in die Ehe mitbringt, als auch deren gemeinsame Tochter Magdalena Klotz (geb. 1815) sind erwähnenswert:

  • Die außereheliche Tochter Anna Katharina Gapp (geb. 1808) wird 1837 den „Hartler“ Johann Rauth (geb. 1803) heiraten, den Sohn des Begründers der Hartler-Linie Bernhard Rauth (siehe unten Kap. VII. Pkt. 1).
  • Die eheliche Tochter Magdalena Klotz (geb. 1815) erbt beim Tod des Vaters Georg Klotz 1837 das Haus, das dieser 1827 neu errichtet hat. Dieses Haus mit der Nr. 91 stand bis vor einigen Jahren in der Heilbadstraße neben dem neuen „Haus Berlanda“ und gehörte der Familie Rofner. Magdalena Klotz heiratet 1847 den Michael Zunterer. Deren Sohn Martin Zunterer (geb. 1851) zieht ins Dorf (Haus Nr. 22, heute „Schmuckkastl“), und wird der Stammvater der heutigen „Zeirer“ (Familienname Kuen) in Seefeld (siehe die „Zunterer Saga“ im Jahrbuch 2011 oder auf dieser Homepage). Die verwitwete Mutter Magdalena Klotz (ihr Mann Michael Zunterer ist bereits 1853 mit 33 Jahren verstorben) zieht zu ihrem Sohn ins Dorf, das Haus in der Heilbadstraße wird veräußert. 

b) Gregor Klotz (geb. 1798) und Rosina Randl

Gregor Klotz (geb. 1798) heiratet 1823 die Rosina Randl aus Leermos. Ihr Sohn Josef Klotz (geb. 1835), heiratet 1875 die Müllerstochter Johanna Nagl, als Erbtochter Besitzerin der uralten Mühle in Unterseefeld.

  • Deren Sohn Franz Klotz (geb. 1879) heiratet 1911 die Kreszenz Neuner aus Oberleutasch und betreibt weiterhin die Mühle „beim Gorler“ (dieser Vulgoname geht vermutlich auf dessen Vater Gregor Klotz zurück) und errichtet neben der Mühle ein „Badhaus“, aus dem später das „Kurhotel“ entstehen sollte.
  • Ein anderer Sohn, Josef Klotz (geb. 1880), heiratet 1910 die Münchnerin Maria Primavista und kauft von Anton Sailer das Haus Nr. 87 in der Heilbadstraße, das Nachbarhaus von Onkel Georg Klotz (siehe oben). Der Verkäufer Anton Sailer ist ein Nachkomme von Simon Klotz und Maria Rauth, der Urgroßeltern des Käufers Josef Klotz. Also bleibt man nicht nur beim Heiraten, sondern auch beim Liegenschaftsverkehr innerhalb der Familie!

3. Georg Rauth (1764-1829) und Katharina Diepold (1764–1837)

Georg Rauth (1764-1829) heiratet cà 1802 die Katharina Diepold (1764–1837) und zieht mit ihr und dem neugeborenen Sohn Thomas Rauth (1803-1878) nach Ober-Grainau Nr. 6 in Bayern. Thomas Rauth heiratet 1831 die Maria Ortler (1806-1878) aus Grainau. Georg Rauth stirbt 1829 in Grainau.

 

Die Dorfeinfahrt Seefeld von Süden vor 100 Jahren und 2014. Die ehemalige „Schiffgasse“ heißt heute Innsbrucker Straße. Wie in Unterseefeld (siehe oben) gab es auch hier ein kleines „Rauth-Viertel“. Das Haus Nr. 4 (heute „Landhaus Neuner“, hinter dem Baum auf der linken Straßenseite) war damals das Doppelhaus Nr. 4/5. Hier hat sich um 1830 Thomas Raut „Mugger“ niedergelassen. Sein Sohn Andreas Rauth heiratet 1875 ins heutige „Haus Andreas“ Nr.2. Zwischen diesen beiden Häusern auf der linken Straßenseite stand das große Haus Nr. 100 der Forstverwaltung (heute Abzweigung der Umfahrungsstraße nach Mösern/Leutasch). Gegenüber auf der rechten Straßenseite stand das Bauernhaus der Familie Gapp, heute Wellnesshotel „Bergland“. Alte Ansichtskarte (oben), unten: Aufnahme 2014 (Neuner).

V. Bernhard Rauth (1761-1832) und Nothburga Egger (1756-1798) bzw. Elisabeth Haslwanter

Bernhard Rauth (1761-1832), der „Hartl“ genannt wird, der Sohn von Simon Rauth (1720-1787) und Magdalena Kuen (1727-1778),heiratet in I. Ehe 1783 die Nothburga Egger (1756-1798) aus Oberhofen. Ihre Eltern sind Matthias Egger und Elisabeth Mayer.

Kinder aus dieser Ehe sind:

  • Thomas Rauth, 1784-1797,
  • Anna Rauth, geb. 1785, heiratet und zieht von Seefeld weg.
  • Peter Rauth, 1787-1788.
  • Mechtild Rauth, geb. 1789, heiratet 1823 in Unterleutasch den Taglöhner Michael Obermayr, Sohn von Martin Obermayr und Maria Diechtl.
  • Maria Rauth, geb. 1791.
  • Nikolaus Rauth, geb. 1793, heiratet und zieht von Seefeld weg.
  • Mathäus Rauth, 1796-1797.

In II. Ehe heiratet er 1798 die Elisabeth Haslwanter (1769-1838) aus Scharnitz, Tochter von Jakob Haslwanter und Maria Leitner. Die Eheleute verbringen gemeinsam 34 Ehejahre ehe Bernhard Rauth 1832 verstirbt. Seine Frau lebt noch weitere 6 Jahre als Witwe.

Die Familie wohnt in einem von Bernhard Rauth oder bereits von seinem Vater Simon Rauth neu errichteten Zubau zum sogenannten, bereits zu dieser Zeit sehr alten „Malaunerischen Haus“ Nr. 45, heute Münchner Straße 72/73/74. Unvorstellbar aus heutiger Sicht: in diesem Doppel- bzw. Dreifachhaus wohnen 1820 insgesamt vier (!) Familien (Rauth, Wörndle, Gapp und Haslwanter) mit 15 Erwachsenen und 7 Kindern, also insgesamt 22 Personen13.

Aus der II. Ehe von Bernhard Rauth mit Elisabeth Haslwanter stammen (ebenso wie bereits aus der ersten Ehe) sieben Kinder, vier Buben und drei Mädchen:

  • THOMAS RAUTH, (1799-1876), heiratet 1829 die Elisabeth Tiefenbrunner „Mugger“. Siehe nächstes Kapitel VI.
  • Magdalena Rauth (geb. 1801), verehelicht in Hall. 
  • JOHANNES BAPT. RAUTH (1803-1868), Hartler“, heiratet 1837 die Anna Katharina Gapp und in II. Ehe 1859 die Franziska Schwenninger. Siehe übernächstes Kapitel VII.
  • Kreszenz Rauth (1805-1859), heiratet 1832 den Johann Kreiser. Er ist der Sohn von Josef Kreiser (1744-1802) und Anna Gapp (1757-1827). Sieben Jahre nach der Eheschließung mit Kreszenz Rauth im Jahr 1839 kauft er von den Erben nach Josef Nöbl die Doppelhaushälfte Nr. 39a (heute „Sternresidenz“, Hohe- Munde-Straße 61), in dem die verwitwete Mutter Anna geb. Gapp bis zu ihrem Tod 1827 als „Insass“ gewohnt hat.

Kreszenz Rauth hat bereits vor ihrer Eheschließung mit Johann Kreiser im Jahr 1832 eine außereheliche Tochter Regina Rauth (geb. 1829), zu deren Vater sich Leopold Neurauter bekennt. Dieser ist 1791 in Seefeld geboren und verstirbt 1863. Seine Eltern sind Christian Neurauter aus Längenfeld und Franziska Draxl aus Seefeld.

Regina Rauth wird Dienstmagd beim „Stern-Wirt“ (HNr. 62). Sie bleibt ledig, hat aber einen Sohn Alois Rauth (1852-1920), der 1887 in Kufstein die Agatha Vochezer (geb. 1867 in Hindelang) heiratet und nach Hötting zieht. 1899 kommt deren Tochter Serafina Rauth auf die Welt. Diese heiratet 1932 den 32jährigen Karl Pfeifer aus Meran.

Die ledig gebliebene Mutter Regina Rauth zieht zur Familie ihres Sohnes Alois Rauth nach Hötting und verstirbt dort hochbetagt 1920. Ein halbes Jahr später verstirbt ihr Sohn Alois Rauth.

Neben Regina Rauth, die Kreszenz Rauth mit in die Ehe bringt, hat sie mit ihrem Ehemann Johann Kreiser sechs eheliche Kinder: Karolina Kreiser (1833), Maria Kreiser (1835), Josef Kreiser (1837), Judith Kreiser (1839+), Johann Kreiser (1842), und Judith Kreiser (1845).

Der Ehemann Johann Kreiser verunglückt 1846 mit 54 Jahren im Sillfluss und wird in Pradl begraben. Seine hinterlassene Witwe Kreszenz Kreiser geb. Rauth verstirbt 1859, ebenfalls mit 54 Jahren.

  • Elisabeth Rauth (geb. 1807). 1833 kommt ihre Tochter Kreszenz Rauth auf die Welt, als Vater bekennt sich vor Zeugen der Corporal Ernst Antretter. Taufpatin ist die ältere Schwester Kreszenz Rauth. 
  • Georg Rauth (geb. 1809), jung verstorben.
  • Engelbert Rauth (1811-1812).

Die Söhne Thomas Rauth (1799-1876), und Johann Rauth (1803-1868) begründen durch ihre Eheschließungen und ihre Kinder die nächsten Rauth- Generationen in Seefeld mit den Vulgonamen „Mugger“ bzw. „Hartler“:

Thomas Rauth wird durch die Heirat mit der Tiefenbrunner-Tochter Elisabeth statt mit seinem „väterlichen“ Hausnamen „Hartler“ fortan mit dem Hausnamen der Familie seiner Frau gerufen und damit deren Hausnamen „Mugger“ seinen Nachkommen mit dem Familiennamen Rauth (7 Kinder, alles Buben) mitgeben. (siehe nächstes Kapitel).

⇒ Johann Rauth wird den Vulgonamen „Hartler“ (abgeleitet vom Vornamen Bernhard des Vaters), weitergeben, den seine Nachkommen aus der Ehe mit Anna Katharina Gapp bis auf den heutigen Tag tragen (siehe übernächstes Kapitel).

Die Seefelder Rauth bis zu ihrer Trennung in die beiden heute noch existierenden Linien: die „Mugger“ nach Thomas Rauth und Elisabeth Tiefenbrunner, und die „Hartler“ nach Johann Rauth und Anna Katharina Gapp. 

Zwischenbilanz:

Aus der bisher dargelegten Familienchronik der Rauth in Seefeld lässt sich folgendes Zwischenergebnis festhalten:

→ Trotz der zahlreichen Kinder und deren Kindeskinder in den bisher dargestellten Rauth-Generationen lassen sich alle heute in Seefeld lebenden Rauth Familien, die sich auf die Seefelder Stammeltern Michael Rauth und Maria Gapp Ende des 17. Jh. berufen können, entweder auf den „Hartler“ Johann Rauth oder den „Mugger“ Thomas Rauth zurückführen. Dazugekommen ist die Rauth-Linie nach Sigfried Rauth. Alle anderen „Rauth-Linien“ in Seefeld sind inzwischen (dem Familiennamen nach) erloschen.

→ Neben den bisher dargestellten ersten Rauth-Generationen in Seefeld gibt es zahlreiche Nachkommen außerhalb von Seefeld: sie leben z. B. in Mils, Zirl und Reith, aber auch wieder in Leutasch, wo die Seefelder Rauth ursprünglich herkommen. Weiters in Krün, Mittenwald und Grainau in Bayern. Direkte Nachkommen sowohl der Seefelder Rauth als auch der Stammeltern in Leutasch gibt es darüber hinaus auch in Deutschland, im Sudetenland, im Banat, in der Ukraine und in vielen anderen Orten der Welt, auch in Übersee. Der karge Boden der Heimat „schickte“ eben Nachkommen auch vieler Rauth-Familien in die Welt hinaus.

→ Außerdem ist wichtig festzuhalten, dass während der vergangenen Jahrhunderte immer wieder Träger des Familiennamens Rauth in Seefeld ansässig sind, die keine Vorfahren und keine heute lebenden Nachkommen in Seefeld haben. Ein Beispiel dafür ist der Pächter des ehemaligen „Bierwirtes“ in Seefeld (später das „Lamm“ im Ortszentrum, heute „fall in love“) Josef Rauth (geb. 1837 in Leutasch, verst. 1902 in Unterseefeld), der 1877 in Leutasch die Aloisia Mayr heiratet und nach Seefeld zieht. Vielleicht wird aus dem Anlass dieser Hochzeit eine bedeutende historische Aufnahme des damaligen Gasthofes im Festtagsschmuck im Seefelder Ortszentrum angefertigt??14.

Das alte ehemalige Seefelder Traditionsgasthaus „Zum Lamm“ (heute „Alpenhotel…fall in love“) im Festtagsschmuck, das eine Zeit lang von einer Rauth-Familie aus Leutasch geführt wurde. Im Vordergrund rechts an der Stelle des heutigen Dorfplatzes die Holtzbrücke über den Seebach, der damals noch offen durchs Dorf fließt. Repro aus: Voelk, Seefeld in alten Ansichten.

VI. Die „Mugger“ als Zweig des Seefelder Rauth-Clans

1. Thomas Rauth (1799-1876) und Elisabeth Tiefenbrunner (1805-1883)

Der erste Rauth mit dem Vulgonamen „Mugger“ ist Thomas Rauth (1799-1876). Er gehört zur 5. bekannten Rauth-Generation in Seefeld und stammt aus dem „Malaunerischen Haus“ seiner Eltern beim „Lugenbankl“15 in Unterseefeld, damals HNr. 45b, heute HNr. 72/73/74. Er ist das älteste von 7 Kindern aus der zweiten Ehe seines Vaters Bernhard Rauth (1761-1832) mit Elisabeth Haslwanter (1783-1838).

Auf Thomas Rauth gehen die späteren Mugger-Linien der Rauth von

  • Kassian Rauth, „Mugger Kassl“ (geb. 1838) und von
  • Andreas Rauth, „Mugger Ander sen.“ (geb. 1849) zurück.

Während aus der Linie nach „Mugger Kassl“ heute keine Nachkommen mit dem Familiennamen Rauth mehr in Seefeld vorhanden sind, leben Namensträger mit dem Familiennamen Rauth nach „Mugger Ander sen.“ zuerst in drei Linien weiter. Heute gibt es nach dem Erlöschen der Linie nach „Mugger Ander jun.“ (geb. 1879) noch Nachkommen von zwei Mugger Linien mit dem Familiennamen Rauth in Seefeld, und zwar jene von

  • Oswald Rauth, „Mugger Oswald“ (geb. 1881, siehe unten Pkt. VI.3.) und von
  • Sigmund Rauth, „Schneider Sigl“ (geb. 1882, siehe unten Pkt. VI.4.).

Thomas Rauth heiratet 1829 hinauf zur Elisabeth Tiefenbrunner (1805-1883) vom „Mugger“ in Unterseefeld oberhalb des heutigen Karwendelweges . Sie ist die älteste Tochter von Bartlmä Tiefenbrunner (1773-1854) und dessen Frau Anna Mayr (cà 1779-1823), einer Witwe aus Scharnitz, Eheschließung 1804.

Elisabeth Tiefenbrunner hat neun jüngere Geschwister, bei ihrer Eheschließung leben aber nur mehr drei: der 23-jährige Johann Tiefenbrunner (verstirbt ledig 1878), die 20-jährige Maria Tiefenbrunner (verstirbt ledig 1855), und der 11-jährige Martin Tiefenbrunner, der spätere Stammvater aller „Tiefenbrunner-Mugger“, der 1852 die Maria Anna Klieber heiraten wird (siehe die Tiefenbrunner-Saga).

Die Mutter von Elisabeth Tiefenbrunner, Anna geb. Mayr, ist bereits 1823 mit nur 44 Jahren „an Faulfieber“ verstorben, nachdem sie in den knapp 20 Ehejahren neun Kinder auf die Welt gebracht hat.

Zuerst wohnen die Eheleute Thomas Rauth und Elisabeth Tiefenbrunner noch im Elternhaus der Frau, vielleicht deshalb, weil das zukünftige Haus noch nicht bezugsfertig ist aber trotzdem geheiratet werden soll (der erste Sohn Josef Rauth ist bei der Eheschließung bereits eineinhalb Monate alt). Kurze Zeit später leben sie dann im Haus Nr. 5, einem Doppelhaus mit Nr.4 des Alois Klotz „Kaltenbrunner“ in der heutigen Innsbrucker Straße, sie nehmen den Vulgonamen „Mugger“ der Frau mit. Später nennt man das Haus nach dem Sohn Kassian Rauth „beim Mugger Kassl“.

Die drei Söhne des ersten „Rauth-Muggers“ Thomas Rauth, die eine Familie gründen. Rauth-Nachkommen von Sohn Andreas Rauth führen auch heute noch in Seefeld den Vulgonamen „Mugger“. 

Alle sieben Kinder aus der Ehe von Thomas Rauth und Elisabeth Tiefenbrunner sind:

  • JOSEF RAUTH, 1829-1891, heiratet 1868 die Anna Öfner, siehe unten Pkt. VI. 2 a).
  • Johann Rauth, geb. 1831. Keine weiteren Informationen vorhanden.
  • Alois Rauth, 1833-1907, Taglöhner, verstirbt ledig im Elternhaus Innsbrucker Straße 5 mit 74 Jahren.
  • Andreas Rauth, 1835-1838.
  • KASSIAN RAUTH, 1838-1915, “Mugger Kassl”, heiratet 1875 die Josefa Schwenninger, siehe unten Pkt. VI.2 b).
  • ANDREAS RAUTH, 1840-1894, „Mugger Ander sen.“, „nachgetauft”, heiratet 1875 die Maria Schöpf, siehe unten Pkt. VI. 2 c).
  • Peter Rauth, geb. 1842, ledig verstorben 1863.

Von drei der sieben Kinder ist eine Eheschließung bekannt, jene von Josef Rauth bleibt kinderlos. Die anderen vier Geschwister bleiben entweder ledig, versterben früh, von einem wissen wir nichts Genaueres.

2. Josef (1829-1891),  Kassian (1838-1915) und Andreas Rauth (1840-1894)

a) Josef Rauth (1829-1891) und Anna Öfner

Josef Rauth wird zuerst wie sein Onkel Martin Tiefenbrunner Maurer und später wie der verstorbene Schwiegervater Franz Öfner Wegmacher. Er heiratet 1868 mit fast 40 Jahren die um 5 Jahre ältere Anna Öfner (1823-1910), Tochter des Wegmachers Franz Öfner (1795-1830) und der Victoria Sailer (1795-1879) im Haus Nr. 89 in Unterseefeld (heute „Schlossberg“). Dieses Haus hat Franz Öfner 1823/24 gebaut.

Anna Öfners Vater Franz Öfner stammt aus Zirl und ist der Sohn von Johann Öfner und Maria Plauer. Ihre Mutter Victoria Sailer ist die Tochter der Seefelder Eheleute Oswald Sailer und Maria Spiegl. Zum Zeitpunkt der Eheschließung der Tochter Anna Öfner lebt der Vater Franz Öfner schon lange nicht mehr. Anna Öfners Schwester Katharina Öfner (geb. 1826) verstirbt 1849, der 1829 geborene Bruder Josef Öfner verstirbt als lediger Tischler ein Jahr vor Anna Öfners Eheschließung 1867.

Der ehemalige „Gasthof zum Schlossberg“, an dessen Stelle der Wegmacher Franz Öfner 1823 ein neues Haus gebaut hat, zu dessen Erbtochter Anna Öfner 1868 der „Mugger“ Josef Rauth eingeheiratet hat.  Alte Ansichtskarte, Privatsammlung.

Im Elternhaus von Anna Öfner ist außer ihr also nur mehr die verwitwete Mutter Victoria „Dora“ Sailer. Diese ist (nach Alberta Kuen+) eine sehr fromme Frau und besucht täglich den Gottesdienst in der Pfarrkirche. Als dies altersbedingt immer beschwerlicher wird, lässt sie sich (vermutlich vom Schwiegersohn Josef Rauth, der ja Maurer ist) vor dem Haus die noch heute existierende Kapelle bauen. Dort soll sie bis zu ihrem Tod 1879 stundenlang ihre Gebete verrichtet haben. Nach ihrem Tod übernimmt die Tochter Anna Öfner, inzwischen verehelicht mit Josef Rauth, als Alleinerbin die gesamte Hinterlassenschaft.

Die (heute schön restaurierte) kleine Kapelle vor dem Heimathaus von Dora Salier an der heutigen Münchner Straße, vor der sie stundenlang ihre Andacht verrichtete. Foto Neuner 2011.

Die Ehe von Josef Rauth und Anna Öfner bleibt kinderlos. Josef Rauth verstirbt 1891 und hinterlässt seine Frau Anna Öfner als Witwe und Erbin. Diese stirbt fast 20 Jahre später im Jahr 1910 allerdings nicht mehr zu Hause, sondern im Haus Nr. 98 im „Seedörfl“ an der heutigen Möserer Straße (das Haus existiert heute nicht mehr, die Hausnummer wurde anderweitig vergeben).

 

b) Kassian Rauth (1838-1915) „Mugger Kassl“, und Josefa Schwenninger (1838-1923)

Kassian Rauth übernimmt das Elternhaus Nr. 5 in der heutigen Innsbrucker Straße, das heute nicht mehr steht. Das Doppelhaus beim „Lias“ Nr. 4/5 wurde am 19.9.1933 „warm abgetragen“: der Vollbrand des Hauses und seine (gerichtlichen) Folgen werden ab und zu auch heute noch in Seefeld erzählt16, die Hausnummerntafel „5“ prangt heute auf einem Neubau am Kalkkögelweg (Familie Renate und Martin Hohenegger).

Hinter den spielenden Kindern (vermutlich Gottfried Heis mit seiner Cousine Resi) das ehemalige Doppelhaus Innsbrucker Straße Nr. 4/5. Die von Thomas Rauth erworbene und später von Kassian Rauth bewohnte Doppelhaushälfte Nr. 5 ist 1933 abgebrannt.  Foto: Familienarchiv Heis.

Kassian Rauth heiratet im gleichen Jahr wie sein Bruder Andreas Rauth (siehe unten) 1875 die Josefa Schwenninger (1838-1923) im Haus Nr. 52 (heute Nr. 84), eine Tochter von Georg Schwenninger und dessen Frau Theresia Rauth, Eheschließung 1836.

Kassian Rauth und seine Frau Josefa Schwenninger sind (entfernt) miteinander verwandt, die Urgroßväter sind Geschwister:

⇒ Die Mutter von Josefa Schwenninger ist Theres geb. Rauth (1800-1873), deren Vater ist Josef Rauth (1763-1844), der Großvater Josef Rauth (1711-1783).

⇒ Der Vater von Kassian Rauth ist Thomas Rauth (1799-1876), dessen Vater ist Bernhard Rauth (1761-1832), der Großvater Simon Rauth (1720-1787).

⇒ Josef Rauth und Simon Rauth sind Geschwister (siehe deren Familiengeschichte oben).

Kassian Rauth. Sterbebild.

Josefa geb. Schwenninger. Sterbebild.

Kassian Rauth und Josefa Schwenninger haben gemeinsam acht Kinder:

  • Josef Rauth, 1869–1914, ist von Beruf Sattler und Bergarbeiter bzw. Betriebsaufseher.  Seine Frau Antonia Brunner ist bis zu ihrer Eheschließung  1910 Hausmagd, sie stammt aus Barbian in Südtirol, wo sie 1880 als Tochter von Josef Brunner und Anna Profanter auf die Welt kommt. Josef Rauth scheidet bereits vier Jahre nach der Eheschließung auf tragische Weise aus dem Leben.
  • Anna Rauth, 1871–1937, wird Hebamme in Seefeld. Sie lernt Nikolaus Norz kennen,  einen 1854 geborenen Knecht aus Leithen im Dienst auf dem Bauernhof an der Stelle des späteren Seefelder Schulhauses bzw. Gemeindeamtes (heute Kurpark). Sie heiraten 1902 (siehe die Norz-Saga im Jahrbuch 2019).

Die Eltern von Nikolaus Norz in Leithen sind Martin Norz und Cordula Nairz. Nikolaus Norz erwirbt auf Leibrente das Haus der Witwe des ehemaligen Schneiders Josef Zunterer17 mit der HNr. 77 (heute „Schneider Hof“), Doppelhaushälfte mit HNr. 78 (heute „Haus Spiegel“ am Wasserfallweg beim „Seefelder Hof“) und übernimmt den Vulgonamen „Schneider“ des Vorbesitzers.

Die Söhne von Anna Rauth und Nikolaus Norz, Johann Norz („Schneider Hans“, geb. 1903, Bauer, Bürgermeister, Waldhüter, Raika-Obmann…) und Paul Norz (geb. 1905, Taxi- und Busunternehmer) und deren Nachkommen tragen somit in ihrem „historischen Rucksack“ sowohl die „Rauth- Gene“ (mütterlicherseits) als auch die Seefelder Zunterer-Tradition (Übernahme des Zunterer-Hauses und des Vulgonamens „Schneider“).

Von einem „Findelkind“ Hildegard bei der Familie von Anna Rauth und Nikolaus Norz, das 1907 getauft wird, hören wir später nichts mehr.

Die Seefelder Hebamme Anna Rauth, Tochter von Kassian Rauth und Josefa geb. Schmenninger, mit ihrem Ehemann Nikolaus Norz und den Kindern Johann Norz („Schneider Hans“) und Paul Norz. Foto: Familienarchiv Norz.

  • Martin Rauth, 1875–1877.
  • Filomena Rauth, geb. 1876, heiratet als Dienstmagd 1913 in Wilten den Mathias Purok in Reith. Die Ehe bleibt kinderlos.

Allerdings bringt Filomena Rauth bereits einen Sohn Erich Rauth (geb. 1908) mit in die Ehe, der sich1930 mit Antonia Zimmermann (1910–1935, Tochter der Axamer Bauersleute Josef Zimmermann und Anna Jordan) verehelicht. Kinder: Oswald Rauth (geb. 1931, verh. mit Irmgard Dekol, wohnhaft in Hard bei Bregenz), und Theresia Rauth (geb. 1933, verh. mit Maximilian Auffinger in Sistrans).

Erich Rauths Ehefrau Antonia geb. Zimmermann verstirbt bereits mit 25 Jahren nach nur 5 Ehejahren. In II. Ehe heiratet er Maria Hofer aus Götzens. Die Kinder aus dieser zweiten Ehe des Erich Rauth sind Maria Rauth (1938–1996, verh. mit Josef Zangerl in Götzens) und Herta Rauth (1941–1951). Die Familie trifft es hart: zuerst verstirbt Erich Rauths erste Frau und Mutter zweier Kinder mit 25 Jahren, dann hinterlässt er selbst seine zweite Frau Maria geb. Hofer als junge Witwe: er kommt mit 36 Jahren 1944 im II. Weltkrieg in Jugoslawien um.

  • Maria Rauth, geb. 1878, heiratet 1902 den Ingenieur Alois Drexel (1870-1935), Sohn von Kaspar Drexel (1842-1900) und der Marianna Rüdisser (1844-1934) aus Hohenems (Eheschließung 1870). Alois Drexel ist Ingenieur beim Bau der Karwendelbahn und wohnt im Hotel Klosterbräu, hier lernt er seine Frau Maria Rauth kennen, die im Klosterbräu kocht.

Auch Maria Rauth bringt bereits einen Sohn mit in die Ehe: Josef Rauth leg. Drexel, geb.1900, der durch die Eheschließung der Eltern legitimiert wird.

Ihrer Ehe mit Alois Drexel entstammen die weiteren Kinder Fanny Drexel (geb. 1903, verehel. mit Johann Furkathofer), Amalia Drexel (geb. 1904, verehel. mit Franz Josef Klien), Anna Drexel (1906-1928), Hermina Drexel I. (1908-1910), Hermina Drexel II. (geb. 1914, verehel. mit Ignaz Schwarz).

  • Martin Rauth, 1880+.
  • Johann Rauth, 1881–1963,  wird Bahnarbeiter und heiratet 1914 in der Absamer Wallfahrtskirche die Anna Sailer, eine 1888 geborene Tochter des Maurers Albert Sailer und dessen Frau Maria Haller aus Zirl. Johann Rauth verstirbt 1963 in Breitenwang. Von seinen Kindern Karolina Rauth (geb. 1916), Kassian Rauth (geb. 1917) und Albert Rauth (geb. 1921) heiratet offensichtlich nur Albert Rauth 1947 in Absam die Maria Posch.
  • Theresia Rauth, 1885+.

Die ersten beiden Kinder von Kassian Rauth und Josefa Schwenninger kommen bereits vor der Eheschließung auf die Welt, drei Kinder sterben als Kleinkinder, zwei Kinder tragen den gleichen Vornamen „Martin“: nach damaliger Tradition wird nach dem Tod eines Kindes in einer Familie das nächstgeborene Kind des gleichen Geschlechts auf den gleichen Namen wie das Verstorbene „nachgetauft“. Hier verstirbt allerdings auch der zweite Martin bereits zwei Wochen nach seiner Geburt.

Obwohl alle fünf Kinder aus der Familie vom „Mugger Kassl“ und seiner Frau Josefa Schwenninger, die das Erwachsenenalter erreichen, eine Ehe schließen bzw. Nachkommen hinterlassen, stirbt dessen Linie (dem Familiennamen nach) in Seefeld aus: die Kinder bzw. deren Nachkommen ändern entweder durch Eheschließung ihren Familiennamen, oder sie ziehen von zu Hause weg.

c) Andreas Rauth, „Mugger Ander sen.” (1840-1894) und Maria Schöpf (1842-1888).

Andreas Rauth heiratet 1875 die Maria Schöpf (1842-1888), Tochter von Anton Schöpf (geb. 1799) und Elisabeth Gapp (geb. 1806). Er zieht vom Elternhaus Nr. 5, das sein Bruder Kassian Rauth übernimmt (siehe oben) zu seiner Frau in das Nachbarhaus Nr. 2, das der Weber Josef Schöpf, ein Onkel seiner Frau, vor einigen Jahrzehnten errichtet hat. Das Haus trägt später als „Haus Andreas“ seinen bzw. seines gleichnamigen Sohnes Namen. Das Alter des Hauses zeigt sich heute dann, wenn beim Verlegen einer neuen Leitung die damals verwendeten großen Steine in den Außenmauern zur Herausforderung werden. Dieses alte Seefelder „Haus Andreas“ am Ortseingang von Seefeld in der Innsbrucker Straße gehört heute (2014) der Familie Rabitsch.

Die Eheleute sind nur 13 Jahre verheiratet, ehe die Frau und Mutter Maria Schöpf 1888 verstirbt. Auch den Vater Andreas Rauth verlieren die Kinder sehr früh, er verstirbt 1894. Trotzdem schenken sie in dieser kurzen Zeit 9 Kindern das Leben:

  • Theresia Rauth, 1876-1955, von ihr wissen wir außer von einer Eheschließung mit einem Palfinger nichts Näheres.
  • Oswald Rauth, geb. und verst. 1877.
  • Andreas Rauth, geb. und verst. 1878; Zwilling mit
  • Maria Rauth, 1878-1942; Zwillingsschwester von Andreas Rauth (der bereits als Säugling verstirbt) heiratet 1902 in Innsbruck den Hamburger Gustav Balsen (1870-1955). Die Eheleute und ihre vier Töchter wohnen zuerst in Innsbruck, später zerstreut es sie in alle Winde:

Herta Balsen, geb. 1903, heiratet Felix Cohn in Hamburg,

Frieda Balsen, geb. 1904, heiratet Hermann Kriss in Dornbirn,

Paula Balsen, geb. 1905, heiratet Karl Berger in Bloemfontein,

Helga Balsen, geb. 1906, verstirbt 1990 in Inzing.

  •  Maria Rauth verstirbt 1942 in Hamburg, Gustav Bahlsen 1955 in Salzburg.

 

Die Familie Balsen: die Mutter Mutter Maria Rauth hat offensichtlich in eine höhere gesellschaftliche Schicht eingeheiratet. Foto: Familienarchiv Rauth.

  • Andreas Rauth, „Mugger Ander jun.“, 1879–1967, heiratet 1908 die Dienstmagd Serafina „Fina“ Draxl (1883-1963) aus Leutasch, Tochter von Alois Draxl „Tunigler“ und Mechtild Kluckner in Oberleutasch.

Andreas Rauth übernimmt das Elternhaus („Haus Andreas“) an der Innsbrucker Straße Nr. 2. Der Ehe mit Serafina Draxl entstammen zwei Söhne:

Josef Rauth (1909-1959) wird Berufsjäger und heiratet die um 11 Jahre ältere Flora Feigenbaum gesch. Eichler, geb. 1898 in Buttenhausen, Württemberg (Tochter von Albert Feigenbaum und Friderika Hochstetter). Während des Krieges muss das Ehepaar einige Zeit in der Schweiz verbringen. Flora Rauth verstirbt 1971. Josef Rauth hat keine Nachkommen mit seinem Familiennamen Rauth.

Josef Rauth wird der „Eichler Peppi“ genannt. Vielen Seefeldern ist er noch als begeisterter Eisstockschütze bekannt. Ebenso wissen noch manche um seinen tragischen Tod: auf der Pirsch erschießt ein Jagdkollege irrtümlich seinen geliebten Hund, den er für ein Wild gehalten hatte. Der „Eichler Peppi“ erleidet daraufhin eine Herzattacke, an der er eine Woche später verstirbt.

Adolf Rauth (1911-1969) „Mugger Ander’s Adolf“, heiratet 1936 in Stams die Emma Gstrein. Die Ehe bleibt wie die seines Bruders Josef kinderlos. Das Haus Nr. 2 geht einige Zeit nach seinem Tod von seiner Witwe Emma Rauth geb. Gstrein an die heutigen Besitzer (Rabitsch). 

  • OSWALD RAUTH „Mugger Oswald“, „nachgetauft“, heiratet 1914 in der Wallfahrtskirche Absam die Anna Lotter (1894-1971), siehe unten Pkt. VI.3.
  • SIGMUND RAUTH, „Schneider Sigl“, 1882-1969, heiratet 1911 die Maria Sailer (1887-1962), siehe unten Pkt. VI.4. 
  • Anna Rauth, 1883-1911, wird Dienstmagd in Kematen. Dort schenkt sie 1907 einer Tochter Hildegard Rauth das Leben. Der Vater Alois Westreicher, ein Knecht aus Fließ, heiratet die Mutter der gemeinsamen Tochter Hildegard 1908. Die Tochter heißt nun Hildegard Westreicher. Drei Jahre nach der Eheschließung verstirbt Anna Westreicher geb. Rauth mit 28 Jahren und hinterlässt den Witwer mit der vierjährigen Tochter.
  • Sophia Rauth, geb. 1887.
                                      •  

 

3. Oswald Rauth (1881-1965) und Anna Lotter (1894-1971)

Oswald Rauth. Foto: Familienarchiv Rauth.

Oswald Rauth (1881-1965) wird nach dem Tod seines 1877 verstorbenen  jüngeren Bruders  Oswald „nachgetauft“. Er ist zuerst bei der Bahn, nach seiner Entlassung wird er Hirt auf der Rosshütte. Der Pächter der Rosshütte, „Perger Ander“ Andreas Tiefenbrunner18 wird im Pachtvertrag mit der Gemeinde Seefeld verpflichtet, für diesen Hirten auch auf der von ihm ausgebauten Rosshütte ein eigenes Zimmer vorzusehen. Erwähnenswert, dass hier wieder zwei Personen aus den verwandten Familien Rauth und Tiefenbrunner miteinander zu tun haben. Das Markenzeichen von Oswald Rauth ist sein gepflegter „Schnauzer“.

Oswald Rauth heiratet 1914 in der Wallfahrtskirche Absam die in Kematen im Dienst stehende Anna Lotter (1894-1971), Tochter von Alois Lotter und Maria Lang aus Zirl.

Die Eheleute bauen sich gegenüber dem Elternhaus von Oswald Rauth (das der etwas jüngere Bruder Andreas Rauth übernimmt) auf der anderen Straßenseite das Haus Nr. 116 (heute „Villa Eleonora“, vorher „Haus Herta“). Wie alle neuen Häuser auf dieser Straßenseite haben sie bis zum Bau eines Kanals immer wieder große Probleme mit dem Wasser.

Oswald Rauth verstirbt 1965 mit 84 Jahren, seine Frau Anna geb. Lotter 1971 mit 77 Jahren.

Der Ehe entstammen drei Kinder, zwei davon gründen in Seefeld Familien:

a) Wilhelmine Rauth, geb. 1914.

Wilhelmine Rauth verstirbt am Tag ihrer Geburt.

b) Herta Rauth (1925-2012) und Friedl Binder (1925-2006)

Herta Rauth verehel. Binder. Sterbebild.

Herta Rauth, (1925-2012), heiratet 1947 den 1925 in Laimach/Zillertal geborenen und nun als Knecht im Seefelder Klosterbräu tätigen Senner Friedrich (Friedl) Binder (Sohn von Johannes Binder und Maria Rohrmoser). Seine Brüder sind u. a. die berühmten Zillertaler Franz Binder, der Gründer des großen „Säge- und Hobelwerkes Franz Binder“, und der Viehhändler Andreas Binder. 

Das Ehepaar wohnt zuerst noch zu Hause bei der Ehefrau, dann führen sie jahrelang einen Gastbetrieb in Scharnitz. Später bauen sie in Seefeld den „Krinserhof“. Einige Jahre wohnt der Schwager Lois Binder im Haus. Herta Binder geb. Rauth verstirbt 2012, ihr Ehemann Friedl Binder bereits 2006 Die Eheleute hinterlassen eine große Familie mit vier Kindern, vielen Enkeln und Urenkeln:

  • Monika Binder, geb. 1948, heiratet in Scharnitz den Reinolf Mössl („Pizzi“), der 1986 mit 39 Jahren bei einem Autounfall in Gießenbach verunglückt (Marterl neben der Straße), Kinder Claudia Mössl, Gabriela Mössl, und Reinolf Mössl. In 2. Ehe in Scharnitz verheiratet mit Charles Holmden.
  • Helga Binder, geb. 1950, heiratet in Seefeld den Toni Schatz, dessen Vater bei einem Verkehrsunfall auf der Umfahrungsstraße tragisch ums Leben kommt (daraufhin wird an der Unfallstelle eine Fußgängerunterführung gebaut). Sie bauen sich in der Nähe des Krinserhofes ein Haus. Kinder Sylvia Schatz, Markus Schatz, Pamela Schatz.
  • Friedrich (Friedl) Binder jun., geb. 1951, heiratet Prisca Beiler aus Inzing (Tante der Sängerin Nadine Beiler). Kinder Friedl Binder, David Binder und Simon Binder. Der Krinserhof wird inzwischen von ihnen und ihren Kindern geführt.
  • Ingrid Binder, verheiratet mit Hans Rupp in Scharnitz. Tochter Ines.

c) Herbert Rauth (geb. 1932) und Eleonora Kostenzer (1936-2004)

Herbert Rauth (geb. 1932) übernimmt das Elternhaus Innsbruckerstraße 116, später wird er am Römerweg wohnen. Er heiratet 1958 die Eleonora (Elli) Kostenzer (1936-2004), Tochter von Magdalena Kostenzer (geb. 1909), die später Gottfried Götz heiratet. Ihre Verwandten aus der Familie Kostenzer führen seit Jahrzehnten die Falkenhütte.

Herbert Rauth ist Hüterbub bei seinem Vater Oswald Rauth auf der Rosshütte, lernt nach einem kurzen Intermezzo bei der Bahn (wie sein Vater) in der Nachbarschaft den Mechanikerberuf, den er anschließend in der Firma Nemeth jahrelang ausübt. Dann wird er Pistenchef auf der Rosshütte und schlussendlich Mechaniker bei den Gschwandtkopf-Liften. Er ist passionierter und erfahrener Bergsteiger und Kletterer, mit seinen Bergkameraden und seinen Kindern steht er auf den höchsten Gipfeln aller Kontinente, Mitglied der Seefelder Bergrettung von der ersten Stunde an und neun Jahre lang deren Leiter, engagierter Lawinenhundeführer und Ausbildner bei der Lawinenhundestaffel.

Herbert Rauth an seinem 80ten Geburtstag, mit den Gratulanten der Gemeinde Seefeld Bürgermeister Werner Frießer und Ortschronistin Christina Bloch. Foto: Bloch, 2012.

Die Kinder von Herbert Rauth und Eleonora geb. Kostenzer sind

  • Eva Rauth, geb. 1958, Lehrerin.
  • Bernhard Rauth, geb. 1960, gelernter Elektriker, arbeitet später im Seefelder Casino. Er betreibt jahrelang die Frühstückspension „Haus Eleonora“.
  • Helmut Rauth, geb. 1968, heiratet die Claudia Haas aus Telfs. Er lebt und arbeitet heute in Salzburg.

 

4. Sigmund Rauth (1882-1969) und Maria Sailer (1887-1962)

Sigmund Rauth, „Schneider Sigl“, muss auf Grund des frühen Todes der Eltern und der Übertragung des elterlichen Hofes auf einen von der Gemeinde bestellten Treuhänder für den älteren aber noch nicht volljährigen  Bruder  Andreas  Rauth bei  fremden  Zieheltern untergebracht werden, da das elterliche Anwesen nicht so viel her gibt, dass alle hier leben können. Er kommt zu einer Familie nach Oberperfuß. Bei dieser erlernt  er das Schneiderhandwerk, macht in Wien die Meisterprüfung, kehrt wieder nach Oberperfuß zurück, verständigt sich mit seinem inzwischen erwachsenen Bruder Ander Rauth in Seefeld, bekommt von diesem einen Grund zur Verfügung gestellt und baut sich darauf ein kleines Haus in der Münchner Straße 142, (Schischule, Inschrift am Dachgiebel). Hier eröffnet er seine erste Schneiderwerkstätte.

Der „Schneider Sigl“ Sigmund Rauth baut 1925 ein Haus auf einem Grundstück des Bruders neben der späteren Feuerwehrhalle. Foto: Neuner, Aufnahme 2014.

Er schließt 1911 die Ehe mit Maria Sailer (1887-1962), der Tochter von Josef Sailer („Jagermartl“) und dessen ersten Frau Magdalena Hiltpolt. 133 Jahre oder vier Generationen vorher hat der Ur-Urgroßvater von Maria Sailer, Jakob Sailer, bereits eine Rauth-Tochter aus der Reihe der Vorfahren ihres Mannes geheiratet: 1778 die Barbara Rauth (siehe oben Kap. IV.).

Sigmund Rauth „Schneider Sigl“. Foto: Familienarchiv Rauth.

Maria geb. Sailer. Foto: Familienarchiv Rauth.

Auf Grund der 1000-Mark-Sperre können die Eheleute das zum Teil auf Schulden gebaute Haus nicht halten und müssen es hergeben. Sie ziehen als Untermieter mit der Schneiderwerkstatt in das Haus der „Lener Burgl“ Notburga Gapp mit der HNr 21 (hinter dem heutigen „Schmuckkastl“). Dort sind auch der Friseur Ewald (später beim Hiltpolt) und der Holzhändler Keifl aus Kärnten als Untermieter zu Hause. Die ersten Kinder kommen hier auf die Welt.

Das Haus Nr. 21 bekommt andere Eigentümer, die Mieter ziehen aus. Sigmund Rauth bekommt auf Grund familiärer Beziehungen und langjähriger Unterstützung das Haus der „Tudererliesl“ Elisabeth Schmidt mit der Nr. 51 an der Ecke Klosterstraße/Möserer Straße, ein Doppelhaus mit der HNr. 50 der Heigl Antonia („Heigl Poppi“). Die Tudererliesl bleibt ebenso wie ihre beiden Brüder ledig und ohne eigene Nachkommen. In diesem Haus betreibt der Schneider Sigl seine Schneiderwerkstatt am dritten Standort.

Arnold Rauth, Sohn von Sigmund Rauth und Maria geb. Sailer, der langgediente Seefelder Mesner (verstorben 1993), im Kreis seiner Klassenkameraden und Mitschülerinnen aus der Seefelder Volksschule, links neben der Frau Lehrerin Hauser. Die anderen Kinder: Obere Reihe: Herta Wanner, Rosa Wackerle, Kathi Klotz, Maria Rofner, Mina Neuner, Midi Pohl. Mittlere Reihe: Hedda Lener, Frieda Tiefenbrunner, Trudi Gapp, Midl Tiefenbrunner, Rosa Neuner, Gisela Wanner. Untere Reihe: Arnold Rauth, Lehrerin Frl. Hauser, Josef Gapp. Sitzend: Paul Sailer, Hans Wanner.

Kinder aus dieser Ehe:

  • Karl Rauth, geb. und verst. 1915.
  • Emma Rauth, geb. und verst. 1917.
  • ARNOLD RAUTH, 1919-1993, Mesner, heiratet 1946 die Maria „Midl“ Tauchmann, siehe unten Pkt.VI.5. 
  • Maria Magdalena („Midl“) Rauth, geb. 1921, zieht mit 18 Jahren nach Oberösterreich, heiratet 1945 den Hermann Piberger aus St. Georgen. Der Mann verstirbt allerdings sehr früh an einem Autounfall und hinterlässt seine Frau (die erst vor wenigen Jahren verstorben ist) und zwei Kinder.
  • Adolf Rauth, 1923-1930.
  • Friederika Rauth („Fritzi“), geb. 1932, heiratet 1956 in Mariazell den Gerhard Fuchs, den Sohn eines Getränkehändlers aus St. Gilgen, der in Seefeld die Landwirtschaftsschule besucht. Nach der Eheschließung zieht die Familie zuerst nach Birgitz, der Ehemann arbeitet beim Bürgerbräu, schließlich ziehen sie nach Graz. Sie haben zwei Kinder.

 

Drei geschwisterliche Schikanonen früherer Jahre: Arnold Rauth (li) und Maria Rauth verehel. Piberger (re), in der Mitte der mit sieben Jahren verstorbene Bruder Adolf Rauth.  Foto: Familienarchiv Rauth.

5. Arnold Rauth (1919-1993) und Maria Tauchmann (1924-1988)

Nur drei der sechs Kinder von Sigmund Rauth (1882-1969) und Maria Sailer (1887-1962) erreichen das Erwachsenenalter, Arnold Rauth, Maria Magdalena Rauth verehel. Piberger und Fritzi verehel. Fuchs. Die zwei Töchter Maria Magdalena Rauth und Friederika Rauth ziehen von zu Hause weg. Nur der Sohn Arnold Rauth bleibt in Seefeld und gründet hier eine große Familie.

Der langjährige Seefelder Mesner, Klarinettist und Gemeindearbeiter Arnold Rauth. Foto: Familienarchiv Rauth.

Arnold Rauth (1919-1993) wird nach dem Kriegsdienst Gemeindearbeiter und fungiert Jahrzehnte lang als Mesner in Seefeld. 1946 heiratet er die Maria Tauchmann (1924-1988).

Maria „Midl“ Tauchmann ist Verkäuferin in Seefeld, Marketenderin bei der Seefelder Musikkapelle und Mitglied der Schuhplattlergruppe. Ihre Eltern sind der Wachmann Tauchmann Johann (ein Sohn der Tauchmann Josefa aus Söchau in der Nähe von Graz) und die Anna Rantner („Mong“) aus Seefeld. Die Großeltern von Seiten der Mutter sind der Seefelder Johann Rantner und die Unterleutascherin Theresia Kleißl.

Tauchmann Johann. Foto: Familienarchiv Rauth.

Tauchmann Johann (1886-1965) wohnt zuerst mit seiner Frau Anna geb. Rantner beim Albrecht (die dortige Chefin ist ebenfalls vom „Mong“), kauft dann einen Grund von Martin Rofner an der Leutascher Straße, der mit Marie Rantner, der Schwester seiner Frau Anna Rantner  verheiratet ist, und baut dort für seine Familie ein Haus. 

Nachdem die Tochter Anni Tauchmann in Folge ihrer  Eheschließung (Schuchard) von Zuhause nach Neuleutasch zieht, übernimmt Arnold Rauth mit seiner Familie die dadurch frei werdende Wohnung im Elternhaus seiner Frau Maria geb. Tauchmann in der Leutascher Straße. Nach Fertigstellung seines neuen Hauses übersiedelt er mit seiner Familie in die Kirchwaldsiedlung. Dort wohnt heute die Familie von Sohn Werner Rauth, der allerdings bereits 2010 verstorben ist.

Arnold Rauth, 1919-1993

Die Kinder von Arnold und Midl Rauth sind:

  • Werner Rauth (1947-2010), Postbeamter, Mesner, heiratet 1979 die Edeltraud Hauser aus der Nähe von Kirchdorf an der Krems in Oberösterreich; sie übernehmen das Elternhaus in der Kirchwaldsiedlung; Kinder: Tatjana Rauth, Cynthia Rauth und Christoph Rauth.
  • Arnold Rauth (geb. 1950), Vergolder, Angestellter beim Seefelder Tourismusverband; ehem. Später Besitzer des „Monghofs“ aus dem Nachlaß der Großmutter Anna Rantner (siehe oben)
  • Rainer Rauth (geb. 1951), Elektroinstallateur, Mesner, heiratet in 1. Ehe Erika Brunner (Kinder: Margit Rauth und MonikaRauth) und in 2. Ehe Maria Nairz, Tochter von Walter Nairz und Hilde Wahrstätter; wohnen im ehemaligen Haus der „Tudererliesl“ (siehe oben).
  • Inge Rauth (geb. 1957), heiratet 1986 den Seefelder Erich Hosp, Sohn von Engelbert Hosp und Burgl Holzknecht; Sohn Christian Hosp.
  • Johann Rauth (geb. 1959), Mechaniker, heiratet 1994 Hildegard Weißkopf aus Prägraten; Kinder: Eva Maria Rauth und Andreas Rauth.
  •  Walter Rauth (geb. 1961), gelernter Frisör, Tiwag-Angestellter, heiratet 1998 die Monika Spindler aus Wagna in der Steiermark; Kinder: Tanja Rauth, Martin Rauth und David Rauth.

 

Glockenweihe 1955 in Seefeld, Glockenpatin Midl Rauth geb. Tauchmann (rechts). Die anderen Patinen sind (von links): Frieda Albrecht, Seyrling Paula, Lener Hanna. Foto: Familienarchiv Lener.

VII. Die „Hartler“ als Zweig des Seefelder Rauth-Clans

Der erste „Hartler“ genannte Rauth in Seefeld ist Bernhard Rauth (1761-1832), der mit Nothburga Egger (1756-1798) und in 2. Ehe mit Elisabeth Haslwanter (1769-1838) verheiratet ist. Sie dazu oben Kapitel V.

Während dessen Sohn Thomas Rauth (1799-1876) durch seine Verehelichung mit Elisabeth Tiefenbrunner und der Übernahme deren Vulgonamen „Mugger“ die Rauth-Linie der „Mugger“ begründet (siehe oben Kap. VI.), führt dessen Bruder Johann Rauth (1803-1868) die Linie der „Hartler“ als den ursprünglichen Vulgonamen der Seefelder Rauth weiter, den seine männlichen Nachkommen bis zum heutigen Tag weitertradieren.

Die Linie der Seefelder Rauth-Familien, die bis heute den Vulgonamen „Hartler“ tragen.

1. Johann Rauth (1803-1868) und Anna Katharina Gapp (1808-1853)

Die „Franzosenkriege“, die Europa zu Beginn des Jahrhunderts prägen und auch in Seefeld viel Leid anrichten (vor allem in den Jahren 1805 und 1809), sind vorbei. Das Seefelder Kloster wurde endgültig aufgelöst, die Gebäude sind nach deren Verkauf im Privatbesitz. Der Wiener Kongress leitet u. a. eine staatliche Restauration ein, die folgenden Jahre werden als „Vormärz“ bezeichnet, d. h. die Zeit vor der sogenannten „Märzrevolution“ 1848-1849, die vor allem auch Österreich erschüttern wird. Es ist die Zeit einer machtvollen Polizei, eines überwachten Staates mit Zensur und allgegenwärtiger Kontrolle. Die Bevölkerung in unserem Land macht dafür den legendären Staatskanzler Metternich verantwortlich. Die von der Staatsmacht ins Privatleben zurückgedrängte Bevölkerung entwickelt das „Biedermeier“, erleidet zeitweise große Armut und ausgeprägte Hungerperioden, die schließlich nach einem Hungerwinter 1847/1848 zur Revolution führen.

In der kleinen Welt am Seefelder Hochplateau gründet zu dieser Zeit Johann Rauth (1803-1868), der ältere Bruder vom „Mugger“ Thomas Rauth (siehe oben Kap. VI.), mit Anna Katharina Gapp (1808-1853), die er 1837 heiratet, seine Familie. Er übernimmt von seinem Vater Bernhard Rauth den Vulgonamen „Hartler“ und das Elternhaus (Hausteil in gemeinsamer Nutzung mit Gapp Johann „Max“) Nr. 45.

Zum Zeitpunkt seiner Eheschließung ist Johann Rauth 34 Jahre alt. Die Mutter Elisabeth Haslwanter ist seit fünf Jahren Witwe und inzwischen 68 Jahre alt geworden, sie wird im nächsten Jahr sterben. Der ältere Bruder Thomas Rauth hat bereits vor acht Jahren (1829) das Elternhaus verlassen und ist zuerst zum „Mugger“ hinaufgezogen, inzwischen aber mit seiner Familie am anderen Ende des Dorfes sesshaft geworden (siehe oben). Die ältere Schwester Kreszenz Rauth hat vor fünf Jahren geheiratet, ist also auch nicht mehr zu Hause (siehe oben).

Johann Rauth heiratet mit Anna Katharina Gapp (1808-1853) eine Frau aus einer ihm vertrauten Familie. Ihre Mutter, ebenfalls mit Namen Anna Gapp (1782–1818, Tochter von Michael Gapp und Magdalena Rantner), hat erst sechs Jahre nach der Geburt der Tochter Anna Katharina Gapp geheiratet (1814). Ihr Mann, und damit der Stiefvater von Johann Rauths Ehefrau Anna Gapp, heißt Georg Klotz. Dessen Mutter ist Maria Rauth, die Schwester vom „Hartler“ Bernhard Rauth, die 1780 den Simon Klotz heiratet (siehe oben Kap. IV.2.). Johann Rauth heiratet somit die Stieftochter seines Cousins Georg Klotz. Man bleibt also gerne in der Familie…

Aus der Ehe von Johann Rauth und Anna Katharina Gapp stammen fünf Kinder:

  • Elisabeth Rauth (1839-1917), heiratet 1864 den Peter Haslwanter (1834-1890), Sohn von Anna Haslwanter aus Reith (geb. 1800), eine Tochter von Balthasar Haslwanter und Rosina Schafferer.

Elisabeth Rauth schenkt bereits vor ihrer Eheschließung zwei Söhnen das Leben, Vater dieser Kinder ist der zukünftige Ehemann Peter Haslwanter:

Dismas Haslwanter. Sterbebild.

→  Dismas Haslwanter (1858-1929), geb. in Unterseefeld im Haus Nr. 72. Er wird Bauer und Wegmacher in Inzing, heiratet 1894 in Inzing Maria Diechtl (1866-1938) aus Telfs und hat mit ihr zehn Kinder.

Michael Haslwanter (1862-1922), geb. ebenfalls in Unterseefeld, wird Werksgehilfe bei der Südbahn in Kirchbichl, heiratet 1919 in Absam Maria Kahn (1872-1935) aus Rattenberg, Tochter von Georg Kahn und Rosina Schoner. Aus dieser Ehe sind keine Nachkommen bekannt. Michael Haslwanter stirbt infolge eines Schädelbasisbruchs bereits drei Jahre nach seiner Eheschließung, seine zurückgelassene Witwe Maria geb. Kahn verstirbt 1935.

Nach der Eheschließung von Elisabeth Rauth und Peter Haslwanter (dem Vater der oben genannten zwei Buben) kommt ein weiterer Sohn auf die Welt:

Oswald Haslwanter. Sterbebild.

Oswald Haslwanter (1866-1948), geb. in Reith (eingetragener Wohnort: Seefeld!). Er wird Landesangestellter (Straßenwärter) und heiratet 1893 in Wilten die Seefelderin Maria Draxl (1861-1934), Tochter von Michael Draxl und Rosina Tollinger. Ihr Sohn Josef Haslwanter (1896-1965) kommt im Haus Nr. 71 auf die Welt.

  • Maria Rauth, geb. 1841, heiratet 1880 in Zirl den Witwer Josef Scheiring, Sohn vom Zirler Bauer Anton Scheiring und dessen Ehefrau Theresia Kirchmair.
  • KRESZENZ RAUTH (1843-1907), bleibt ledig. Auf ihren 1876 geborenen Sohn Alois Rauth (Cousin vom „Hartler Seppl“) geht die heutige „Hartlertradition“ der Linie nach Paula Rauth („Hartler Paula“) vereh. Weichinger zurück (siehe Pkt. VII. 2).
  • JOHANN RAUTH (1845-1927), heiratet 1891 die Theresia Tiefenbrunner, sie werden die Stammeltern der späteren „Hartler“ nach Herta Rauth und Maria Rauth vereh. Spieß (siehe unten Pkt. VII.3.).
  • Oswald Rauth (1848-1921), zuerst Bauer auf dem Elternhaus Nr. 72 (früher Nr. 45), zieht aber dann nach Zirl. Dort heiratet er mit 51 Jahren die Aloisia Fritsche. Sie ist die seit ihrer Kindheit in Zirl wohnhafte 1863 geborene Tochter der Dienstmagd Rosina Fritsche (Dienstorte: Lindau, Wintertur, Bürserberg…). Oswald Rauth verstirbt 1921 in Seefeld im Haus Nr. 72, wohnt am Ende seines Lebens also wieder in seinem Elternhaus. 

 Anna Katharina Gapp, die Mutter dieser genannten fünf Kinder und Ehefrau von Johann Gapp verstirbt 1853 im Alter von 45 Jahren. 1859, sechs Jahre nach ihrem Tod, hat der Witwer Johann Rauth  mit Franziska Suitner verwitwete Schwenninger eine Tochter Zita, die aber kurz nach der Geburt verstirbt. Von einer Eheschließung der Kindseltern ist nichts bekannt, deshalb ist sie eher unwahrscheinlich.

 

2. Kreszenz Rauth (1843-1907) und ihre Nachkommen

Aus dieser Linie gibt es heute in Seefeld zwar keine Nachkommen mehr mit dem Familiennamen Rauth, wohl aber mit anderen Familiennamen und dem Vulgonamen „Hartler“. Deshalb soll deren Geschichte hier festgehalten werden.

Kreszenz Rauth (1843-1907), die Tochter vom „Hartler“ Johann Rauth (1803-1868), hat wie ihre ältere Schwester Elisabeth Rauth ein uneheliches Kind: Sohn Alois Rauth kommt 1876 auf die Welt.

Als Vater ist Alois Haslwanter aus Reith angegeben. Kreszenz Rauth bleibt ledig und verstirbt 1907 im Haus Nr. 85. Diese hintere Haushälfte „beim Noarz“ (heute „s’Hoamatl“) in Unterseefeld hat ehemals ihrem Verwandten Andreas Rauth gehört, der 1870 mit 83 Jahren ledig verstorben ist (siehe oben Pkt. III.3.b.).

a) Alois Rauth (1876-1920) und Maria Unterhuber (1884-1941)

Alois Rauth (1876-1920), der Sohn von Kreszenz Rauth, wird Bergknappe und heiratet 1909 in Weitental die Maria Unterhuber (1884-1941) aus Südtirol. Weitental liegt 4 km von Niedervintl entfernt im Pfunderertal. Ihre Eltern sind Johann Unterhuber und Margreth Putzer.

Die Kinder von Alois Rauth und Maria Unterhuber:

Der „Hartler Engl“ Engelbert Rauth. Foto: Familienarchiv Rauth.
  • Alois Rauth (geb. und verst.1910).
  • Maria Rauth (geb. und verst.1912).
  • Alois Rauth („nachgetauft“, geb. und verst. 1913).
  • Engelbert Rauth (1914-1943), „Hartler Engl“. Zum Zeitpunkt seiner Geburt sind die drei jüngeren Geschwister bereits verstorben. Und auch sein Leben endet tragisch: er, der einzige Sohn der Familie, wird ein Opfer des II. Weltkrieges, gefallen in Russland 1943.
  •  PAULA RAUTH (1919-1999), heiratet 1943 den Paul Weichinger (1914-1984). Siehe unten Pkt. VII.2.b..

Alois Rauth und seiner Frau Maria geb. Unterhuber wohnen im Haus der Mutter Nr. 85, wo auch die Kinder auf die Welt kommen. Alois Rauth verstirbt 1920 an einer Lungenentzündung, ein Jahr nach der Geburt des jüngsten Kindes Paula Rauth.

Die Witwe Maria Rauth geb. Unterhuber heiratet 1926 in II. Ehe den Michael Huber (1905-1990). Er stammt aus Michelsberg (Gemeinde Nikolsdorf) und ist zuerst Schuhmachermeister in Lengberg. In späteren Jahren ist er dann Revieroberjäger in Scharnitz.

Die Doppelhaushälfte Nr. 85 wird verkauft, dafür erwerben sie ein Grundstück vom Cousin des ersten Mannes (Josef Rauth „Hartler Seppl“, siehe unten) und bauen das Haus Nr. 109 in der Münchner Straße. Aus dieser zweiten Ehe stammen keine Nachkommen. Die Ehe wird 1935 geschieden.

Von den ursprünglich fünf Kindern aus der Ehe von Alois Rauth und Maria geb. Unterhuber sterben bereits drei im Jahr ihrer Geburt, der Bruder „Hartler Engl“, kommt im Krieg um. Von den fünf Kindern kann also nur die Jüngste, die 1919 geborene Paula Rauth, eine Familie gründen:

b) Paula Rauth (1919-1999) und Paul Weichinger (1914-1984)

Paula Rauth ist das einzige Kind von Alois Rauth und Maria Unterhuber, das eine Familie gründen kann. Sie heiratet 1943 den Paul Weichinger (1914-1984).

Paula Rauth und Paul Weichinger. Foto: Familienarchiv Weichinger.

Paul Weichinger  ist der Sohn von Sagschneider Josef Weichinger (1873-1964) und Rosina Heinz (1878-1932) in Mutters. Heute lebt eine große Verwandtschaft von Josef Weichinger zum Großteil in Mieders.

Paul Weichinger kommt mit einer Holzarbeiter-Partie, die von der Familie Seyrling (Klosterbräu) engagiert wird, nach Seefeld. Er hilft der Paula Rauth bei der Heuarbeit, ihre Eltern und drei ihrer Geschwister sind bereits verstorben, Bruder Engelbert Rauth  ist im Krieg und wird nicht mehr zurückkommen. Aus dem Helfer bei der Heuarbeit wird 1943 der Ehemann von Paula Rauth.

Das Elternhaus Nr. 109 ist zur Übernahme durch den Sohn Engelbert Rauth vorgesehen, da er aber im Jahr der Eheschließung der Schwester Paula Rauth 1943 im Krieg in Russland umkommt übernehmen Paula und Paul Weichinger das Haus. Kurze Zeit darauf kommen die beiden Kinder auf die Welt:

  • Waltraud Weichinger (1944-2011), heiratet Hans Faller, sie haben drei Kinder.
  • Alois „Luis“ Weichinger, geb. 1948, lebt heute im Elternhaus. Sohn Thomas Weichinger verstirbt 1996 auf tragische Weise.

Der Schwiegervater von Paula Weichinger geb. Rauth, Josef Weichinger, geb. 1873, zieht als Witwer zur Familie seines Sohnes von Mutters nach Seefeld ins Haus Nr. 109. Mit 91 Jahren kommt er auf tragische Weise 1964 beim Bahnübergang in Unterseefeld durch einen Zug ums Leben.

Paula Rauth verehel. Weichinger mit ihrem Mann Paul Weichinger, dem Schwiegervater Josef Weichinger, und den beiden Kindern Waltraud und Luis. Foto: Familienarchiv Weichinger.

3. Johann Rauth (1845-1927) und seine Nachkommen

Der „Hartler“ Johann Rauth (1845-1927), Sohn des gleichnamigen Vaters Johann Rauth (1803-1868) und Enkel von Bernhard Rauth (1761-1832), holt sich 1891 mit Theresia Tiefenbrunner (1862-1914) wie sein Onkel Thomas Rauth eine Generation vorher, seine Frau aus dem Tiefenbrunner-„Mugger“-Clan. Im Unterschied zu damals „wechselt“ hier allerdings nicht der Mann, sondern wie meistens die Frau ihren Vulgonamen.

Theresia Tiefenbrunner ist die Tochter von Martin Tiefenbrunner (1818-1888) und der Hebamme Maria Anna Klieber (1829-1901). Theresia Tiefenbrunners Tante Elisabeth Tiefenbrunner (1805-1883) hat 1829, also vor etwas über 60 Jahren, mit Thomas Rauth den Onkel ihres Ehemannes geheiratet.

Das alte „Hartler-Haus“ auf einer historischen Aufnahme, heute Karwendelweg 80. Johann Rauth und Theres Tiefenbrunner übernehmen das Haus von der Familie Seyrling um das Jahr 1892. Repro aus: Voelk, Seefeld in alten Ansichten.

Die Kinder aus dieser Ehe sind:

  • Josef Rauth (1892-1967), heiratet 1922 die Rosa Waldauf, siehe unten unter a).
  • Anna Rauth (1893-1926), sie ist kränklich und verstirbt ledig mit 34 Jahren zu Hause.
  • Maria Hedwig Rauth (geb. 1895), heiratet 1941 nach Ladis im Oberland, wo sie als Köchin im Dorfgasthaus arbeitet.
  • Sophia Rauth (1897-1976), heiratet 1939 den Paul Pertoli, siehe unten unter b).

 

a) Josef Rauth (1892-1967) und Rosa Waldauf (1898-1973)

Josef Rauth (1892-1967), „Hartler Seppl“, heiratet 1922 in Absam die Rosa Waldauf (1898-1973), Tochter von Anna Waldauf aus Abfaltersbach. Er arbeitet bei der Bahn und führt im übernommenen Elternhaus am heutigen Karwendelweg 80 die kleine Landwirtschaft weiter.

Das Hochzeitsfoto von Josef Rauth („Hartler Seppl“) und seiner Frau Rosa Waldauf aus dem Jahr 1922. Foto: Familienarchiv Rauth.

Deren sechs Kinder und ihre Familien:

  • Frieda Rauth (1921-2011), heiratet Franz Lerche. Drei Kinder kommen noch in Seefeld auf die Welt, dann zieht die Familie nach Adelaide in Australien, wo noch eine Tochter auf die Welt kommt. Franz Lerche verstirbt 1999 in Adelaide.

    Herta Rauth. Foto: Familienarchiv Rauth.
  • HERTA RAUTH, 1923-1993, übernimmt das Elternhaus am Karwendelweg Nr. 80. Sie bleibt ledig, schenkt aber drei Kindern das Leben:

Christian Rauth, geb. 1952, heiratet in Seefeld und baut ein Haus neben dem Elternhaus, der Ehe entstammen zwei Töchter. Später zieht er nach Mittenwald und heiratet dort die Marianne Sailer. Dort vermieten die Eheleute u. a. Ferienwohnungen in ihrem „Haus Martin“. Dieser Ehe entstammen zwei Söhne, Martin Rauth  und Christian Rauth.

Silvia Rauth, geb. 1956, heiratet Florian Lang in Natters. Ihre Tochter Regina Lang lebt in Zirl.

Thomas Rauth, geb. 1965, übernimmt von der Mutter das alte Haus, ist inzwischen aber im Wipptal verheiratet und führt in Pfons bei Matrei einen Tischlerei- und Bauelementebetrieb.

Die drei Hartler-Kinder von Herta Rauth: Christian Rauth (li), Silvia Lang geb. Rauth (mitte) und Thomas Rauth (re). Foto: Familienarchiv Rauth.

  • Johann Rauth, (1928-1995), heiratet 1948 in Reutte die Marie Niederkofler, das Ehepaar hat einen 1945 geborenen vorehelichen Sohn.

    Johann Rauth. Sterbebild.

Bis zu seiner Pensionierung arbeitet Johann Rauth im Gastgewerbe in Stuttgart. Hier in der Nähe (Schmiden/Fellbach) schließt er auch 1960 eine zweite Ehe mit Rosemarie Rinderknecht, geb. 1939 als Tochter von Otto Rinderknecht und Elfriede Seybold. Aus dieser Ehe stammen vier Kinder.

Nach seiner Pensionierung übersiedelt Johann Rauth nach Gießenbach bei Scharnitz und baut sich dort ein kleines Holzhaus.

In dritter Ehe heiratet er 1985 in Scharnitz die Alma Neuner (1938-2016). Die Eheleute wohnen nun in Scharnitz, wo Johann Rauth 1995 verstirbt.

  • Gertrud („Trude“) Rauth, geb. 1930, geht auf Au Pair nach Paris, dort heiratet sie den José Trucco. Nach dem Tod ihres Mannes und des gemeinsamen Sohnes Eric Trucco (1965-1986) wohnt die Witwe am Montmartre in Paris. Sie verstirbt 2017.
  • Adele Rauth, geb. 1931, heiratet 1953 in Stams den Alois Riedmann. Die Kinder aus dieser Ehe sind Lois Riedmann, Claudia Riedmann, Daniela Riedmann und Gerhard Riedmann.

    Erwin Rauth heiratet 1962 Trude Koppensteiner. Foto: Michael Rauth.
  • Erwin Rauth (1939-2017), gelernter Maurer, machte später eine Kellnerlehre und arbeitet dann in Wien im Parkhotel beim Schloß Schönbrunn. Dort lernt er seine spätere Frau Gertrude (Trude) Koppensteiner gesch. Bardorf (1930-1993), kennen, die dort als Etagengouvernante und Barfrau arbeitet. Ihre Eltern sind Anton Koppensteiner und Antonia Wallisch aus Wien. Nachkommen der Familie Koppensteiner wohnen bis heute im Schloss Schönbrunn!
 

Erwin Rauth und seine Frau ziehen nach Siegen (Deutschland) und pachten dort die „Irlestube“, später den größeren „Stahlhof“ in Siegen/Geisweid. Nach etlichen Jahren zieht die Familie wieder zurück nach Tirol, ab 1973 führen die Eheleute das Gasthaus Traube in Bichlbach. Anfang der 90er-Jahre übersiedeln sie nach Altusried in Bayern und pachten dort die „Fröhliche Aussicht“ in Altusried.

Erwin Rauth

1993 verstirbt die Ehefrau Gertrude geb. Koppensteiner, Erwin Rauth führt anschließend mit seiner neuen Partnerin Maria Hiemer bis zu seiner Pensionierung den „Brotstadl“ in Altusried. Er verstirbt 2017 und ist am Friedhof in Altusried begraben.

Als einziges Kind von Erwin Rauth und Gertrude Koppensteiner kommt ihr Sohn Michael „Mitch“ Rauth 1968 in Weidenau bei Siegen/Hessen auf die Welt. Mit seinen Eltern kommt er mit fünf Jahren nach Tirol und geht in Reutte zur Schule. 1988 zieht er nach Wien und schließt dort 1994 das Studium der Astronomie und 1998 das Studium der Geophysik ab. 1998 heiratet er in Freiburg die Bianca Freikowski (geb. 1969). Gemeinsam mit der inzwischen einjährigen Tochter Ella Sophie ziehen sie 1998 nach Stavanger in Norwegen, wo Mitch Rauth als Geophysiker in der Erdölbranche arbeitet. Nach der Übersiedlung nach Bonn kommt dort 2001 die zweite Tochter Nell Anastasia auf die Welt. Heute lebt Michael Rauth mit seiner zweiten Frau Tanja Schmidt in Brühl und arbeitet bei der Telekom-Tochter congstar19.

Hochzeit 2015 von Mitch Rauth und Tanja geb. Schmidt, mit den Töchtern Ella Rauth (links) und Nell Rauth (rechts). Foto: Michael Rauth.

b) Sophia Rauth (1897-1976) und Maria (Midl) Rauth (1917-2018)

Sophia Rauth (1897-1976) arbeitet einige Zeit als Stubenmädchen im Karwendelhof, später als Kellnerin in Innsbruck/St. Nikolaus. 1939 heiratet sie den Paul Pertolli (geb. 1887 in Innsbruck), Schrankenwärter bei der Bundesbahn, Sohn von Alois Pertolli und Anna Wackerle.

Die Eheleute wohnen im „Malaunerischen Haus“ Nr. 72 beim Seefelder Hof. Sie haben keine gemeinsamen Kinder. Sophia Rauth verehel. Pertolli verstirbt 1976, ihr Mann Paul Pertolli verstirbt bereits 1953.

Sophia Rauth bringt eine Tochter mit in die Ehe, Maria (Midi) Rauth, geb. 1917. 

Midi (Maria) Spieß geb. Rauth feiert am 26.12.2017 ihren 100. Geburtstag. Sie ist zu diesem Zeitpunkt die älteste Seefelder Gemeindebürgerin. Sie verstirbt ein Jahr später am 6.12.2018. 

Midi Spieß geb. Rauth an ihrem 100. Geburtstag 2017. Es gratulieren BM Frießer und Pfarrer Kierzkowski. Foto: Holzknecht (meinbezirk.at).

Midi Rauth wächst bei ihrem Onkel Josef Rauth im Elternhaus der Mutter am heutigen Karwendelweg auf. Später wohnt sie mit der Mutter im Haus Nr. 72 neben dem Seefelder Hof. Den Kindergarten und die Schule besucht sie in Innsbruck, wohin sie die Mutter auf ihrem Weg in die Arbeit täglich mitnimmt (siehe oben). Nach der Schule arbeitet sie als Verkäuferin, Schneiderin und Näherin u. a. im Souvenirladen in der „Post-Dependance“ und in Mittenwald bzw. München, während des Krieges auch als Kindermädchen in Seefeld.

Noch während des Krieges heiratet Maria (Midi) Rauth 1943 (vier Jahre nach der Mutter, siehe oben) den Seefelder Josef Spieß (1911-1989), Sohn von Karl Spieß und Frieda Gapp. Die Eheleute wohnen  im  „Landhaus Spieß“ im Dorfzentrum.

Der Ehe entstammen zwei Kinder:

→ Tochter Gertrud (Gerda) Spieß kommt 1944 auf die Welt. Sie heiratet 1969 den Sailer Johann (Hansi) vom Jagermartl, der inzwischen verstorben ist. Die zwei Kinder sind Isolde Sailer und Hansjörg Sailer.

→ Sohn Karlheinz Spieß „Speedy“, geb. 1959 lebt heute in Polling, das von ihm übernommene Elternhaus in Seefeld wurde vor einiger Zeit verkauft.

Als Witwe ist Midi Spieß geb. Rauth jahrelang die Lebensgefährtin des ehemaligen Scharnitzer Altbürgermeisters Hans Neuner „Kortler“ (1922-2012). Ihre letzten Lebensjahre verbringt sie in der Seefelder Seniorenresidenz als älteste Seefelder Bürgerin ihrer Zeit. Am 6.12.2018 verstirbt sie in ihrem 101. Lebensjahr.

 

VIII. Die „Geggl-Line“ nach Sigfried Rauth

Neben den „Mugger-Rauth“ und den „Hartler-Rauth“ gibt es heute in Seefeld noch einen weiteren „Rauth-Clan“, der auf den vor drei Generationen nach Seefeld gezogenen  Postbeamten Sigfried Rauth (1910-2008) aus Leutasch zurückgeht.

Sigfried Rauth. Foto: Rauth Arthur.

Siegfried Rauth stammt vom „Geggl“ in Oberleutasch, Kirchplatzl. Wie bereits eingangs dargelegt, stammen auch er und seine Nachkommen wie alle anderen heute in Seefeld lebenden Gapp von Michael Rauth ab, der um 1635 vom Außerfern nach Leutasch gekommen ist (siehe den Beginn dieses Artikels). 

Sigfried Rauth kommt nach dem Krieg aus beruflichen Gründen nach Seefeld und arbeitet hier in verschiedenen Funktionen bei der Post. Hier lernt er seine spätere Frau Anna Steinlechner verw. Birkl (1910-1989) kennen, die ebenfalls bei der Post arbeitet. Sie stammt aus Wörgl, ist ursprünglich Verkäuferin beim „Albrecht“ und bereits Witwe. Sie war zuerst mit dem Seefelder Spengler Josef Birkl (geb. 1916) verheiratet, der mit 28 Jahren als Unteroffizier 1944 im Lazarett von Marschansk in Russland verstorben ist.

Anna geb. Steinlechner. Foto: Rauth Arthur.

Sigfried Rauth und Anna Steinlechner verw. Birkl heiraten 1948 in einer Doppelhochzeit mit dem Bruder des Mannes Albert Rauth in Seefeld. Albert Rauth übernimmt das Elternhaus in Leutasch.

1948 kommt Arthur Rauth als Sohn von Sigfried und Anna Rauth auf die Welt. Er wird Lehrer und arbeitet engagiert u. a. in Gemeinde, Pfarre und Bergrettung. In der Kirchwaldsiedlung gründet er mit seiner Frau Amalia (Mali, geb.1946) eine Familie, ihre Kinder sind Wolfgang Rauth, Susanne Rauth und Cornelia Rauth.

Im Unterschied zu den Vulgonamen „Hartler“ und „Mugger“ wurde der Vulgonamen „Geggl“ in Seefeld (im Unterschied zu Leutasch) eigentlich nie heimisch. Die Wenigsten kennen überhaupt einen Zusammenhang zwischen den Leutascher „Geggl“-Familien und den Seefelder Nachkommen dieses großen Leutascher Familienclans bzw. die Verbindung der Seefelder „Geggl“ mit den beiden anderen heimischen Rauth-Clans, den „Hartler“ und „Mugger“.

 

******************************************************************************************

Danke, Bitte, Einladung

Nur durch mannigfaltige Hilfe konnte diese Familiensaga zusammengestellt werden. Der Dank gilt den Seefelder Ortschronistinnen Erna Andergassen, Christina Bloch und Elke Ehwald, vor allem aber Werner Rauth aus Leutasch für die akribische Erforschung der Matrikendaten seines großen Familienclans im In- und Ausland.

Einen ganz herzlichen Dank dem Tiroler Landesarchiv, der Bibliothek des Ferdinandeums, dem Archiv der Diözese Innsbruck, dem Bundes Eich- und Vermessungsamt in Innsbruck und Wien, und dem Seefelder Pfarrarchiv. Stellvertretend für viele andere, die Informationen, Dokumente, Fotos und Vorschläge unterbreitet haben, seien herzlichst bedankt (alph.): Aloisia Heigl, Holzknecht Heinz, Alberta Kuen+, Silvia Lang, Maridl+ und Hubert Neuner+, Paula+, Oskar+ und Klaus Norz, Arnold Rauth, Arthur Rauth, Herbert Rauth, Mitch Rauth, Rainer Rauth, Maria Spieß+, Karl-Heinz Strasser+, Gusti Tiefenbrunner, Luis Weichinger, Josef Wieser, Wilhelm Völk  u.v.a.

 

Weder die genannten Personen oder Institutionen noch der Autor haben für die Zurverfügungstellung von Informationen und Materialen oder die Arbeit an dieser Saga Vergütungen irgendwelcher Art entgegengenommen. Und so soll auch das hier zusammengetragene Material  jedermann weltweit frei zur Verfügung stehen.

Die Inhalte dieser Familiensaga (Familiennamen-Saga) sind eine Momentaufnahme auf Basis des derzeit verfügbaren Wissens und der dem Autor dankenswerter Weise zur Verfügung gestellten Materialien. Personenbezogene Daten sind rechtlich geschützt, deshalb sind solche zu lebenden Personen nur angeführt, wenn sie öffentlich zugänglich sind oder wo von den Betroffenen das Einverständnis vorhanden ist. Alle Angaben ohne Gewähr.

Im Unterschied zu einem gedruckten Artikel können hier auf einer Homepage Ergänzungen, Rückmeldungen, Korrekturen etc. jederzeit eingearbeitet werden. Deshalb ergeht die herzliche Einladung und Bitte besonders an alle Familienmitglieder des weltweit verbreiteten Rauth-Clans, aber auch an alle anderen Besucher dieser Homepage, an der Aktualisierung und Vervollständigung dieser „Rauth-Saga“ mitzuarbeiten. Sei es durch Informationen, Geschichten, Fotos, Dokumente, Hinweise auf Quellen etc.

Die „Rauth-Saga“ ist so interessant, aussagekräftig, unterhaltsam, kurzum so gut, wie wir alle gemeinsam dazu beitragen.

Hans Neuner, Herbst 2020

Kontakt: hauserhans@gmx.net.

 

 

 

 

 

  1. Dies ist eine überarbeitete Fassung der „Rauth-Saga“ im Jahrbuch 2013  Gemeinde Seefeld, Seefeld 2014, S. 77-111 []
  2. Finsterwalder, K., Tiroler Familiennamenkunde, Innsbruck 1994, Seite 436. []
  3. In den Matrikenbüchern findet sich auch die Schreibweise „Joannes“. Der leichteren Lesbarkeit halber wird in der Folge durchgehend die Schreibweise Johann verwendet, unabhängig von der jeweiligen bezugnehmenden Schreibweise in den Kirchenbüchern []
  4. Siehe die „Jagermartler-Saga“ im Jahrbuch 2017 der Gemeinde Seefeld []
  5. Olt R. (Schriftleitung), Leutasch – Eine Ortschronik; Leutasch 1990 []
  6. Diese (legendenhafte) Geschichte mit einigem historischen Gehalt verdanken wir den Recherchen von Werner Rauth (mündlich überliefert) und den Aufzeichnungen des legendären Leutascher Schuldirektors Mathias Reindl [Reindl, M., Leutasch in Tirol, Leutasch 1962] []
  7. Nach Reindl M., Leutasch in Tirol, Leutasch 1962, 61ff. Siehe auch: Praxmarer J., Die Pestkapelle im Gaistal, Innsbruck 1936. []
  8. Zeitschrift des Ferdinandeums, 55. Heft 1911, 55f []
  9. Siehe: http://www.scotlandschurchestrust.org.uk/church/sacred- heart-church-edinburgh []
  10.  Haidacher Franz, Vom Bauernbuben zum „Kirchendecorador“, in:Reimichls Volkskalender 2004, 60 – 65 []
  11. Beim Familiennamen „Schwenninger“ gilt das gleiche wie beim Familiennamen „Haslwanter“:  es  finden  sich  bei allen betreffenden Familien und Familienangehörigen alle denkbaren unterschiedlichen Schreibweisen (Schwenninger, Schweniger, Schwenniger…), sogar für die ein und dieselbe Person, sogar bei den heute lebenden Personen. In diesem Beitrag wird einheitlich die Schreibweise Schwenninger verwendet. Wie die korrekte Schreibweise bei den derzeit lebenden Inhabern dieses Familiennamens ist (z. B. lt. Staatsbürgerschaftsurkunde) entzieht sich der Kenntnis des Autors []
  12. Später wird der Vulgonamen „Duderer“ in der Regel „Tuderer“ geschrieben []
  13. Seelenbeschreibung in der Pfarre Seefeld im Jahre 1820. Pfarrarchiv Seefeld []
  14. Publiziert in der Broschüre von Voelk, W., Alte Ansichten von Seefeld, Druck Athesia Innsbruck, Eigenverlag Dipl.-Ing. Voelk, o. .J, Seite 9 []
  15. An der heutigen Wegkreuzung Münchner Straße/Hermannstalstraße/Wasserfallweg befand sich auch früher schon ein Bankl, wo sich nach Feierabend die Männer der Umgebung trafen, um sich über ihre „Heldentaten“, die Qualität ihres Viehs, und den großartigen Ertrag aus Feld und Wald… auszutauschen. Ihre Ehefrauen nannten dieses Bankl bezeichnenderweise „Lugenbankl“, Auskunft Oskar Norz+ []
  16. Das Urteil des Innsbrucker Schwurgerichtes kann man nachlesen im „Tiroler Anzeiger“ vom 7.4.1934, S.9 []
  17. Sie die Zunterer-Saga im Jahrbuch 2011 oder auf dieser Homepage []
  18. Die ursprüngliche Schreibweise des Vulgonamens ist „Perger“, hergeleitet vom Vornamen des Vaters von Andreas Tiefenbrunner, Peregrin Tiefenbrunner. Heute wird der Vulgoname mit „Berger“ bezeichnet []
  19. Diese ausführlichen Informationen zur Familiengeschichte wurden dankenswerterweise von Mitch Rauth zur Verfügung gestellt. Gerne können hier auch zu anderen Familien nähere Informationen und Bilder eingearbeitet werden, wenn dies gewünscht und entsprechendes Material zur Verfügung gestellt wird []